Solingen: Heimat- und Hahneköpper-Vereins „Schlag Aff“ feiert die Schlicker Hahnenkirmes

Serie „Mein Solingen“ : „So nett benein“ in Schlicken

Vier Tage, drei Bands und drei Hähne: Auf die Schlicker Hahnenkirmes können die neun Mitglieder des Heimat- und Hahneköpper-Vereins „Schlag Aff“ stolz sein – besonders in diesem Jahr.

Es war der fünfte Durchgang, als der Kopf des Hahns am Samstag in hohem Bogen auf die Bühne flog: Beim 25. Schlag entschied Achim Jung das Pokalköppen der Schlicker für sich. Am Sonntag reichten schon zwölf Versuche, bis Sebastian Eickhorn vom Walder Verein „Blenk Dropp“ den Wettkampf der befreundeten Gäste gewann.

So schnell geht es beim Hahneköppen nicht immer zu. Achim Jung, der bei den Schlickern den Titel eines „Hahnenvaters“ trägt, also vorher schon König und Kaiser war, kann sich an Kämpfe erinnern, die Stunden dauerten – etwa beim „Köppen der Könige“, einem Wettstreit der Vereine untereinander. Da waren gelegentlich fast 270 Schläge nötig, um Verbandskönig zu werden.

Von den Schlickern holte sich nicht nur Jung, sondern auch Florian Clauberg bereits den Titel: „Vor fünf Jahren bin ich beim 258. Schlag im strömenden Regen König der Könige geworden“, sagt der Vorsitzende des Heimat- und Hahneköpper-Vereins „Schlag Aff“. Ein Verein, der 1933 gegründet wurde und heute neun Mitglieder zählt: fünf Männer und vier Frauen. „Wir sind der kleinste Verein mit dem größten Fest“, berichtet Clauberg, der gleichzeitig die Kaiserwürde bei „Schlag Aff“ trägt. Mit 29 Jahren zählt der Elektroniker zu den Jüngsten im Verein und beobachtet aufmerksam die Entwicklung der Hahneköpper: Das Verbandsköppen ist abgeschafft, die Zahl der Solinger Vereine auf vier geschrumpft. Neben den Schlickern und den Waldern, einem relativ jungen Verein, gibt es noch „Schlag Dropp“ (Flachsberg) und „Haut Ihn“ (Gräfrath), beide von 1929.

„Schlag Aff“ trotzt der Entwicklung. Erstmals seit Jahren gab es wieder einen Festumzug, begleitet vom Fanfarenzug Essen-Katernberg, eine feste Bühne (gesponsert von Pasvatek Eventsolutions) und drei Bands: Flashover, Mike & the Waiters und Pirates of Love. Außerdem wurden die vier Damen des Vereins neu eingekleidet – von Königin Rita Schröder bis zu Oberglucke Ruth Mai.

„So wie dieses Jahr war es noch nie“, freut sich Florian Clauberg, der durch seine Eltern zum Hahneköppen kam. „Früher war es ein Hofschaftsfest“, blickt er zurück. Dann wurde die Hofschaft durch die neue Straße des 17. Juni (später Unnersberger Allee) zerrissen, der alte Festplatz am Schlicker Weg bebaut.

Erstmals seit Jahren gab es in Schlicken wieder einen Festumzug. Foto: Meuter, Peter (pm)

Auf dem neuen, Ende der 1990er Jahre von der Stadt angemieteten Fläche bieten rund 2000 Quadratmeter Platz für viele Gäste. Clauberg: „Wir haben sogar Besucher aus Köln, die früher hier gewohnt haben.“ Manche Gäste kämen an allen vier Tagen. Dafür legen sich die Vereinsmitglieder kräftig ins Zeug – schon Wochen vor dem eigentlichen Fest. „Bei uns haben alle Lust darauf und Spaß daran“, betont der Vereinsvorsitzende. „Und auf den Bänken sitzt der Maurer neben dem Rechtsanwalt und dem Rentner.“ Und vielleicht findet man auch neue Mitglieder: Jan Stolpmann (45) trat nach dem Fest im vergangenen Jahr ein.

1,1 Tonnen Lebensmittel, darunter 300 Kilogramm Pommes frites, hatte der Verein diesmal eingekauft. Außerdem kalkuliert man mit 18 Hektoliter „normalem“ Bier. Verkauft wird zu zivilen Preisen: Bier, Bratwurst und Schnäpschen gibt es für jeweils 1,40 Euro. Hühnersuppe wird auch angeboten – beim Königsfrühstück am Sonntag sogar gratis.

„An den Feiertagen helfen uns auch Gäste“, erzählt Königin Rita Schröder. „Im Verein greift ohnehin jeder jedem unter die Arme. Gerade das Gesellige ist es, was uns allen so supergut gefällt.“ „Wir sehen uns einmal im Monat, gehen auf andere Feste, machen andere Unternehmungen“, ergänzt Kaiser Florian Clauberg.

Und das Köpfen von echten (aber nicht mehr lebenden) Hähnen ? Während Kritikern der Kamm schwillt und in Wermelskirchen der Hahneköpp-Verein „Kikeriki“ auf ein „Hahnenstechen“ mit einem Blechhahn und Zielscheibe ausgewichen ist, bleiben die Schlicker dem Hahneköppen treu. „Es ist als Tradition geschützt“, erklärt Florian Clauberg. Es gibt aber feste Richtlinien, wie mit den Tieren umzugehen ist. „Wir halten die Tradition hoch in Solingen“, unterstreicht Volker Horn, der in Schlicken mit anpackt und der vorletzte König beim inzwischen aufgelösten Verein „Gut Treff“ Königsmühle war.

Sebastian Eickhorn („HKV Benk dropp“) gelingt beim Gäste-Wettkampf im zwölften Versuch der Sieger-Schlag. Foto: Meuter, Peter (pm)

Ein Stück Tradition hat der Heimat- und Hahneköpper-Verein aber verloren. „Das war ein schönes graviertes Schwert“, denkt Florian Clauberg an den Original-Säbel zurück, der vor Jahren aus dem Vereinsheim gestohlen wurde. Für den Ersatz-Säbel wünscht er sich ebenfalls eine Gravur – vielleicht eine Aufgabe für Auszubildende der Branche.

Der Hahneköpper neue Kleider: Die Frauen tragen die Solinger Stadtfarben. Foto: Meuter, Peter (pm)

Das Königsköppen des Heimat- und Hahneköpper-Vereins „Schlag Aff“ dauerte gestern bei Redaktionsschluss noch an.

Mehr von RP ONLINE