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Solingen: Kurzarbeit schnellt in die Höhe

Arbeitsmarkt in Solingen : Die Kurzarbeit liegt auf Rekordniveau

Im April stieg die Zahl der Erwerbslosen auf 6821 Personen. 428 Jugendliche suchen noch einen Ausbildungsplatz.

Das Coronavirus hat die Kurzarbeit in der Klingenstadt in die Höhe schnellen lassen. Nach vorläufigen Auswertungen der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal haben bis zum 26. April über 1400 Unternehmen für knapp 21.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Dies entspricht einem Anteil von 36 Prozent aller Solinger Betriebe und knapp 40 Prozent aller Solinger Arbeitnehmer. „Anders als in früheren Krisen sind dieses Mal alle Branchen betroffen, wobei manche Wirtschaftsbereiche vollständig stillstehen wie das Gaststätten- und Hotelgewerbe. Eine weitere Besonderheit ist, dass dieses Mal sehr viele kleine Betriebe Kurzarbeit angezeigt haben“, teilt der Chef der Arbeitsagentur, Martin Klebe, mit.

Angesichts der sprunghaften Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt im Zuge der Corona-Krise hat die Arbeitsagentur unmittelbar reagiert und die Beratungs- und Bearbeitungskapazitäten deutlich erhöht. „Wir haben Mitte März sofort begonnen, Personal aus der Berufsberatung und der Arbeitsvermittlung in den für Kurzarbeitergeld zuständigen Aufgabenbereich zu verlagern. Laufend werden weitere Kollegen geschult, um eine möglichst rasche Bearbeitung der Anträge auf Kurzarbeitergeld sicherzustellen“, erklärt Klebe. Andere Aufgaben der Agentur müssten demgegenüber aktuell zurückstehen.

Denn in Solingen, Wuppertal und Remscheid arbeiten mittlerweile 5233 Firmen mit knapp 80.000 Mitarbeitern kürzer als betriebsüblich. „Das sind 35 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten“, sagt der Chef der Arbeitsagentur. Zum Vergleich und als Beleg für das Ausmaß der aktuellen Krise führt Klebe die Kurzarbeit in Zeiten der Finanzkrise 2009 an. Damals gab es im Agenturbezirk 1499 Unternehmen, die für 35.362 Beschäftigte konjunkturbedingte Kurzarbeit angezeigt hatten.

Kurzarbeit sorgt grundsätzlich für die Sicherung bestehender Arbeitsplätze und soll es den Betrieben ermöglichen, mit Ende der Krise ohne weiteren Verzug die gewohnte Tätigkeit wieder aufzunehmen. Dennoch ist im April in Solingen die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 563 Personen gestiegen. 6821 Personen waren somit arbeitslos gemeldet, das entspricht einer Erwerbslosenquote von 7,8 Prozent. Im April hatten sich insgesamt 1387 Personen neu oder erneut arbeitslos gemeldet, 813 konnten ihre Arbeitslosigkeit beenden.

Gleichzeitig zu Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit gab die Agentur für Arbeit am Donnerstag auch eine Zwischenbilanz über das Ausbildungsstellenjahr 2019/2020, das am 1. Oktober vergangenen Jahres begonnen hatte. Danach meldeten Unternehmen und Verwaltungen aus der Klingenstadt bislang insgesamt 627 Ausbildungsstellen – ein Dutzend weniger als zum Vergleichszeitpunkt des Vorjahres. Von den gemeldeten Stellen sind aktuell noch 374 nicht besetzt.

Die Zahl der Bewerber für eine Lehrstelle ging um 169 gegenüber dem Vorjahr zurück. Bis April meldeten sich 795 junge Menschen bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Als unversorgt gelten Ende April derzeit noch 428 Jugendliche. „Rein rechnerisch ist der Ausbildungsmarkt im Bergischen so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Gleichwohl rechnen wir noch mit weiteren Bewerbern“, erklärt Martin Klebe.