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Solingen: LKA-Details zum Schnittert-Mord

Solinger vor dem Landgericht angeklagt : LKA-Details zum Schnittert-Mord

Weiterhin groß ist das Rätselraten am Landgericht in Wuppertal um den Ablauf des Mordes an einer 76-jährigen Rentnerin aus der Hofschaft Schnittert.

Weiterhin groß ist das Rätselraten am Landgericht in Wuppertal um den Ablauf des Mordes an einer 76-jährigen Rentnerin aus der Hofschaft Schnittert. Der Angeklagte, ein 47-jähriger wohnsitzloser und drogensüchtiger Solinger, hatte in seiner Einlassung zur Tat eingeräumt, am Tatort gewesen zu sein und auch einiges an wertvollem Schmuck mitgenommen zu haben. Aber mit dem Mord selbst habe er nicht direkt zu tun gehabt.

Er sei Aufpasser gegenüber dem Eingang gewesen. Ins Haus gekommen sei er erst, als die alte Frau bereits am Boden gelegen habe. Verantwortlich machte er für den Tod der Frau zwei Bulgaren, die mit ihm in der Gathe in Wuppertal in einem Abbruchhaus geschlafen hätten. Vorher habe es bereits mehrere gemeinsame Beutezüge in Solingen und Umgebung gegeben. Seinen Teil der Beute habe er zum großen Teil an einschlägige Geschäfte in Solingen und Wuppertal verkauft. Aber die Tat selbst stritt er ab. Das Gericht wartet auf den Abschluss neuer Ermittlungen nach den bislang unbekannten Bulgaren. Diese nur als „Phantome der Gathe“ anzusehen, scheint noch zu früh.

Die Notärztin und die Pathologin, die die tödlichen Verletzungen der alten Dame untersucht hatten, sahen übereinstimmend mindestens fünf wuchtige Schläge gegen den Kopf mit der Folge eines tödlichen Schädel-Hirn-Traumas als Folge. Weitere Hand- und Armverletzungen seien aus Abwehrbewegungen zu erklären. Ein Treppensturz, so die Notärztin, sei eher unwahrscheinlich. Bei ihrem Einsatz habe sie aber gesehen, dass der Hausschlüssel in der Tür gesteckt habe, bevor sie durch das Fenster in die Wohnung gestiegen sei, um die Spurensuche der Polizei nicht zu stören.

Tiefer in Details gingen die Spurenermittler des Landeskriminalamtes. Mikroskopisch genau wurden Faserfunde und Haarbüschel erklärt – eine braune Hose des Angeklagten habe Faserspuren an der Hose der Erschlagenen hinterlassen sowie Spuren seines blauen T-Shirts. Die Untersuchung war so präzise, dass sogar Wachstumsstörungen in den Baumwollfasern festgestellt werden konnten, aber an der Hose fanden sich keine Gegenspuren von der Kleidung des Opfers. Das könne sich durch deren Kunstfaseranteil erklären.

Rätselhaft sei, dass sich nirgendwo Spuren des schweren Steins, der möglichen Tatwaffe gefunden hätten, auch nicht an ihm. An Haarbüscheln seien nur rote Lackpartikel, möglicherweise von einer Plastiktüte gefunden worden. Gab es vielleicht ein von einer Tüte umhülltes Tatwerkzeug? Ein über vier Kilogramm schwerer Stein wäre da unwahrscheinlich.

Der Prozess wird fortgesetzt.