Solingen: Langer Prozess um angebliche Vergewaltigung

Langer Prozess in Solingen : „Geschichte wirkte irgendwie zurechtgeflickt“

Zwei Mitarbeiter kommen von einer Dienstreise zurück, der eine soll den anderen vergewaltigt haben. Nachdem nun der Personaldirektor vor dem Landgericht ausgesagt hat, wird klar: Was nach diesem Vorkommnis geschah, wurde für ein Solinger Unternehmen zum „Super-GAU“.

Die Geschichte habe sich unter den 600 Angestellten durch alle Abteilungen in Windeseile herumgesprochen und etliche Mitarbeiter hätten sich danach bei Prozessen als Zeugen die Klinken diverser Gerichtstüren in die Hand gegeben. Amtsgericht, Berufung bei Landgericht und immer wieder auch beim Arbeitsgericht: Obwohl beide Mitarbeiter nicht mehr im Unternehmen arbeiten, sei man seit sechs Jahren mit der Angelegenheit beschäftigt.

Was im April 2013 bei besagter Dienstreise passiert sein soll, sei schon gleich danach zum firmeninternen Aufreger geworden. „Der Geschäftsführer hatte mir von einem aufwühlenden Gespräch mit dem jungen Kollegen erzählt“, erinnerte sich der Personalchef an die Abläufe. Ihn selbst habe der junge Mann auf einen Rewe-Parkplatz bestellt, um ihm zu berichten, was in der Schwarzwald-Pension abgelaufen sein soll. Dessen Wortlaut erinnert er so: „Da hat jemand auf meiner Gitarre gespielt.“ Er selbst habe bereits damals ein eigenartiges Bauchgefühl gehabt: „Die Geschichte wirkte irgendwie zurechtgeflickt.“ Der Abteilungsleiter habe von Beginn an von einvernehmlichem Sex gesprochen und auch davon, sofort damit aufgehört zu haben, als der damals 23-Jährige das von ihm verlangt habe.

Was folgte, waren stetige Freistellungen beider Mitarbeiter und diverse Krankmeldungen des jungen Kollegen, dem man auch eine psychotherapeutische Betreuung angeboten habe. Auf den Vorschlag, ihn in einer anderen Abteilung zu beschäftigen, habe er nicht eingehen wollen. Stattdessen habe kurz darauf eine Klageschrift auf dem Schreibtisch gelegen: „Er wollte uns vor dem Arbeitsgericht zwingen, den Abteilungsleiter zu entlassen.“ Damit sei der Mitarbeiter jedoch gescheitert. Nachdem eine Boulevardzeitung den Firmennamen genannt habe, sei es schließlich das Unternehmen gewesen, dass dem Abteilungsleiter wegen drohender Geschäftsschädigung gekündigt habe.

Damit sei die Angelegenheit aber noch nicht vom Tisch gewesen. Nachdem der junge Mitarbeiter sich auf Facebook verleumdend und beleidigend über das Unternehmen geäußert hatte, habe man ihn angezeigt. Das Verfahren sei eingestellt worden, weil der Mechaniker behauptet hatte, jemand habe seinen Account missbraucht.

Als Personaldirektor sehe er die Angelegenheit als privates Problem zwischen zwei erwachsenen Männern – die Firma sei von dem vermeintlichen Opfer instrumentalisiert worden. Zuvor soll der Mechaniker noch versucht haben, sich sein Stillschweigen mit einer Lohnerhöhung erkaufen zu lassen. Das soll der danach von ihm wegen Vergewaltigung angezeigte Abteilungsleiter abgelehnt haben.

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