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Solingen hat keine Jugendherberge mehr

DJH-Standort Solingen : Letzte Chance: Bergische Jugendherberge

Der neue Geschäftsführer des Landesverbandes Rheinland im Deutschen Jugendherbergswerk, Oliver Mirring, trifft sich kommende Woche mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter.

Das Kapitel Jugendherberge in ­Solingen ist geschlossen. Ob endgültig, das wird die nahe Zukunft zeigen. Nach dem Verkauf der Gräfrather Herberge an die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) im Jahr 2015 und der Schließung des Hauses in Oberburg Ende des vergangenen Monats, hat das Jugendherbergswerk Rheinland jedenfalls aktuell keinen Standort mehr in der Klingenstadt. Ob eine neue „Bergische Jugendherberge“ in Solingen entstehen wird, ist vage.

„Kommende Woche bin ich zu Gesprächen mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter in Solingen“, erklärte der neue Geschäftsführer des Deutsches Jugendherbergswerks Landesverband Rheinland, Oliver Mirring. Er löste Friedhelm Kamps ab, der in den Ruhestand gegangen ist. „Es ist ein Gespräch zum Kennenlernen, wir werden aber auch die Lage erörtern“, sagte Mirring.

Solingen hatte sich vehement für den Erhalt der Burger Herberge eingesetzt. Unter anderem mit Abgeordneten aus dem Bergischen Land wurde gar eine „Burger Resolution“ für den Erhalt der Jugendherberge erarbeitet und an das Jugendherbergswerk weitergeleitet. Doch auch eine Reduzierung der Bettenzahl von 118 auf 60 inklusive einer Modernisierung des in die Jahre gekommenen Hauses in Oberburg erwies sich als betriebswirtschaftlich nicht sinnvoll.

Der Jugendherbergsverband Rheinland ließ deshalb die Finger davon. Aufgrund der zunächst guten Belegungszahlen wurde die Herberge gleichwohl nicht wie ursprünglich geplant Ende 2017 geschlossen, sondern erst Ende September dieses Jahres. „Der zuletzt geplante Verkauf der Jugendherberge in Oberburg hat sich zerschlagen. Wir versuchen nun weiter, eine gute Lösung hinzubekommen“, sagte Oliver Mirring im Gespräch mit unserer Redaktion.

Noch nicht vom Tisch ist die Idee einer „Bergischen Jugendherberge“. „Eine Projektgruppe wird bis Ende dieses Jahres die gesamte Region unter die Lupe nehmen. Auch unter touristischen Gesichtspunkten. Sie soll vor allem erkunden, ob und wo eine neue Jugendherberge einen Standort haben könnte“, sagte der Geschäftsführer des Landesverbandes Rheinland im Deutsches Jugendherbergswerk (DJH). Auf  Grundlage der Ergebnisse der Arbeitsgruppe werden man 2019 eine Entscheidung treffen. „Alle drei Standorte werden bei der Analyse einbezogen, um zu sehen, wo und was wir für welche Gästegruppe anbieten können“, erklärte Oliver Mirring.

Spruchreif sei derzeit jedoch noch nichts. Am Ende des Entscheidungsprozesses könnte aber auch die Erkenntnis stehen, im Bergischen Land überhaupt nicht zu investieren und es bei der verbliebenen Jugendherberge in Wuppertal zu belassen. Doch das sei zum momentanen Zeitpunkt reine Spekulation. „Wir werden aber definitiv eine Entscheidung für die Region treffen, denn 2021 wird unser Landesverband 100 Jahre alt. Bis dahin wollen wir die Zukunftsstrategie der Rheinischen Jugendherbergen klar haben“, so Oliver Mirring.

Mit diesen Gedankenspielen nichts am Hut hat die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft. Diese hatte 2015 die Gräfrather Jugendherberge gekauft – und will die Räumlichkeiten auch weiter dauerhaft für die Erwachsenen-Weiterbildung nutzen. Dafür ist aber die Unterstützung der Stadt erforderlich. Derzeit sind in der Herberge am Flockertsholz noch Schüler untergebracht. Im Sommer kommenden Jahres werden die aber ins neue Berufsinternat II an der De-Leuw-Straße umziehen, das jetzt gebaut wird.