Solingen: In der Klingenstadt fehlen Hausärzte

Ärzteversorgung in Solingen : In der Klingenstadt fehlen Hausärzte

Solingen gilt als unterversorgtes Gebiet. Einer Statistik zufolge fehlen in der Stadt aktuell zwölf Ärzte, um eine ausreichende medizinische Versorgung zu gewährleisten. Die Altersstruktur der Mediziner steigt.

Das Problem bei Solingens Hausarztversorgung dürfte sich in den kommenden Jahren verschärfen: So gilt die Klingenstadt nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNo) in diesem Jahr erstmals offiziell als unterversorgtes Gebiet und damit als förderfähig.

So fördern KVNo und Krankenkassen gemeinsam Ärzte, die bereit sind, sich in einer unterversorgten Region mit einer Praxis niederzulassen oder in eine bestehende einzusteigen, einmalig mit 70.000 Euro Starthilfe. Einer Statistik der KVNo zufolge fehlen in Solingen aktuell zwölf Ärzte, um eine ausreichende medizinische Versorgung für die Stadt zu gewährleisten. Zudem verfügt Solingen aktuell über 1,5 „förderfähige Sitze“ für Hausärzte, heißt es bei der KVNo weiter.

Mit seinem Status als unterversorgtes Gebiet ist Solingen auch von der in diesem Jahr von der schwarz-gelben Landesregierung eingeführten Landarztquote betroffen. Das Landarztgesetz sieht vor, dass sich angehende Ärzte nach Abschluss ihres Medizinstudiums verpflichten, für zehn Jahre in einer unterversorgten Region als Arzt zu praktizieren.

„Ich hätte auch nicht erwartet, dass Solingen mal so stark von dem Problem betroffen sein würde wie einige sehr ländliche Regionen in Nordrhein-Westfalen. Aber perspektivisch wird sich die Situation wohl weiter verschlechtern“, befürchtet Dr. Stephan Kochen, Hausarzt und Geschäftsführer des Praxisnetzes Solimed.

„In den kommenden vier Jahren werden weitere 33 Ärzte in Solingen älter als 67 Jahre sein“, sagt Kochen. Die Ursachen für die Entwicklung seien vielfältig: „Viele Ärzte arbeiten nach ihrem Abschluss in dem Krankenhaus, das sich an ihrem ehemaligen Studienort befindet. Von diesem Standortfaktor profitiert beispielsweise auch Wuppertal.“ Zu wenig Studienplätze für Medizin vergrößerten das Problem.

Außerdem ziehe es junge Absolventen eher in die umliegenden Metropolen wie Düsseldorf oder Köln als Arbeitsort. Die neue Generation von Ärzten setze zudem andere Prioritäten als ihre Vorgänger: Galt es für Mediziner lange als erstrebenswert, eine eigene Praxis zu eröffnen, bevorzugen die heutigen Absolventen oft ein Angestelltenverhältnis, beobachtet Kochen: „Junge Mediziner legen heute stärker Wert auf eine Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Sie wünschen sich flexible Arbeitszeiten, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf und weniger Bürokratie.“

Denn gerade letztere sei im Arztberuf häufig ein Problem, kritisiert Kochen: „Die Politik hat unter dem Deckmantel der Qualitätssicherung viel bürokratischen Aufwand geschaffen, der einfach unnötig ist. Dadurch ist der Arztberuf unattraktiv geworden.“

In Sorge versetzen die Aussichten für Solingen auch Dr. Stephan Lenz, ebenfalls Hausarzt und Vorsitzender der KVNo-Kreisstelle Solingen. „Für Neupatienten ist es schon jetzt schwierig, einen Arzt zu finden. Im Bereich der Fachärzte sieht es nicht anders aus.“

Um das Problem in den Griff zu bekommen, müsse man an mehreren Stellen ansetzen. „Zum einen müssen mehr Ärzte ausgebildet werden, und zum anderen müsste der Arztberuf auch besser vergütet werden. Er ist bei weitem nicht mehr so lukrativ, wie er es in der Vergangenheit vielleicht mal war.“

Gleichzeitig müssten bis zu 1000 Patienten im Quartal versorgt werden – Tendenz steigend. Zudem scheiterten Interessenten an einem Medizinstudium häufig an der Hürde eines zu hohen Numerus clausus (NC) und erhielten deshalb keinen Studienplatz. Dr. Stephan Lenz betont: „Da müsste sich etwas ändern. Der Notendurchschnitt ist nicht entscheidend, ob man ein guter Arzt wird.“