Solingen: Kohlfurth – eines bergisches Ausflugsziel mit internationalem Flair

Mein Solingen : Kohlfurth – bergisch mit internationalem Flair

Café Hubraum, Museumsbahnen und Kohlfurther Brücke: Der kleine Ort auf Solinger und Wuppertaler Gebiet ist beliebtes Ausflugsziel.

An diesem Vormittag ist es noch vergleichsweise ruhig in der kleinen Ortschaft an der Wupper. Erst wenige Motorradfahrer haben bislang angehalten. Aber Richard Zöllner muss seinen Blick nur in den strahlend blauen Morgenhimmel richten, um zu wissen, dass das alles lediglich die Ruhe vor dem Sturm ist.

Seit inzwischen zwölf Jahren führt der 50-Jährige das Café Hubraum in der Kohlfurth. Und es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass es exakt dieser Bikertreff ist, der die Ortschaft weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt gemacht hat. Denn das Café Hubraum, das erstmals 1993 seine Türen öffnete, ist längst zu einer festen Adresse für Motorradfahrer aus dem In- und Ausland geworden.

„Wir haben Besucher nicht nur aus NRW beziehungsweise aus Deutschland, sondern auch aus England, den Niederlanden, Belgien, Frankreich und sogar aus Spanien“, sagt Zöllner, der die ruhige Stimmung zu dieser frühen Stunde dazu nutzt, um mit seinem Hund Felix ein paar Schritte durch den Ort zu machen.

Richard Zöllner, Inhaber des Café Hubraum, und sein Hund Felix auf der Kohlfurther Brücke. Foto: Meuter, Peter (pm)

Ein Ort wohlgemerkt, der genau genommen aus zwei Dörfern besteht. Da ist zum einen die kleinere Solinger Seite, die bis 1889 zur Bürgermeisterei Dorp gehörte, ehe sie durch deren Eingemeindung ein Teil der Klingenstadt wurde. Und es gibt die größere „Hälfte“, die auf Wuppertaler Stadtgebiet liegt, den historischen Namen Kohlfurtherbrücke trägt und über eben diese Kohlfurther Brücke mit Solingen verbunden ist.

Was nicht bedeutet, dass die Stadtgrenze, die in der Mitte der Wupper verläuft, irgendetwas Trennendes hätte. Im Gegenteil, gerade die Stahlbrücke, die aus dem späten 19. Jahrhundert stammt, ist vielmehr Symbol für den gemeinsamen Ort Kohlfurth.

Als das markante Bauwerk im Jahr 2005 wegen Einsturzgefahr gesperrt wurde, bildete sich eine Bürgerinitiative. Mit deren Hilfe sowie mit Unterstützung aus der Politik wurde es schließlich möglich, den Abriss zu verhindern, so dass der Bau bis zum Jahr 2010 neu aufgebaut werden konnte. Seitdem ist die Brücke, über die bis 1969 die Straßenbahnlinie 5 fuhr, für Fußgänger wieder nutzbar. Und sie ist ein echter Hingucker, wofür die Firmen sowie gastronomischen Betriebe im Ort sorgen.

Die Bergischen Museumsbahnen benutzen die Gleise der alten Straßenbahn-Linie 5. Foto: Meuter, Peter (pm)

„Die Geschäftsleute wechseln sich im jährlichen Turnus bei der Finanzierung der Brückenbeleuchtung ab“, sagt Café Hubraum-Besitzer Richard Zöllner, der 2020 wieder an der Reihe sein wird. Eine Investition, die für den Gemeinschaftssinn der Kohlfurther spricht und die sich überdies bezahlt macht. Denn tatsächlich ist die Kohlfurther Brücke das Wahrzeichen des Ortes, den an schönen Sommer-Wochenenden mehrere tausend Motorradfahrer besuchen.

Dabei ist das Café Hubraum nicht allein für seine schöne Umgebung bekannt, sondern gleichermaßen für die entspannte und ungezwungene Atmosphäre. Im Café sind Biker jeder Coleur willkommen. Der große Biergarten ist direkt an der Wupper gelegen, im Restaurant gibt es – standesgemäß für einen Bikertreff – American Food. Und die Halloween-Partys im Hubraum sind längst legendär.

Parallel kommen aber nicht nur Motorrad-Fans auf ihre Kosten. Auch die Freunde von historischen Straßenbahnen sind richtig in der Kohlfurth. Auf Wuppertaler Seite befinden sich die Bergischen Museumsbahnen, die die alte Straßenbahnstrecke hoch nach Wuppertal-Cronenberg reaktiviert haben und im Sommer zu den Fahrtagen ebenfalls große Besucherströme in die Kohfurth ziehen. Darüber hinaus arbeiten die Museumsbahnen an Plänen, ihrerseits nach Solingen zu expandieren. So existiert die Idee, auf dem alten Rasspe-Areal ein paar hundert Meter entfernt in Stöcken ein Verkehrsmuseum aufzubauen.

Was eine weitere Attraktion für die Kohlfurth sowie ihre nähere Umgebung wäre, ohne dass der Ort deswegen seine charakteristische Mischung aus bergischer Idylle und Internationalität verlieren würde. Ein Kennzeichen, das am besten im Café Hubraum zu erkennen ist. Denn dort verkehren neben Bikern auch ganz Europa natürlich auch viele Einheimische – von diesseits und jenseits der Wupper.

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