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Solingen: Jugendarbeit trotz Corona lebendig halten

Evangelischer Kirchenkreis Solingen : Jugendarbeit trotz Corona lebendig halten

Mit neuen digitalen Angeboten haben die Mitarbeiter Kontakt zu Jugendlichen gehalten nachdem die Corona-Krise den persönlichen Kontakt verhindert hat. Aber nicht alle Kinder haben die Technik dafür.

Die Corona-Krise hat auch die Jugenarbeit in der evangelischen Kirche vor Herausforderungen gestellt und Lösungen suchen lassen. „Vorher“ kamen viele Jugendliche samstagsabends in Rupelrath im Jugendcafé Scandalon vorbei und bestellten belegte Baguettes. An der gemütlichen Theke war man meistens schnell im Gespräch. Kaum hatte das Scandalon seine Türen wegen der Corona-Schutzmaßnahmen schließen müssen, fand sich die bekannte Frage im Internet wieder: Das Beguette mit Schinken, Salami oder beides? Das Team des Jugendcafés hatte eine Instagram-Story ins Leben gerufen, Tipps für die Zubereitung gegeben und zum Online-Austausch eingeladen.

So wie in Rupelrath sind in den vergangenen Wochen unzählige kreative Ideen entstanden, um Jugendarbeit auch in Corona-Zeiten lebendig zu halten. „Erst war das für uns ein ziemlicher Schock“, sagt Dennis Längert, Jugendreferent des Evangelischen Kirchenkreises Solingen. Freizeiten mussten abgesagt werden, Bildungsmaßnahmen und Ferienprogramme wurden ausgesetzt, das gerade angelaufene Projekt „Brückenschlag“ mit dem Hackhauser Hof zum Aufbau einer schulbezogenen Jugendarbeit wurde auf Eis gelegt. „Wir haben versucht Möglichkeiten zu finden, die Angebote für Jugendliche aufrecht zu erhalten“, sagt Längert. Aber die Regeln waren eindeutig.

Doch plötzlich entstand etwas Neues: „Es herrschte Goldgräberstimmung“, sagt der Jugendreferent. Die Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen in den Solinger Gemeinden hätten schon bald digitale Formate aus dem Boden gestampft. „Sie wussten, dass da Schätze verborgen sind und wollten sie heben“, erzählt Längert.

Es entstanden WhatsApp-Gottesdienste für Jugendliche und Konfirmanden. Junge Menschen, die sich in der Gamer-Szene zuhause fühlen, bekommen seitdem Angebote über den Discord-Server. Teilnehmer und Ehrenamtliche treffen sich über Zoom. Und ein Webinar unter dem Dach des Brückenschlag-Projekts wurde entworfen. Auf YouTube werden nicht nur Gottesdienste für Jugendliche übertragen, sondern auch Andachten und kurze Formate zum Mitmachen. Es entstanden Instagram-Storys. Bildungsmaßnahmen für Ehrenamtliche werden online angeboten.

Der große Gewinn dieser Phase sei die sprunghafte Digitalisierung, sagt Längert. „Wir haben auch Jugendliche erreicht, die wir sonst nicht erreichen“, freut sich der Jugendreferent. Doch es gibt ein Aber: Längert weiß, dass auch Zielgruppen der Kinder- und Jugendarbeit im Evangelischen Kirchenkreis Solingen auf der Strecke bleiben, seit es vor allem digitale Angebote gibt. „Unser besorgter Blick ging die ganze Zeit auch zu den Kindern, die noch nicht so technikaffin sind. Und natürlich zu den Jugendlichen, die zu Hause gar nicht die nötigen technischen Möglichkeiten haben“, sagt Längert, „es war ein Blick ins Dunkle.“

Wo Mitarbeiter wussten, dass Kinder oder Jugendliche durch das neue Angebot nicht erreicht werden, da griffen sie zum Telefonhörer und luden zum Spazierengehen ein. „Das hat auch Anklang gefunden“, sagt Längert. Die Gemeinden nahmen mit kleinen Geschenken, „Andachten in Tüten“ oder Gruppenstunden zum Mitnehmen Kontakt zu Kindern, Familien und Jugendlichen auf. Immer deutlicher spüre er aber den Hunger nach Begegnungen in Fleisch und Blut, sagt dennis Längert.