40 Tonner festgefahren Wie der Sattelschlepper nach der Irrfahrt in Solingen befreit wurde

Solingen · Der Lastwagen, der sich in Solingen nach einer Chaos-Fahrt festgefahren hat, ist wieder frei. Er musste über dieselbe Brücke transportiert werden, die er auf der Hinfahrt genommen hat.

Sattelschlepper fährt sich am Keusenhof in Solingen fest​
23 Bilder

Sattelschlepper fährt sich am Keusenhof in Solingen fest

23 Bilder
Foto: Peter Meuter

Christa Wirth ist fasziniert. Die Anwohnerin der Solinger Hofschaft Keusenhof hat beobachten können, wie der festgefahrene Lkw aus seiner misslichen Lage befreit wurde. „Das war Zentimeterarbeit“, sagt sie anerkennend.

In der Nacht von Sonntag auf Montag hatte sich ein Lkw in Solingen-Ohligs festgefahren. Der Sattelschlepper hatte während seiner Irrfahrt auf immer enger werdenden Straßen und Gassen zunächst ein Auto gestreift, sich aber nicht um den Schaden gekümmert und war weiter gefahren. Dann fuhr er über eine Brücke, die für eine solche Last nicht ausgelegt ist, beschädigte dabei ein Verkehrsschild. Und zu guter Letzt fuhr er sich an einem Fachwerkhaus fest.

Seither waren Polizei und Fachkräfte der Solinger Stadtverwaltung damit beschäftigt, den Lkw wieder flott zu machen. Dem Fahrer wurden die Schlüssel abgenommen. Laut Polizei stand er nicht unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen.

Während geprüft wurde, ob die Brücke größeren Schaden genommen hatte, musste die darunter herführende S-Bahn-Strecke zeitweise gesperrt werden. Dann gab Marco Wibmer von den Technischen Betrieben der Stadt Solingen Entwarnung: Die Brücke war nicht einsturzgefährdet, die S-Bahn-Strecke konnte wieder frei gegeben werden.

Nun ging es darum, den Lkw wieder flott zu machen. Einfach weiterfahren, das wäre aufgrund der engen Gassen und Winkel der Hofschaft nicht möglich gewesen. Blieb nur die Möglichkeit, denselben Weg wieder zurückzunehmen.

Zwischenzeitlich hatte die Stadtverwaltung ein Statikbüro eingeschaltet, das eine erneute Überquerung am Computer simulierte. Währenddessen wurde der Lkw von einem Solinger Lebensmittelgroßhändler und seinen Mitarbeitern entladen.

Eigentlich sollte der Sattelschlepper mit seiner Ladung – drei Paletten Toastbrot – gegen 8 Uhr an seinem Standort ankommen. Das tat er aber nicht. „Kurz vor 9 Uhr hat dann die Polizei angerufen, dass sich der Lkw festgefahren hat“, erzählte Dogan Sainkaplan, Inhaber des Großhandels. Daraufhin organisierte er zwei Lieferwagen seiner Firma, mit denen er die Ladung aus dem havarierten Lkw entlud. „Viermal sind wir zwischen dem Keusenhof und unserem Lager hin und her gefahren“, berichtet er. Einen Schaden habe die Ladung nicht genommen.

Zunächst wurde überlegt, den Aufleger von der Zugmaschine zu trennen und beide getrennt voneinander über die kleine Brücke zurück zu führen. Doch nachdem die Statiker grünes Licht gaben, war klar: Der Lkw kann im Ganzen geborgen werden. Allerdings mussten dazu erst noch zwei Bergungsfahrzeuge an die Unglücksstelle fahren und dazu die kleine Brücke überqueren – und die sind mit rund 15 Tonnen auch nicht gerade leicht.

Mit Seilwinden zogen diese Bergungsfahrzeuge den Lkw Zentimeter für Zentimeter aus seiner misslichen Lage. Weiteren Schaden nahmen dabei Gebäude wie auch Sattelschlepper offensichtlich nicht. Dann wurde der Lkw gewendet und konnte im Schneckentempo „unter besonderen Fahranweisungen“, so Marco Wibmer – also langsam, mittig, ohne zu bremsen oder anzuhalten – seinen Rückweg antreten. Die Brücke hielt durch, der Einsatz war gegen 16.30 Uhr beendet.

Marco Wibmer ist bei den Technischen Betrieben der Stadt Solingen für die Instandhaltung der Brücken zuständig. Hat er so etwas schon mal erlebt? „Ja“, antwortet er, „leider schon zu oft. Und ganz besonders bitter wird es, wenn man sich dafür die Nacht um die Ohren schlagen muss.“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort