Solingen: Kranke Bäume in großer Zahl gefällt

Fällung aus Sicherheitsgründen : Kranke Bäume fallen in großer Zahl

Anwohner sind verärgert, weil sie über die Maßnahme von Straßen.NRW nicht informiert wurden. Eschen und Ahorne sind von Pilz befallen.

Laut dringt der Lärm der Kettensäge am Dienstag durch die Hofschaft Jagenberg. Auf Veranlassung von Straßen.NRW werden dort am Straßenrand der Burger Landstraße stehende Eschen und andere Bäume gefällt. Für die Anwohner kam das überraschend.

Die Architektin Nicole Molinari ist dort aufgewachsen und befürchtet den Verlust des Allee-Charakters. Peter Holzknecht, Eigentümer des Geländes des Reiterhofs am Jagenberg, hätte sich am liebsten an einen Baum gekettet, um dessen Fällung zu verhindern. Doch diese ist aus Sicherheitsgründen offensichtlich unumgänglich.

Die betroffenen Eschen sind von einem Pilz befallen und müssen gefällt werden. Jedoch verweist Susanne Schlenga, Pressesprecherin von Straßen.NRW, darauf, dass auch andere Baumsorten gefällt werden. So seien Ahorne von der Rußrindenkrankheit betroffen. Das ist ebenfalls ein Pilz. Zudem gebe es Bäume, die durch die zwei trockenen Sommer geschädigt und nicht mehr standsicher seien. Geschulte Fachleute hätten die Bäume dazu begutachtet und entschieden, was gefällt werden müsse.

Sprecherkollegin Sabine Kieback ergänzt, dass die Baumkontrolleure aktuell besonders genau hinschauen würden. In diesem Jahr habe es bereits zwei tödliche Verkehrsunfälle wegen umgestürzter Bäume im Bergischen Land und Rhein-Sieg-Kreis gegeben. Im Zweifel würde daher auch ein Baum gefällt, bei dem man sich nicht ganz sicher sei, ob er zur Gefahr werde. Ein Kontrolleur betreue 10.000 Bäume und schaue sich jeden Baum einmal pro Jahr an. Kieback räumt ein, dass es besser gewesen wäre, vorher mittels einer Pressemitteilung die Öffentlichkeit über die Gründe der Fällungen zu informieren.

Doch auch bei der Stadt Solingen tröpfeln die Informationen spärlich, wenn es um kranke Eschen geht. In einer Vorlage der Stadtverwaltung im Mai für die Politik heißt es lapidar: „Durch den erheblichen Umfang der Arbeiten und die Vielzahl von Standorten mit betroffenen Eschen im Stadtgebiet ist eine vorherige Anmeldung der Fällarbeiten nicht möglich. Die Bezirksvertretungen werden deshalb nach der Durchführung von Maßnahmen informiert.“

Für Edeltraut Krüger, Vorsitzende der Solinger Gruppe des Naturschutzbundes (Nabu), ist das ein Unding. „Die Öffentlichkeit muss unbedingt mitgenommen werden.“ Ständig rede man beim Klimawandel von Wiederaufforstung – dann rücke unvermittelt die Kettensäge ohne Erklärung an. „Wenn die Bäume krank sind, müssen sie weg. Aber es muss auch unnötiger Kahlschlag verhindert werden“, sagt sie. Der Nabu mache das am 19. November im Beirat der Unteren Landschaftsbehörde zum Thema.

Vor Ort stellt sich die Situation so dar: Mit leuchtend roten Strichen sind zwischen dem Gut Jagenberg und dem Ortseingangsschild Solingen Richtung Krahenhöhe rund 30 Bäume markiert. Das sei auf Veranlassung von Straßen.NRW erfolgt, erklärt dazu Stadtsprecherin Sabine Rische. Betroffen sind oft die gewöhnlichen Eschen (Fraxinus excelsior). Dies aber nicht nur im Wald, sondern auch flächendeckend im innerstädtischen Bereich in Grünanlagen und entlang von Straßen, erläuterten die Stadtdienste Natur und Umwelt sowie Stadtgrün bereits in der Mai-Vorlage. Rische gibt indes für die Zietenstraße Entwarnung: Die Eschen dort müssen nicht gefällt werden.

Sabine Kieback erklärt, dass es in der Regel Ersatzpflanzungen geben werde. Was genau in die schmalen Grünstreifen zwischen Bürgersteig und Landstraße komme, wisse sie aber noch nicht.

(Boll)
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