Solingen-Gräfrath: Brand in Produktionshalle - Explosion im Dycker Feld

Schaden in Millionenhöhe : Großbrand zerstört Produktionshalle in Solingen

Im Dycker Feld in Solingen-Gräfrath hat es in der Nacht auf Donnerstag gebrannt. Eine Halle stand in Flammen, Gasflaschen im Gebäude explodierten.

Fassungslos stehen drei Mitarbeiter des Automobilzulieferers am Donnerstagmorgen in unmittelbarer Nähe zu ihrem Arbeitsort im Gewerbegebiet Dycker Feld. Sie beobachten, wie ein Spezialbagger des Technisches Hilfswerks verbrannte Gebäudeteile beiseite schiebt, damit die Feuerwehr weitere Glutnester löschen kann. Von der 2500 Quadratmeter großen Produktionshalle, die in Stahl- beziehungsweise Skelettbauweise einst errichtet worden war, sind nach einem verheerenden Brand in der Nacht zu Donnerstag nur noch Trümmer übrig geblieben.

„Bis Mittwoch um 22.30 Uhr wurde hier noch gearbeitet. Wir stellen Kunststoffteile für die Automobilindustrie her – Ablagefächer, Getränkehalter oder Aschenbecher“, sagen die drei Männer und ergänzen mit Blick auf ihren bisherigen Arbeitsplatz: „Wir müssen jetzt sehen, wie und wo es weitergeht.“

80 von 300 Beschäftigten des Automobilzulieferers haben in der Halle normalerweise gearbeitet. Das Nebengebäude blieb durch den beherzten Einsatz der Feuerwehr aber unversehrt. Eine weitere Produktionsstätte mit 100 Mitarbeitern des Unternehmens befindet sich im nahe gelegenen Businesspark Piepersberg.

Gegen 1.05 Uhr am Donnerstag war die Feuerwehr durch die Brandmeldeanlage des Unternehmens am Lindgesfeld alarmiert worden. Bei Eintreffen der ersten Einsatzkräfte brannte die Halle aber schon lichterloh. Es wurde Vollalarm ausgelöst. Rund 125 Feuerwehrleute, 25 Mitarbeiter des DRK und 15 vom Technischen Hilfswerk waren nach und nach an der Einsatzstelle.

Erschwert wurden die Löscharbeiten durch den Wind, zudem durch explodierende Gasflaschen in der Halle. „Dadurch flogen brennende Teile in Richtung des Hauptgebäudes“, erklärt Einsatzleiter Sebastian Wagner. Zunächst wurde die Halle über drei Drehleiterwagen von außen mit Wasser gelöscht. Später sei auch Schaum eingesetzt worden, so der stellvertretende Solinger Feuerwehr-Chef. Das Feuer drohte aufgrund des Windes auf das durch eine Straße getrennte Hauptgebäude des Automobilzulieferers überzugreifen. Das konnte durch massive Löscharbeiten verhindert werden. „Zum Glück, denn dort befindet sich auch eine Galvanik“, so Wagner.

Gegen 4 Uhr hatte die Feuerwehr den Großbrand unter Kontrolle. Verletzt wurde niemand. Erste Schätzungen gehen von einem Schaden in Millionenhöhe aus. Die Brandursache muss von der Polizei ermittelt werden und ist noch unklar. Es werde in alle Richtungen ermittelt. Ein technischer Defekt ist derzeit ebenso möglich wie Brandstiftung. Allerdings können die Experten der Polizei die Einsatzstelle erst untersuchen, wenn die Feuerwehr abgerückt ist.

Der Einsatz zog sich aber noch bis zum Abend hin. Gegen Mittag wurde versucht, wenigstens eine Maschine in der zerstörten Produktionshalle noch zu bergen. Das gelang, wie die Feuerwehr am Nachmittag mitteilte: „Unter Einsatz von schwerem technischen Gerät von THW und der Firma Del Gaudio konnte eine der drei wichtigen Maschinen intakt geborgen werden.“

Die Straßen Dycker Feld und Lindgesfeld wurden gegen 14.30 Uhr wieder freigegeben. Zu diesem Zeitpunkt rückte auch die Feuerwehr mit einem Großteil der Einsatzkräfte ab. Lediglich zwei Löscheinheiten blieben weiter vor Ort.

Alle Betriebe und Bewohner in der Umgebung der Einsatzstelle waren am Morgen aufgefordert worden, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Außerdem wurden Anwohner per Sirene gewarnt. Das Gewerbegebiet war bis in den Vormittag hinein komplett gesperrt. Mitarbeiter von anderen Firmen mussten ihre Fahrzeuge außerhalb abstellen und zu Fuß zu ihrem Arbeitsplatz gehen. Im Laufe des Vormittags wurde die Straße Dycker Feld im Gewerbegebiet teilweise wieder freigegeben. So konnte Fahrzeugen unter anderem von der Wuppertaler Straße die Einfahrt bis zur Einmündung Lindgesfeld wieder ermöglicht werden. Auch von der Tersteegenstraße begann die Sperrung erst kurz hinter der Einmündung Dellenfeld. Damit war der Anlieferverkehr für viele Betriebe sichergestellt.

Die Stadtverwaltung hatte einen Krisenstab gebildet. Denn durch das Feuer waren Rauch und Aschepartikel in den nördlich angrenzenden Wohngebieten und im Bereich der Gräfrather Altstadt niedergegangen. Zudem war dort Geruchsbelästigung wahrnehmbar. Messtrupps der Feuerwehr und des Landesamtes für Natur, Umwelt- und Verbraucherschutz haben an verschiedenen Stellen des betroffenen Gebietes Proben genommen und untersucht. „Es wurden keine Schadstoffe festgestellt“, sagt Heike Neuenfeldt von der Feuerwehr. Der Betrieb von Schulen, Kitas und Firmen konnte normal verlaufen.

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