Solingen: Gratis-Kompost wartet auf Abnehmer

Entsorgungszentrum Bärenloch : Gratis-Kompost wartet auf Abnehmer

Im Entsorgungszentrum Bärenloch wird auch im Winter weiter Grünschnitt angeliefert. Die Nachfrage nach Kompost ist bei Minustemperaturen aber gleich null.

Gratis-Kompost bis zum Abwinken: Dieses neue Angebot lässt die Solinger Hobbygärtner noch kalt; die Berge am Entsorgungszentrum Bärenloch wachsen. Denn auch im Winter wird weiter Grünschnitt angeliefert, den die Technischen Betriebe zu Komposterde verarbeiten. „Zurzeit bekommen wir recht viel Gehölzschnitt“, sagt Michael Leeser, Teamleiter der Kompostierungsanlage an der Cronenberger Straße. „Von Oktober bis Februar ist auch die Hauptzeit für Fällaktionen.“

„Zum März hin, wenn die Gartenarbeit beginnt, werden wir dann sicher etliche Nachfragen erhalten, warum es keine Gutscheine mehr gibt“, vermutet der 58-Jährige. Musste früher noch eine Ecke des Abfallkalenders abgeschnitten und mitgebracht werden, ist seit Jahresanfang nur noch ein Behälter zum Mitnehmen der Komposterde nötig. Davon gibt es „so viel Sie wollen!“, wie die Technischen Betriebe und die Entsorgung Solingen GmbH auf der Rückseite des Abfallkalenders werben.

Bisher erhielt man gratis nur einen Kubikmeter pro Jahr. „Das reicht für etwa 100 Quadratmeter“, erklärt Michael Leeser, der mit allen Feinheiten vertraut ist: Er leitet die Anlage seit ihrer Eröffnung im Oktober 2003 und hat miterlebt, wie sie immer beliebter wurde – nicht nur bei den Solingern. Auch Wuppertaler und Hildener – und vor allem Remscheider – laden gerne gebührenfrei ihren Grünschnitt in die Container am Bärenloch. Bei Privatleuten drückt Leeser dann ein Auge zu: „Die Nachbarstädte haben Wertstoffhöfe, aber keine eigenen Kompostierungsanlagen.“

Was von den Solingern und ihren Nachbarn angeliefert wird, hat eine gute Qualität – und lässt sich, nach der Kompostierung und vermischt mit Mutterboden etwa aus Neubaugebieten, von den städtischen Mitarbeitern in Säcke verpacken und als Garten- oder Blumenerde anbieten. Nur ist das Angebot größer als die Nachfrage. Deshalb freut sich Leeser auch über die langjährige Zusammenarbeit mit Landwirten aus der Region, die sich zum kleinen Preis Kompost abholen und auf ihren Feldern ausbringen. „Sie haben gute Erträge, die Pflanzen werden stabiler und resistenter gegen Krankheiten.“

„Der Kompost speichert bis zum Fünffachen des Eigengewichts an Wasser“, erläutert der Teamleiter und präsentiert ein Foto von zwei benachbarten Feldern im heißen Sommer 2018: An der dunkelgrünen Farbe des einen Feldes ist deutlich zu erkennen, dass Kompost gestreut wurde. Leeser: „Andererseits lässt sich durch den Kompost auch eine Vernässung verhindern, weil der Boden weniger durch die Landmaschinen komprimiert wird.“

Weitere Abnehmer findet Michael Leeser bei den Herstellern von Profi-Erden. „Mittlerweile verzichten sie weitgehend auf Torf. Der Kompost muss aber eine sehr gute, beständige Qualität haben.“ Die Güte wird im Bärenloch ständig überwacht; der Gehalt von Salz und Nährstoffen wie Phosphor, Kali und Magnesium stets gleich gehalten. Leeser: „Die Grundnährstoffe geben Sie den Pflanzen schon mit dem Kompost. Und anders als bei Düngergaben gehen Stoffe, die von den Pflanzen nicht aufgenommen werden können, nicht ins Grundwasser.“

Die rund 36.000 Weihnachtsbäume, die am 11. Januar gesammelt wurden, sind längst zerkleinert und mit anderen Pflanzenresten vermischt zu Haufen aufgetürmt – in dem tiefer liegenden Teil des Entsorgungszentrums, in den Besucher seltener kommen. „In den ersten 72 Stunden hat sich dort eine Temperatur von 75 Grad aufgebaut“, berichtet der Teamleiter. Nach zwei Wochen wird der Haufen umgesetzt, und nach drei Monaten ist der Kompostierungsprozess samt Nachrotte beendet. Nur die Landwirte erhalten frischen, lediglich sechs Wochen alten Kompost. Leeser: „Es gibt fünf Rottestufen.“

Abfälle, die in der braunen Biotonne gelandet sind, gehen zu einer darauf spezialisierten Anlage am Breitscheider Kreuz. Die „relativ kleine“ Anlage an der Cronenberger Straße ist nur auf Grünschnitt (maximal zwölf Millionen Kilogramm) und nicht auf Küchenreste ausgelegt.

Wer losen Kompost mitnehmen will, beispielsweise in einem Pkw-Anhänger, soll auf Wunsch der Technischen Betriebe bei Ein- und Ausfahrt über die Waage fahren: „So kann in der Statistik festgehalten werden, wie viel unverpackte Komposterde abgegeben worden ist.“ Für den ganz feinen (verpackten) Kompost, der beispielsweise ideal für den Anbau von Gemüse ist, muss man ohnehin am Kassenhäuschen vorbei: Er wird auch weiterhin nicht kostenlos abgegeben.

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