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Solingen: Kämmerer Weeke vor Wechsel zu Technischen Betrieben

Nach 13 Jahren in der Solinger Kämmerei : Ralf Weeke wechselt zu Technischen Betrieben

Der bisherige Kämmerer hat darum gebeten, dass sich die Stadt Solingen einen neuen Finanzchef sucht. Der 52-Jährige soll im Frühjahr neuer erster TBS-Betriebsleiter werden.

Die Nachricht kommt einem Paukenschlag gleich. Nach 13 Jahren muss sich Solingen demnächst einen neuen Kämmerer suchen. Denn wie die Stadt am Donnerstag mitgeteilt hat, wird Oberbürgermeister Tim Kurzbach (SPD) den Rat schon bei dessen nächster Sitzung am 30. September darum bitten, den bisherigen Stadtkämmerer Ralf Weeke (SPD) auf eigenen Wunsch von seinen Aufgaben als Leiter des Finanzressorts zu entpflichten und stattdessen als neuen ersten Betriebsleiter der Technischen Betriebe Solingen (TBS) zu bestellen.

Der Wechsel an der Spitze der Kämmerei wird voraussichtlich im Frühjahr kommenden Jahres erfolgen, wenn ein Nachfolger für Weeke gefunden ist. Da die Zeit drängt, soll bei der Ratssitzung Ende September auch gleich über die Ausschreibung der Kämmerer-Stelle entschieden werden. Das haben der OB sowie der Ältestenrat des Stadtrats nach Angaben der Stadt jetzt „einvernehmlich vereinbart“.

Der Oberbürgermeister reagierte am Donnerstag mit Bedauern auf die Entscheidung Weekes, den Posten als Kämmerer aufzugeben. „Ich kenne niemanden, der sich so mit dem Haushalt und der kommunalen Finanzpolitik identifiziert hätte wie Ralf Weeke“, sagte Kurzbach. Gleichwohl könne er „nachvollziehen, wie  zermürbend es sein muss, 13 Jahre immer derjenige zu sein, der Nein sagen muss – zu vielen Ideen, die der Stadt gut tun würden, die sie sich aber nicht leisten kann“, so der OB.

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Weeke selbst begründete seinen Entschluss damit, dass er im Amt des Kämmerers und beim Ringen um einen ausgeglichenen Haushalt zuletzt zunehmend von „Vergeblichkeitsgefühlen“ geplagt worden sei. „Seit meiner Wahl zum Kämmerer 2008 hat es eine Krise nach der anderen gegeben, die uns bei den städtischen Finanzen regelmäßig zurückgeworfen haben“, sagte Ralf Weeke, der in diesem Kontext an die Finanzkrise 2008 / 09, an die Flüchtlingskrise ab 2015 sowie zuletzt an die Corona-Krise und die Flutkatastrophe sowie an die damit verbundenen finanzpolitischen Rückschläge erinnerte.

„Seit 2018 hatten wir die schwarze Null erreicht. Aber die Corona-Pandemie, die allein für Solingen bislang über 60 Millionen Euro Kosten verursacht hat, lässt uns nun wieder in den Abgrund blicken“, betonte Weeke, der einmal mehr Bund und Land kritisierte. Diese täten nach wie vor viel zu wenig, um finanzschwachen Städten wie Solingen zu helfen.

Jedenfalls stehe die Solinger Finanzpolitik nach Pandemie und Flut erneut vor einem Neuanfang. Und er selbst, so Ralf Weeke, habe „nach langer Prüfung einsehen müssen, dass die Klingenstadt eine in dieser Frage unverbrauchte Führungskraft benötigt, die noch die ungeminderte Leidenschaft und Zuversicht in sich trägt und Impulse setzen kann“.

Dementsprechend habe er den OB schon Anfang des Jahres über seine Pläne informiert, sagte der 52-Jährige, der im Gespräch mit unserer Redaktion parallel unterstrich, sich nun auf die neuen Herausforderungen zu freuen. Zwar gebiete es der Respekt vor den demokratischen Prozessen, zunächst die Entscheidung des Rates abzuwarten, sagte der scheidende Kämmerer am Donnerstag. Indes habe er die TBS in seiner bisherigen Position schon über viele Jahre hinweg mitbegleitet, so Weeke.

Mit dem geplanten Wechsel wird eine Strukturreform an der Spitze der Technischen Betriebe verbunden, für die sich der bisherige alleinige TBS-Betriebsleiter Martin Wegner laut Stadt schon geraume Zeit ausgesprochen hatte. Ralf Weeke wird dabei Kaufmännischer Betriebsleiter, – und Wegner fungiert demnächst als Technischer Betriebsleiter.

Weeke selbst wird darüber hinaus Beigeordneter bleiben. Dies gilt zunächst einmal bis zum Ende seiner Wahlperiode Mitte 2024. Eine entsprechende Erhöhung der Beigeordneten-Zahl auf fünf nach der Wahl eines neuen Kämmerers ist nach Angaben aus dem Rathaus mit der Bezirksregierung Düsseldorf abgesprochen.