Solingen: Heiligenstock wegen Einsturzgefahr gesperrt

Großeinsatz in Solingen : Fassade droht nach Abrissarbeiten einzustürzen

Autos wurden abgeschleppt und Anwohner durften nur noch unter Aufsicht in ihre Wohnungen: Bei Bauarbeiten in Solingen brach ein Hallendach ein – nun besteht Einsturzgefahr. Der kontrollierte Abriss erfolgt am Mittwoch.

Es handelt sich um den zweiten schweren Zwischenfall innerhalb von nur wenigen Monaten. Nachdem schon im August 2018 auf dem Olbo-Gelände in Ohligs bei Abbruchmaßnahmen beinahe eine Mauer in sich zusammengebrochen wäre, ist es auf der Großbaustelle für das künftige O-Quartier am Dienstag erneut zu einem folgenreichen Unfall gekommen. Während Arbeiten im Innern einer alten Halle an der Straße Heiligenstock hat ein Bagger die Dachkonstruktion offensichtlich derart stark beschädigt, so dass nun aktute Einsturzgefahr besteht.

Da es bis zum Abend nicht möglich war, ein Spezialgerät zum Abriss der gesamten Halle sowie angrenzender Gebäudeteile nach Solingen zu bringen, ist der endgültige Abbruch der Ruinen jetzt für Mittwoch geplant. Um weitere Schäden zu verhindern und um vor allem keine Menschen in Gefahr zu bringen, wurde die Straße Heiligenstock noch am Dienstag weiträumig abgesperrt.

Anwohner der benachbarten Häuser durften zwischenzeitlich nur noch unter Aufsicht in ihre Wohnungen. Autos mussten abgeschleppt werden. Zudem sicherten Kräfte des Solinger Ordnungsamtes die gesamte Unglücksstelle mit Zäunen ab, derweil die Polizei in der Nacht auf Mittwoch verstärkt Streife fuhr, damit sich keine Unbefugten der Halle nähern konnten.

Dabei grenzte es ohnehin an ein Wunder, dass bei dem Unfall selbst niemand in Mitleidenschaft gezogen wurde. Denn Zeugenaussagen zufolge hatte sich das Unglück am frühen Dienstagnachmittag wie aus dem Nichts ereignet – also zu einem Zeitpunkt, zu dem sich viele Menschen in der Umgebung aufgehalten hatten.

Anwohner waren geschockt. Die Straße Heiligenstock blieb zwischen Düsseldorfer Straße und Dürener Straße gesperrt. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Wie Feuerwehr und Polizei später mitteilten, waren die Bauarbeiter der mit dem Abriss beauftragten Spezialfirma gerade damit beschäftigt gewesen, Schutt zur Seite zu räumen, als der besagte Bagger zunächst die Dachkonstruktion der Halle zum Einsturz brachte. Infolge dessen fielen dann Trümmerteile auf ein Stützpfeiler aus Stahl, der seinerseits einknickte und schließlich die Außenwand des Gebäudes eindrückte.

Von dort aus rasten Sekunden später große Betonstücke in die Tiefe und prallten teilweise auf am Straßenrand geparkte Autos. „Das Dach eines Lieferwagens wurde von einer schweren Platte regelrecht platt gemacht“, schilderte ein Zeuge anschließend die dramatischen Momente, derweil andere Passanten sowie die Nachbarn großteils fassungslos hinter den eilig aufgespannten Absperrbändern der Feuerwehr verharrten.

Wie zum Beispiel Vanessa Örcün, die zusammen mit ihre Familie in einem der Wohnhäuser auf der gegenüberliegenden Seite der Straße Heiligenstock lebt. Die junge Frau selbst war zum Zeitpunkt des Unglücks nicht zuhause gewesen. Dennoch stand ihr rund zwei Stunden später noch der Schrecken förmlich ins Gesicht geschrieben. „Mein kleiner Sohn war zum Glück auch nicht in der Wohnung“, sagte die Ohligserin. Aber der Hund der Familie hatte sich beim Einsturz des Hallendaches in dem Wohngebäude befunden und musste von ihrem Mann in Sicherheit gebracht werden.

Ein Eisenträger hat die alte Backsteinwand auf einer Länge von mehreren Metern eingedrückt. Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Am Abend sowie nach Absprache mit drei Statikern erlaubten die Behörden den Menschen, zunächst in ihre Wohnungen zurückzukehren. Ob sie aber während des kontrollierten Abrisses am Mittwoch ebenfalls bleiben dürfen, steht einstweilen nicht fest. „Das soll in der konkreten Situation entschieden werden“, hieß es vonseiten der Polizei, die am Dienstag alle Hände voll zu tun hatte, Schaulustige vor sich selbst zu schützen.

So wollten parallel zu den Sicherungsarbeiten immer wieder Leute zu ihrem Auto, die ihre Fahrzeuge an der Straße Heiligenstock abgestellt hatten. Und einem jungen Mann musste sogar ein Platzverweis erteilt werden, weil er gemeinsam mit seinem Sohn mehrfach die abgesperrte Zone betreten hatte.

Auf welche Summe sich am Ende der Gesamtschaden beläuft und was genau zu dem Unfall geführt hat, steht bis auf Weiteres nicht fest. Dies könnten erst die folgenden Untersuchungen klären, gab die Feuerwehr am Dienstagabend bekannt.