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Solingen: Im Museum Plagarius sind neue Fälschungen zu sehen

Museum Plagiarius in Solingen : „Es kam wie erwartet die chinesische Kopie“

Im Museum Plagiarius im Solinger Südpark sind ab sofort die bei der Messe Ambiente „ausgezeichneten“ Fälschungen zu sehen – darunter auch zwei in der Klingenstadt geklaute Artikel.

Wenn Ulrich Wiethoff über Qualität spricht, meint er nicht immer die seiner Stahlwaren. Im Museum Plagiarius prangerte der Geschäftsführer der Firmen Dovo und Merkur am Freitagmittag die Art und Weise an, wie sich Fälscher „hereinschleichen“: „Das finde ich dramatisch. Das hat in den letzten Jahren über Amazon eine ganz neue Qualität erreicht.“

Konkret geht es um den Merkur-Rasierhobel „Futur 700“ mit Doppelklinge, den das Walder Unternehmen in den 1980er Jahren auf den Markt brachte, der „aber noch häufig nachgefragt wird“. Schlechte Kopien des knapp 80 Euro teuren Modells gab es schon vor gut einem Jahrzehnt. Wiethoff: „Vor drei, vier Jahren wurden sie ab sechs Dollar angeboten.“ Jetzt entdeckte er die neue Fälschung bei fünf seiner Händler im Internet, bestellte ein Exemplar für 45 Euro und berichtet: „Es kam wie erwartet die chinesische Kopie.“

Ulrich Wiethoff und Jens Zeitvogel (International Sales) wissen, dass es für „Futur 700“ keinen Designschutz gibt – der nach 25 Jahren ohnehin abgelaufen wäre. „Es gibt aber einen Urheberrechtsschutz.“ Nur: „Recht haben und Recht bekommen ist ein großes Problem“, unterstreicht der Geschäftsführer. „Ich habe das Angebot bei Amazon nur gelöscht gekriegt, weil ich den Rasierer gekauft habe.“ Bei der Briefkastenfirma in England sei nichts zu holen.

Wie hoch der Schaden durch den abgekupferten Rasierer ist, kann man bei Merkur nicht sagen. Ledlenser-Prokurist Christoph Schwenke dagegen spricht von bis zu fünf Millionen Euro Umsatz, die dem Ohligser Unternehmen durch Produktpiraten entgehen. Ledlenser ist schon mit mehreren Originalen und ihren Fälschungen im Museum vertreten. Jetzt kommt die vor 14 Jahren auf den Markt gebrachte Taucherlampe „D14.2“ hinzu. „In sie haben wir viel Forschungs- und Designarbeit gesteckt“, betont Schwenke. „Es ist das zurzeit am meisten kopierte unserer Produkte. Von zwölf Fällen, die wir verfolgen, sind zehn Taucherlampen.“ 69,90 Euro kostet die Lampe, deren Design geschützt ist. Eine Kopie gibt es schon für 8,95 Euro. Dafür erhält der Käufer Plastik statt Edelstahl, einen zu kleinen Kühlkörper, minderwertige LEDs und – trotz zwei Einstellmöglichkeiten – ein gleichbleibend schwaches Licht. Wasserdicht bis 60 Meter Tiefe ist die Kopie auch nicht. „Wer nur zwei Meter tief tauchen möchte, merkt es vielleicht nicht“, meint Schwenke. Andere merken es schon. „Dadurch haben wir einen hohen Reputationsverlust“, klagt der Jurist. Glaubt der Kunde doch, ein Original gekauft zu haben.
 „Der Verbraucher kann Täter und Opfer sein“, kommentiert Christine Lacroix für das Museum und die Aktion Plagiarius – sind sich einige Käufer doch sehr wohl bewusst, eine Nachahmung zu erwerben. „Gleiches Aussehen bedeutet aber nicht gleiche Qualität, Funktionalität und Sicherheit“, warnt Lacroix. „Teilweise wird es sogar richtig gefährlich.“ Die Gelder, die Firmen für Anwälte und Gerichte ausgeben müssen, „könnte man eigentlich in neue Produkte stecken.“

Das Original des Rasierers „Futur 700“ (l.) der Marke Merkur sowie die Fälschung des chinesischen Herstellers (r.). Foto: dpa/Arne Dedert

Ulrich Wiethoff weiß jedenfalls, dass der Kampf weitergeht. „Den Asiaten fehlen die Marken.“ Statt eigene zu schaffen, kupfern sie immer perfekter ab. Selbst in den Begleittexten gebe es keine Fehler mehr. Und der deutsche Zoll, der viele Fälschungen findet, werde umgangen: „Die Asiaten gehen beispielsweise über Rotterdam. Klingen, die aus Spanien geliefert wurden, kamen eigentlich aus China.“ Das, befürchtet der Geschäftsführer, „macht den ganzen Mittelstand kaputt.“

Jens Zeitvogel und Ulrich Wiethoff von Merkur (l.) mit Christine Lacroix (Aktion Plagiarius) und Christoph Schwenke (Ledlenser). Foto: Fred Lothar Melchior

Bei Ledlenser weiß man, dass Amazon und Ebay inzwischen zwar Markenschutzprogramme einsetzen. Die Ohligser müssen aber immer noch selbst tätig werden. Schwenke: „Im Ausland ist die Verfolgung schwierig und teuer. Nicht alle Kosten werden erstattet.“ Trotzdem will Ledlenser einen weiteren Weg gehen: „Wir versuchen zum ersten Mal, über einen Dienstleister in Spanien einen Server abzuschalten.“