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Solingen liefert für "Unsere wunderbaren Jahre" Flair der 50er-Jahre

„Unsere wunderbaren Jahre“ : Solingen-Drehorte liefern Flair der 50er-Jahre für ARD-Dreiteiler

Schloss Burg und die Gesenkschmiede Hendrichs waren zentrale Kulissen für den ARD-Dreiteiler „Unsere wunderbaren Jahre“, der ab Mittwoch gezeigt wird. Eine der Hauptrollen spielt Hans-Jochen Wagner.

Wenn sich Thomas Sarbacher in seiner Rolle als Eduard Wolf vor dem britschen Militärgericht zu verantworten hat, erkennen Ortskundige auf Anhieb, dass es sich bei dem mit dunklem Holz vertäfelten Raum um die Kemenate von Schloss Burg handelt.  Wenn sich Anna Maria Mühe und Elisa Schlott als Schwestern Margot und Ulla über den Prozess ihres Vaters unterhalten, ist im Hintergrund der Gebäudeteil im Innenhof deutlich zu erkennen, in dem die Toilettenanlage der historischen Anlage zu finden ist.

Schloss Burg lieferte einen der zentralen Drehorte für die ARD-Produktion „Unsere wunderbaren Jahre“, der ab Mittwoch ausgestrahlt wird. Der Dreiteiler nach dem gleichnamigen Roman von Peter Prange erzählt die bewegende Geschichte der in Altena beheimaten Unternehmer-Familie Wolf in der Zeit des Wirtschaftswunders. Im Sauerland  allerdings wurden keine Szenen gedreht – stattdessen unter anderem in Solingen, Gummersbach oder auch in Tschechien. „Wir hätten sehr gern in Altena gedreht, aber tatsächlich haben unsere Scouts an anderen Orten Motive gefunden, die produktionell viel besser geeignet waren, das Flair der 1950er zu erzählen, ohne dass wir zum Beispiel unzählige Verkehrsschilder oder Satellitenschüsseln demontieren mussten“, sagt Produzent Benjamin Benedict.

Im Brunnenhof der historischen Anlage wurde ein fiktives Schützenfest gefeiert. Foto: WDR / UFA Fiction/Willi Weber

Solingen spielte dabei eine große Rolle. Nicht nur auf Schloss Burg  wurde im Sommer vergangenen Jahres mehrere Tage lang gedreht, sondern auch im Industriemuseum in Merscheid und in den Hallen des ehemaligen Stahlguss-Unternehmens Grossmann in Wald. „Es war sehr interessant, an so vielen Orten zu drehen, die derart historisch erhalten geblieben sind“, sagt Hans-Jochen Wagner.  Der 51-jährige Schauspieler schlüpft in die Figur des Nationalsozialisten-Anhängers Walter Böcker, der sich nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit allen Mitteln hocharbeitet. Besonders beeindruckt hat ihn die nach der Insolvenz leer geräumte Grossmann-Fabrikhalle, in der im Film unter anderem Munitionstest durchgeführt wurden. „Man hatte den Eindruck, dass das hier auch kurz nach dem Krieg genauso ausgesehen hat“, sagt Wagner, der seit 2017 als Kommissar Friedemann Berg im Schwarzwald-Tatort zu sehen ist.

Gleiches galt im Übrigen auch für die Gesenkschmiede Hendrichs – einer der vier verschiedenen Orte, die als Kulisse für die Metallwerke Altena dienten. Die alten Maschinen, die sonst im LVR-Industriemuseum zu bestaunen sind, wurden mit etwas Film-Magie in eine Stanzmaschine für die ersten Deutsche Mark-Münzen verwandelt. Von den Außenaufnahmen sind im Übrigen keine in der Klingenstadt gedreht worden, sondern in Tschechien.

„Wenn man in den Sets steht, verändert das etwas.“ Neben Kostüm und Maske spielen für Wagner vor allem der jeweilige Gegenüber und die vielen Details eine entscheidende Rolle bei der fiktiven Zeitreise – „inklusive der 50er-Jahre-Frisuren und der alten Autos, die schon mal nicht anspringen wollen“.

Vanessa Loibl, Katja Riemann und Elisa Schlott (v.l.) vor  Haus Kerberg in Gummersbach – im Film die Heimat der Familie Wolf. Foto: Bernd Spauke / ufa Fiction

Bei der Suche nach weiteren authentischen Drehorten ist die Crew im Übrigen in Gummersbach doppelt fündig geworden. Das Eisenbahnmuseum Dieringhausen verwandelt sich mit seinen historischen Zügen in den Bahnhof Altena und dient zugleich als zentrales Bindeglied verschiedener Handlungsstränge, die über ganz Deutschland verteilt sind. Das Haus Kerberg mit seiner idyllischen Zufahrt und dem Innenhof ist die Heimat der Familie Wolf. In der Jahrhundertwende-Villa werden lautstarke Diskussionen geführt und Streits ausgefochten – und letztlich ereignen sich hier schwere Schicksalsschläge.

Alles in allem musste an sämtlichen Originalschauplätzen der Region für eine glaubwürdige Reise in die Vergangenheit kaum etwas verändert werden. Von Romanautor Peter Prange gab es ein großes Lob: „Die Bilder, die ich beim Schreiben vor Augen hatte – auf einmal waren sie Wirklichkeit“.