Solingen: IHK legt Ergebnisse der Herbstumfrage vor

IHK in Solingen, Remscheid und Wuppertal : „Wir sind keine Problemregion“

Die Geschäftslage ist in diesem Herbst bei den Unternehmen in Solingen, Remscheid und Wuppertal noch überwiegend positiv, aber die konjunkturellen Erwartungen für die nächsten Monate schwächen sich ab.

Die Schneidwaren- und Besteckbranche ist aktuell noch guter Dinge. Denn 39 Prozent der Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage, 53 Prozent von einer befriedigenden und lediglich acht Prozent der Betriebe sprechen von einer schlechten Geschäftslage. Das wird nicht so bleiben, zumal in den kommenden zwölf Monaten die konjunkturellen Erwartungen zwar nicht unbedingt in den Keller, allerdings nach unten zeigen: Nur acht Prozent der befragten Schneidwaren- und Besteckbetriebe erwartet in naher Zukunft gute Geschäfte. 77 Prozent rechnen immerhin mit einer gleichbleibenden Lage und 15 Prozent gehen von einer Verschlechterung ihrer Geschäftslage aus.

Diese Ergebnisse ermittelte die Bergische Industrie- und Handelskammer (IHK) in ihrer Herbstumfrage. Daran nahmen 467 Firmen mit rund 23.000 Beschäftigten aus der Region teil, darunter auch 129 Unternehmen aus der Klingenstadt. Und besagte Schneidwaren- und Besteckbranche kann immerhin noch einen Geschäftslage-Index von plus 31 in diesem Herbst aufweisen. Andere Branchen haben deutlich schlechtere Werte.

Die gute konjunkturelle Lage scheint sich nämlich etwas abzuflachen. „Es geht ein bisschen abwärts“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge, „aber wir stehen nicht am Rande einer Rezession.“ Zumal immer noch 31 Prozent der befragten Unternehmen von einer guten Geschäftslage berichten, weitere 53 Prozent von einer befriedigenden. Aber eben auch 16 Prozent mit ihrer Geschäftslage unzufrieden sind. Was dazu führt, dass der Geschäftslage-Index nach 27 Punkten im Sommer jetzt nur noch bei 15 liegt. Normale konjunkturelle Entwicklungen sind das für den IHK-Hauptgeschäftsführer, aber er sieht andererseits auch: „Hinzu kommen immer pessimistischer werdende Konjunkturerwartungen.“

Die Gründe sind vielfältig: Die Handelskonflikte zwischen USA und China, der Brexit, auch die Absatzmärkte Russland und Iran tragen ihren Teil zur schwächelnden Konjunktur bei. Die Probleme in der Automobilindustrie treffen zunehmend auch die vielen bergischen Zulieferer. Aber auch hausgemachte Probleme macht Michael Wenge aus. Er sieht in der die Wirtschaftspolitik ein großes Entwicklungshemmnis. Generell bewerten die bergischen Unternehmen auch die wachsende Bürokratie als gravierendes Risiko.

Andererseits verweist Michael Wenge auf positive Aspekte: „Das Bergische steht besser da als andere Regionen. Zudem ist die Beschäftigung mehr als stabil.“ In der Tat: Ende des vergangenen Monats wurde in Solingen mit einer Arbeitslosenquote von 6,9 Prozent erstmals nach mehr als 20 Jahren eine Quote unter sieben Prozent erreicht. Wenge kommt von daher zu dem Schluss: „Wir sind keine Problemregion.“

Die Produktion liege jetzt im Normalbereich, nachdem sie in den vergangenen Monaten deutlich darüber gelegen habe. Das Zurückfahren auf normale Kapazitäten lässt aber die Fixkosten steigen. „Dadurch sinken die Erträge“, rechnet IHK-Geschäftsführer Uwe Mensch vor. Das wiederum drücke die Investitionsbereitschaft – zuletzt auch die Stimmung, wie die Zahlen der Herbstumfrage zeigen.

Aber eben nicht alle Branchen sind gleichermaßen betroffen, wie das Beispiel der Schneidwaren- und Besteckbranche zeigt. Und die für Aus- und Weiterbildung bei der Bergischen IHK zuständige Carmen Bartl-Zorn wusste ebenfalls Positives zu berichten: Die Zahl der Ausbildungsverträge im Kammerbezirk ist in diesem Jahr um 1,9 Prozent auf 2363 gestiegen. Im Vorjahr wurde bereits ein Plus von 5,9 Prozent bei den Ausbildungsverträgen verzeichnet.

Wermutstropfen: „In Solingen entwickeln sich die Ausbildungsverträge nur langsam ins Positive“, sagt Bartl-Zorn. Hier gebe es immer noch mehr Bewerber als Ausbildungsstellen.sich

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