Lokalsport: Solingen ist NRW-Schlusslicht

Lokalsport : Solingen ist NRW-Schlusslicht

Sportvereinen laufen die Mitglieder weg. Nur noch 26.600 Solinger sind organisiert.

Ist Solingen auf dem Weg zur bewegungsärmsten Stadt in Nordrhein-Westfalen ? Mit überdurchschnittlich vielen Erst- und Zweitligisten im Sport, einer NRW-Sportschule sowie einer immer noch starken Sportabzeichen-Quote liegt dieser Gedanke eigentlich nicht nahe. Dennoch haben die jüngsten Zahlen des Landessportbunds (LSB) den Solinger Sportbund alarmiert. Nach der zum Stichtag 31. Dezember 2016 erhobenen Statistik ist Solingen mit einer Quote von nur noch 16,74 Prozent der Bevölkerung, die in Sportvereinen organisiert ist, absolutes Schlusslicht aller Stadt- und Kreissportbünde im Land.

Auch die Großstädte rundherum stehen mit Quoten bis zu 22,65 Prozent (Düsseldorf) deutlich besser. "Es gibt wohl ein paar Ungereimtheiten bei den Zahlen - aber unterm Strich bleibt, dass wir schlecht dastehen", erklärt Sportbund-Präsident Detlef Wagner. Tatsächlich ist die absolute Zahl der organisiert Sport treibenden Solinger gegenüber dem Vorjahres-Stichtag von 28.026 auf 26.600 zurückgegangen. "Wir lagen davor konstant zwischen 28.000 und 29.000", erklärt Sportbund-Geschäftsführer Christopher Winter.

Zwei Ausreißer in der Statistik gibt es bei Reha-Sportvereinen, die weiter aktiv sind, aber fast 1000 Mitglieder weniger gemeldet haben. Für jedes Mitglied ist ein Euro an den Sportbund abzuführen. "Wir haben nachgehakt, sind aber auf wenig Gesprächsbereitschaft gestoßen", berichtet Winter. Ungeachtet dessen ist ein rückläufiger Trend im kleinen Prozentbereich aber typisch für die meisten Solinger Sportvereine. Gegenbeispiele gibt es allerdings auch: Die Handballer des Bergischen HC haben 179 mehr Mitglieder als im Jahr zuvor gemeldet. Und der Sportring Solingen steigerte seine Mitgliederzahl um 26 Prozent.

Dem Trend will Detlef Wagner nicht tatenlos zusehen. "Es ist unsere Aufgabe als Sportbund, dass wir die Vereine dabei unterstützen, Mitglieder zu gewinnen". Wagner hat auch schon Kontakt zu Oberbürgermeister Tim Kurzbach gesucht und klare Signale für eine Unterstützung erhalten. Zunächst gelte es allerdings, die Zahlen zu analysieren und in Zusammenhänge zu stellen. "Im ersten Schritt müssen wir feststellen, wo wir hinterherhinken." Dabei will der Sportbund Altersgruppen unter die Lupe nehmen, aber auch klären, ob die Sportvereine die Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt erreichen.

Ein paar Zahlen hat Christopher Winter bereits ermittelt. Von 26.600 organisierten Solinger Sportlern waren 8700 Kinder und Jugendliche zwischen sieben und 18 Jahren. Das waren 300 mehr als im Jahr zuvor - wobei ungefähr doppelt so viele Jungen wie Mädchen Sport treiben. Potenziale sieht Winter eher in der Aktivierung der mittleren, berufstätigen Generation oder in der Generation "60 plus". Bei den Älteren sind nur noch gut zehn Prozent in Sportvereinen aktiv.

Um die Sportvereine für die Solinger zwischen 30 und 80 wieder erlebbarer zu machen, gibt es schon konkrete Ideen. Ganz konkret als Projekt mit dem LSB gibt es eine Digitalisierung der Solinger Sportangebote, die per App über das Smartphone abzufragen sind. Im gleichen Zuge wäre eine Sechsmonats-Mitgliedschaft beim Sportbund denkbar, die berechtigt, die Angebote aller mitmachenden Vereine auszuprobieren. "Das ist vielleicht auch für Arbeitgeber interessant, um ihre Mitarbeiter zum Sport zu motivieren", glaubt Wagner.

(RP)
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