Solingen: In Shops abgeschlossene Handy-Verträge sorgen oft für Ärger

Verbraucherberatung : Weiter Ärger mit den Handy-Verträgen

Die Verbraucherberatung fordert ein Widerspruchsrecht für in Shops abgeschlossene Telekommunikationsverträge. Seit Mitte 2017 muss ein Produktinformationsblatt in Shops ausgelegt werden – viele Händler halten sich nicht daran.

Ärger über zu teure Telekommunikationsverträge gehören in der Beratungspraxis der Verbraucherzentrale nach wie vor zu den Spitzenthemen. Waren es früher acht von zehn Fällen, so sind es heute immer noch fünf von zehn Fällen, erklärt die Leiterin der Verbraucherberatungsstelle am Werwolf, Dagmar Blum. Darunter sind aber teilweise auch sehr extreme Fälle: Einer 93-Jährigen wurde neben einem Festnetzvertrag fürs Telefon noch ein Mobilfunkvertrag untergeschoben, berichtet Blum.

Dabei gibt es durchaus Unterschiede zwischen einem online abgeschlossen Vertrag oder einem Vertragsabschluss im Shop. „Bei online abgeschlossen Verträgen hat der Verbraucher ein 14-tägiges Widerrufsrecht – im Shop keines“, sagt Dagmar Blum. Es sei denn, mit dem Vertrag werden zusätzlich auch noch ein Handy oder ein Tablet erworben.

Vor allen in den Shops verlieren die Kunden schnell die Übersicht. Die Vielzahl von Tarifen für höhere Übertragungsgeschwindigkeiten, mehr Datenvolumen, Rabatten und zahlreichen Extras werden vom Verkäufer zumeist auf einem Blatt Papier notiert. Der Hinweis, dass dieses spezielle Angebot nur für kurze Zeit gilt, führt zu schnellen und zum Teil unüberlegten Entscheidungen. „Der Verbraucher wird mehr oder weniger genötigt zu handeln“, sagt Dagmar Blum. Bei Eintreffen der ersten Rechnung ist das Entsetzen dann mitunter groß: Höhere Kosten als im Geschäft erwähnt sind auf der Rechnung notiert, die versprochenen Rabatte wurden nicht berücksichtigt.

Bei online vereinbarten Verträgen kann sich der Verbraucher in Ruhe informieren und abwägen. Denn hier besteht ein 14-tägiges Widerrufsrecht. „Grundsätzlich ist es so, dass im stationären Handel abgeschlossene Verträge nicht widerrufbar sind“, erklärt die Leiterin der Verbraucherzentrale am Werwolf. Denn im Geschäft könne der Kunde die Ware prüfen und Fragen stellen, bevor er etwas kauft. „Bei Handy-Verträgen handelt es sich aber um sogenannte Dauerschuldverhältnisse, die über 24 Monate laufen und sich automatisch verlängern, wenn der Verbraucher nicht rechtzeitig kündigt“, sagt Dagmar Blum. Von daher fordert die Verbraucherberatung vom Gesetzgeber, wie bei Versicherungsverträgen auch bei in Shops abgeschlossenen Telekommunikationsverträgen ein Widerrufsrecht. Entschieden wurde hierüber gleichwohl noch nicht.

Blum weist Ratsuchende zugleich auf ein Mitte 2017 erschienenes Produktinformationsblatt hin, das Ärger vermeiden könnte. Das Infoblatt ist nach Vorgaben der Bundesnetzagentur gestaltet worden. Der Name des Produktes, Leistungen, Vertragslaufzeiten und Kosten müssen hier übersichtlich dargestellt werden.

Shopbetreiber sind seit gut ein­einhalb Jahren eigentlich verpflichtet, Kunden auf das Produktinformationsblatt beispielsweise für Mobilfunkverträge oder das Festnetz vor Vertragsabschluss hinzuweisen und dieses leicht zugänglich bereitzustellen, indem sie es den Kunden aushändigen oder aber gut sichtbar auslegen. Doch das, so Dagmar Blum, ist graue Theorie.

Denn bei einer Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW in 301 Telefongeschäften hatten gerade einmal zwei Händler von sich aus das Produktinformationsblatt herausgegeben. In Solingen wurden vier Shops aufgesucht. „Drei hatten keine Produktinformationsblätter, ein Shop hat es erst auf Nachfrage herausgegeben“, berichtet die Leiterin der Beratungsstelle am Werwolf und ergänzt: „Hier liegt noch einiges im Argen.“ Händler, die dagegen verstoßen, können von der Verbraucherzentrale abgemahnt werden, zudem könne die Bundesnetzagentur Bußgelder verhängen.

Langfristig abgeschlossene Mobilfunkverträge sind laut Blum aber grundsätzlich „kein Teufelszeug“. Der Kunde sollte sich vor Abschluss eines Vertrages gleichwohl darüber klar sein, welcher „Handy- beziehungsweise Nutzertyp“ er ist. Hat er eine geringe, mittlere oder intensive Nutzung beim Telefonieren und Absetzen von SMS- und Whats-App-Nachrichten, ist er oft oder eher seltener in den Weiten des Internets unterwegs? „Man sollte nur das buchen, was man auch wirklich braucht“, rät Dagmar Blum.