Solingen: Klimagriff-Erfinder eröffnet Kompetenzzentrum

Solingen : Ein neues Kapitel in der Akte Schimmel

Klimagriff-Erfinder Georg Meyer richtet ein neues Kompetenzzentrum für energetische Sanierungen in den ehemaligen Räumen von Zweirad Legewie an der Schützenstraße ein und behandelt jetzt auch alte Dokumente.

„Wir sind volle Lotte auf Expansion“, sagt Klimagriff-Geschäftsführer Georg Meyer. Am augenfälligsten ist das am neuen Standort. Zwar zieht das Unternehmen offiziell erst am Jahresende aus dem Gründer- und Technologiezentrum aus. Seit letzter Woche richtet sich die 2010 gegründete GmbH aber bereits die ehemaligen Geschäftsräume von Zweirad Legewie her – auf einer Fläche von rund 580 Quadratmetern. Die Einweihung soll voraussichtlich am 18. Januar stattfinden. Und schon an diesem Freitag lädt Georg Meyer zu einem ersten Seminar ins Gebäude Schützenstraße 60 ein.

„Klimawandel, Wärmewende & leistbares Wohnen – aber bitte ohne Bauschäden und Regresse“ heißt das Thema, das etwa 45 Fachleute aus dem Bau- und Wohnungswesen anlockt. Die weiteste Anreise hat ein Teilnehmer aus Flensburg. Unter den Referenten sind Prof. Dr. Siegmar Bornemann, der über das Sick-Building-Syndrom spricht, und Prof. Dr. Uwe Meiendresch. Der Hochschullehrer und Richter erläutert unter anderem die Rechtsprechung bei Feuchtigkeits- und Schimmelschäden.

Es sind die beiden Gebiete, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Klimagriff GmbH ziehen. Was mit dem patentierten Griff begann, der ans Lüften erinnert und Raumdaten aufzeichnet, setzte sich mit „smarten“ Farben fort. Demnächst kommen ein intelligentes Heizungsventil sowie ein mobiler Wärmemelder für Tauwasser und Schimmelbildung auf den Markt. „Wir haben jetzt mehrere Standbeine, die unter den Marken ,Die Gebäude Optimierer‘ und ,Schimmel Protektor‘ ein Rundum-Paket ergeben“, erläutert Georg Meyer. „In der Abteilung Gebäude-Optimierung zeigen wir den Kunden aus der Region, dass unsere Produkte bei ihnen zu Hause funktionieren.“

Seit einem Jahr gibt es auch das Angebot, verschimmelte Akten aufzuarbeiten. Zweiter Großkunde ist die Stadt Bochum, für die in Solingen 740 Grundbuch- und Erschließungsakten so behandelt werden, dass ein Gutachter beim Blättern weniger als 3000 Sporen findet. Die älteste Akte stammt aus dem Jahr 1861. „Die Archive waren früher im Dachgeschoss untergebracht“, berichtet Meyer. „Aufgrund brandschutztechnischer Verordnungen sind dann sehr viele Akten in Kellern eingelagert worden. In den nassen Jahren von 2015 bis 2017 wurden aber viele Kellerräume zu feucht. Das ist bundesweit ein Problem.“

Drei Mitarbeiterinnen in Schutzkleidung entfernen zunächst die verschimmelten Umschläge und Kartuschen, um dann an einer Sicherheitswerkbank Blatt für Blatt mit Druckluft, einer Bücherbürste und einem Spezialsauger zu behandeln. Meyer: „Diesen Service bieten wir natürlich auch anderen an, etwa Anwaltskanzleien.“

Es sind nicht die einzigen neuen Beschäftigten. Drei Malergesellen kümmern sich um die Gebäude-Optimierung, streichen unter anderem die speziellen Farben, die dank ihrer großen Oberfläche besonders viel Feuchtigkeit aufnehmen und beim Lüften schnell wieder abgeben können. Das funktioniert auch in Aktenkellern. Meyer: „Wir können die Archive desinfizieren, Feuchte regulierende Putze und Farben aufbringen und ein Lüftungssystem installieren.“ Das Verfahren können auch andere Handwerker anwenden. Meyer: „Beim Wohnungsanbieter Vivawest beispielsweise sollen durch Schimmel befallene Räume künftig nach unserem Konzept saniert werden.“

◁  Klimagriff-Erfinder Georg Meyer eröffnet im Januar 2020 an der Schützenstraße ein Kompetenzzentrum. Foto: Fred Lothar Melchior

Wer noch bekannter werden will, der muss trommeln. Deshalb hat der Geschäftsführer im August auch zwei Lehrlinge eingestellt. „Wir sind einer der Ersten in Solingen, die Kaufleute im E-Commerce ausbilden dürfen“, sagt der 50-jährige Solinger. Ein Interessent wurde in einer Integrationsmaßnahme vom Bergischen Institut für Weiterbildung vermittelt, das auch den Kontakt zu den beiden angelernten Mitarbeiterinnen für die Aktensanierung herstellte. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, werden wir im nächsten Jahr sicher weitere Mitarbeiter einstellen“, blickt Georg Meyer voraus. „Im Januar wollen wir in unserem Kompetenzzentrum aber zunächst einmal zeigen, wie die Produkte funktionieren – wie man Schimmel vermeiden und dabei noch Energie sparen kann.“ Der gelernte Handwerker und Informationselektroniker verspricht eine „einzigartige Beratungsstelle“.

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