Solingen: Interview mit Matthias Knospe vom Gebäudemanagement

Gebäudemanagement der Stadt Solingen : „Ich bin ein Freund des Pragmatismus“

Seit Anfang März leitet Matthias Knospe das Gebäudemanagement der Stadt Solingen. Damit hat er eine Aufgabe mit diversen Baustellen übernommen – auch im wörtlichen Sinn.

Sie haben mit 110 Beschäftigten mehr Angestellte als die meisten Solinger Firmen. Was verbirgt sich hinter dem Begriff Gebäudemanagement?

Knospe Wir sind Bauherren- und Eigentümervertreter. Wir betreuen die städtischen Immobilien. In unserer Datenbank gibt es rund 300 Objektadressen, wobei zu einer Adresse auch mehrere Gebäude gehören können. Wir kümmern uns unter anderem um die Verwaltung und Instandhaltung, um die technische Gebäudeausstattung und energetische Fragen sowie die Kartierung von Altlasten und den organisatorischen Brandschutz. Sämtliche baulichen Projekte werden von uns umgesetzt.

Im übertragenen Sinn brennt es ja an vielen Ecken.

Knospe Es gibt tatsächlich sehr viele Schwerpunkte. Aber wenn etwas quasi vom Himmel fällt, wie beim Gymnasium Schwertstraße, muss es schnell bearbeitet werden. Dort haben wir beispielsweise noch Stroh in den Decken gefunden. Das sind die versteckten Bausünden der Nachkriegszeit, bei denen es sich schon in der Entstehungszeit um Ausführungsmängel gehandelt hat. Dass das Gymnasium deshalb morgen zusammenbricht, ist extrem unwahrscheinlich. Dennoch wollen wir die Mängel lieber heute als morgen beseitigen. In anderen Ländern würde man das Gebäude sicher noch 30 Jahre lang so stehen lassen. Aber bei uns in Deutschland gibt es sehr genaue Vorschriften und Anforderungen, die sich in den vergangenen Jahren zum Teil noch einmal deutlich verschärft haben. Denen müssen wir gerecht werden.

Wann beginnt die Sanierung des Gymnasiums?

Knospe Im Sommer. Nach den Ferien bleiben dann nur die Jahrgänge 5 bis 7 an der Schwertstraße; die älteren Schüler und Schülerinnen ziehen in das dann freie Schulgebäude an der Schützenstraße. Beim Gymnasium ist nur der direkt an die Schwertstraße grenzende Trakt betroffen. Für die während der Sanierung fehlenden Räume lassen wir neben der Turnhalle 700 m² in 40 Containern in zwei Etagen aufstellen. Die Container zur Beschulung zu bekommen, ist gar nicht so einfach: Von 21 angeschriebenen Firmen haben wir nur vier Angebote bekommen. Inzwischen wissen wir aber, dass wir die Container bekommen, was für unseren Zeitplan ganz wichtig ist. Nun geht es in die Umsetzung.

Die Sanierung des Gymnasiums ist mit 25 Millionen Euro veranschlagt. Das Schulzentrum Vogelsang soll viermal so teuer werden. Es gibt Solinger Handwerker, die meinen, man komme mit einem Bruchteil aus: Man müsse nur renovieren statt gleich neu zu bauen.

Knospe Am Vogelsang ist es eine technische und eine kaufmännische Entscheidung. Als das Schulzentrum in den 70er Jahren gebaut wurde, herrschte die Meinung, alles ginge: Man schuf große Verkehrsflächen, die betrieben und beheizt werden müssen, und große Treppenanlagen, die nicht barrierefrei sind. Das war damals architektonisch sehr reizvoll, ist aber aus heutiger Sicht nicht mehr vernünftig. Außerdem haben sich die Auflagen etwa für Brandschutz und Hygiene in den letzten Jahren komplett verändert. Die Schwachstellen-Analyse für das Schulzentrum Vogelsang umfasst einen Aktenordner. Die Kosten für eine Sanierung würden die eines Neubaus übersteigen, da wir die heutigen gesetzlichen Auflagen erfüllen müssen. Natürlich klingen 100 Millionen Euro für einen Außenstehenden nach sehr viel Geld. Das ist es definitiv auch, aber der Neubau ist deutlich wirtschaftlicher und nachhaltiger. Heute lebt Schule anders . . .

Wann soll der erste Bagger anrollen?

Knospe Voraussichtlich in vier Jahren, also 2022. Wir werden mit dem Ausschreibungsverfahren für die Planungsleistungen nicht allzu lange warten. Es ist ein echter Präzedenzfall, dass eine Schule neu gebaut wird. Städte machen so etwas eigentlich nur, wenn sie auch die Fläche dafür haben – und die gibt es auf dem Schulgelände. Erste Vorschläge zeigen, wo genau der Neubau stehen könnte. Und natürlich sprechen wir – wie auch an der Schwertstraße – mit den Schulleitungen sowie mit der Schulverwaltung, damit der Neubau mit dem pädagogischen Konzept abgestimmt werden kann.

Die Baukosten sind in den letzten Jahren ständig gestiegen. Wo lässt sich bei einem Neubau noch sparen?

Knospe Ich bin ein Freund von Augenmaß und Pragmatismus. Es muss beispielsweise nicht konservativ gebaut werden; es gibt auch die Hybrid- und die Modulbauweise. Das ist die Zukunft. Der Neubau des Altenzentrums an der Langhansstraße zeigt, wie schnell etwas auf diese Weise errichtet werden kann. Außerdem darf meiner Meinung nach ein Rohr auch einmal auf Putz liegen. Qualität und Architektur sind trotzdem möglich und für mich unerlässlich.

Das Altenzentrum steht direkt gegenüber von Ihrem neuen Arbeitsplatz. Müssen Sie sich Sorgen machen, dass Ihr Schreibtisch wackelt, weil auch im früheren Solvay-Gebäude die Substanz vernachlässigt wurde?

Knospe Auch hier gilt: Wenn man anfängt, etwas zu verändern, ist der Aufwand unverhältnismäßig groß. Man darf sich nicht scheuen, sich auch einmal von einem Objekt zu verabschieden. Umdenken hilft. Allerdings gehört auch zur Wahrheit, dass sich hier an der Bonner Straße weiterhin ordentlich arbeiten lässt. Das Haus fällt uns ja nicht zusammen. Jedoch in dem Moment, in dem wir größer investieren, stellt sich auch hier die Frage der Wirtschaftlichkeit: reparieren oder neu bauen? Wir stützen uns bei unseren Kostenvergleichen ausschließlich auf ein auch vom Land anerkanntes Rechenmodell der NRW-Bank. Es ist jetzt Sache der Politik zu entscheiden, in welche Richtung wir gehen. Ich denke, dass man in den Fraktionen ein offenes Ohr hat und in den nächsten Jahren einige Leuchttürme schaffen wird.

Gibt es andere Gebäude, die Ihrer Abteilung Kopfschmerzen machen?

Knospe Da habe ich gegenwärtig kein weiteres Objekt im Auge.

Die Stadt hat jahrzehntelang aus Geldmangel nur das Allernötigste reparieren lassen. Wer schlägt überhaupt Alarm, wenn dringend etwas passieren muss?

Knospe Wir haben den Zustand der Gebäude im Auge. Außerdem haben wir Rahmenverträge mit Partnern, die die sicherheitstechnischen Anlagen der Gebäude warten und prüfen. Dies noch deutlich zu vertiefen, halte ich für eine sehr wichtige Aufgabe. Dabei schauen wir aufgrund der gemachten Erfahrungen inzwischen auch noch genauer hin als bisher schon. Wir benötigen ein möglichst treffendes Bild über die Verfassung, in der sich unsere Immobilien befinden. Zum Glück hat die Stadt bereits eine fortschrittliche CAFM-Software (Computer-aided Facility Management). Meiner Einschätzung nach ist die Gebäudesicherheit hoch; die Stadt Solingen ist bereits sehr gut aufgestellt.

Sie geben nicht nur Geld aus, sondern holen auch welches durch den Verkauf nicht mehr benötigter städtischer Immobilien herein. Was bieten Sie gerade an? Und wer bekommt die Einnahmen?

Knospe Wir offerieren momentan zwei Eigentumswohnungen an der Berndt- und der Regerstraße. Es gibt auch einige Baugrundstücke. Die Einnahmen werden zur Tilgung verwendet.

Um eine bebaubare Fläche geht es auch der Lebenshilfe. Sie will an Stelle der Eissporthalle Werkstätten bauen. Kann die Stadt kein anderes Areal im Südpark anbieten? Direkt neben dem Lebenshilfe-Gelände liegt schließlich eine grüne Wiese.

Knospe Bei der angesprochenen Fläche handelt es sich in der Tat um ein gewerblich nutzbares Grundstück, das sich im Eigentum der Stadt Solingen befindet. Wir haben darüber auch schon frühzeitig mit der Lebenshilfe gesprochen, weil es ja naheliegend wäre, eine weitere Werkstatt unmittelbar neben einer bestehenden zu errichten. Allerdings ist diese Fläche deutlich zu klein für die Bedürfnisse der Lebenshilfe. Sie benötige schon ein Areal, das mindestens die Größe besitzt wie der Standort Eissporthalle.

Sie waren zuletzt Technischer Leiter der Stadt Mühlheim, der anfangs noch ein Eigenbetrieb war. Wie schneidet Ihr neuer Arbeitsplatz im Vergleich ab?

Knospe Über das, was ich in Solingen vorgefunden habe, bin ich angenehm überrascht. Home Offices einzurichten, ist ein Superkonzept, das es in vielen anderen Städten nicht gibt. Arbeitsplätze vorzuhalten, kostet ja auch Geld.

Also gibt es nichts zu ändern?

Knospe Ich bin ein Freund von Strukturen und einem gemeinsamen Geist. Eine meiner Kernaufgaben wird sein, die ganze Abteilung noch viel enger zu verzahnen. Vernetzung wird definitiv ein Thema, auch international. Man kann vom Ausland lernen.

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