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Solingen: Kurzarbeit auf hohem Niveau – Stadt stundet Steuerzahlungen

Wirtschaftliche Corona-Folgen : Kurzarbeit auf hohem Niveau – Stadt stundet Steuerzahlungen

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie werden alles bisher Gewesene übertreffen. Davon ist der Chef der Agentur für Arbeit Solingen-Wuppertal, Martin Klebe, überzeugt.

Die finanziellen Folgen können aber durch Kurzarbeit abgemildert werden. Klebe fordert daher die Unternehmen im Städtedreieck auf, die Kurzarbeit zu nutzen: „Kurzarbeit ist das Gebot der Stunde“, sagte Klebe.

Aktuell liegt die Kurzarbeit im Städtedreieck „deutlich über der Zahl der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/09“. Allein in Solingen arbeiteten damals rund 4500 Beschäftigte in über 380 Unternehmen kürzer als betriebsüblich – mit entsprechenden Lohneinschnitten für die Beschäftigten. Kurzarbeit kann bis zu zwölf Monate bezahlt werden. Klebe: „In dieser Zeit erhalten Arbeitnehmer 60 Prozent des pauschalierten Nettogehaltes. Für Arbeitnehmer mit Kindern auf der Lohnsteuerkarte beträgt der Satz des Kurzarbeitergeldes 67 Prozent.“

Dass jetzt schon weitaus mehr Unternehmen auf Kurzarbeit setzen, ist für Klebe klar: „Wir haben aktuell keine branchenbezogene Betroffenheit wie damals. Diesmal ist der Einschlag viel breiter und zieht sich sich durch fast alle Branchen.“ Die Agentur für Arbeit werde jedenfalls schnell und unbürokratisch helfen. Um den Ansturm der Betriebe zu bewältigen, fährt die Arbeitsagentur mehrgleisig. Im Internet steht unter www.arbeitsagentur.de/vor-ort/soligen-wuppertal/content/1533 735 722 656 ein umfassendes Infoangebot zur Verfügung, das alle erforderlichen Antragsunterlagen speziell für die Unternehmen im Bergischen enthält. Kurzarbeit kann online beantragt werden. Verstärkt wurde aber auch die Arbeitgeberhotline (☏ 0800 / 4 555 20). Klebe kann aber nicht ausschließen, dass der eine oder andere zunächst nicht durchkommt: „Wir haben die Hotline personell verstärkt. Auch Berufsberater helfen hier mit.“

Auch die Stadtverwaltung, die Wirtschaftsförderung und die Bergische IHK haben auf ihren Internetseiten umfangreiche Informationen für Unternehmen zusammengestellt. IHK-Präsident Thomas Meyer erklärte, betroffene Unternehmen brauchen jetzt „Geld zum Überleben“ und keine Kredite. Mitte nächster Woche sollen dafür die Modalitäten vorliegen. „Wir brauchen eine schnelle Umsetzung, weil nächste Woche die Gehälter fällig werden“, sagte Meyer.

Der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Frank Balkenhol, berichtet seit der Schaltung der Hotline (☏ 0212 / 24 94 888) von vielen Anfragen auch von Einzelunternehmen insbesondere wegen Liquiditätshilfen. Unter anderem gebe es die Möglichkeit, einer Soforthilfe von 2000 Euro. Tipps zum NRW-Rettungsschirm und anderen Hilfsangeboten gibt es im Internet unter ­
www.wirtschaftsfoerderung-­Solingen-Corona-Information.de.

Stadtkämmerer Ralf Weeke erklärte, dass Unternehmen mit erheblichen Liquiditätsproblemen in der jetzigen Lage Stundungen gewährt werden. „Das gilt für die Gewerbe-, Vergnügungs-, Wettbüro- und Sexsteuer“, sagte Weeke. „Es werden auch keine Stundungszinsen erhoben“. Entsprechende Anträge (stadtdienst.steuern@solingen.de) müssten an den Stadtdienst Steuern gestellt werden. Auch mit Herabsetzungen für Steuervorauszahlungsbeträgen würde man großzügig umgehen, versicherte der Stadtkämmerer.

Sparkassen-Chef Stefan Grunwald forderte wie IHK-Präsident Thomas Meyer, dass Förderprogramme nun „schnell wirksam werden mit einfachen Bedingungen“. Er appellierte an Freiberufler und Selbstständige, sich an die jeweilige Hausbank zu wenden. Die Sparkasse versucht unter anderem, mit Tilgungsaussetzungen und einer Erweiterung der Kreditlinie schnell zu helfen.