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Solingen: Giftmüll-Prozess – Zeuge schildert Arbeitsweise​

Unternehmer aus Solingen angeklagt : Giftmüll-Prozess – Zeuge schildert Arbeitsweise

In der Klage gegen den 68-jährigen Bauunternehmer aus Solingen am Amtsgericht Wuppertal über die illegale Verklappung von gesundheitsschädlichen Materialien wie etwa Asbest aus Abbrucharbeiten und andere Betrügereien zeigte ein ehemaliger Geschäftsführer die Arbeitsweise in dem verzweigten, undurchsichtigen Firmenkonstrukt auf.

Dieser Zeuge wurde im Jahr 2014 nach nur fünf Monaten Reparaturtätigkeit an den Baumaschinen fachfremd in die Leitung des Abbruchunternehmens berufen. Fernab jeder inneren Kenntnis der Geschäftsvorgänge, die weiterhin vom Angeklagten diktiert wurden, geriet er als Strohmann schon nach kurzer Zeit in den persönlichen Ruin.

War schon die innere chaotische Struktur der Firmen kriminell, waren es vor allem die unsauberen Geschäfte. Die Entsorgung von Asbest und anderen Materialien gegen alle Vorschriften und Kontrollen schien das Hauptgeschäft zu sein.

Das bestätigte der Zeuge und nannte auch die Baustelle an der Bergstraße in Solingen. Gefälschte Entsorgungszertifikate – wegen unbezahlter Rechnungen nahm keine Deponie mehr die asbesthaltigen Lieferungen an – und dann noch die ungeklärte Verseuchung des Baugrundes durch Diesel führten schnell zur Stilllegung der Baustelle durch die Bezirksregierung. Den Unternehmer störte das nicht, er ließ grundsätzlich an stillgelegten Baustellen weiterarbeiten, bis die Polizei kam – Proteste beeindruckten ihn nicht. Es wären seine Maschinen, seine Arbeiter.

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Denn die waren nur gemietet und gehörten seiner Immobilienfirma, die als einzige im Verbund finanziell gut da stand. Warum? Einnahmen der diversen Abbruchunternehmen wurden blitzschnell dorthin transferiert oder an eine Adresse in Marbella. Ausstehende Verbindlichkeiten konnten nicht erfüllt werden – so der ehemalige Geschäftsführer, der sich sogar überreden ließ, sein väterlich geerbtes Haus und Geld seiner Familie „leihweise“ in eine der Firmen zu stecken. Wiedergesehen habe er nichts davon. Der größte Teil seines Gehalts sei in Tankrechnungen der Baumaschinen und Deponiegebühren geflossen – er wollte die Aufträge unbedingt zu Ende bringen, um seine Einlagen wiederzubekommen. Vergeblich – der Angeklagte im Hintergrund sei schneller gewesen.

Unsortiertes Abbruchmaterial sei auf andere Baustellen oder auf seine ungenehmigte Deponie in Vohwinkel verschoben worden. Der Verbleib von anderem belasteten Material scheint ungeklärt.

Rücksichtslos auch bei anderen Gelegenheiten: Nach wildem Abkippen von Müll und Schadstoffen auf einem Grundstück neben einem Reiterhof im Bergischen blockierte der empörte Vermieter die Zufahrt – mit einem Baufahrzeug sei die Sperre wieder abgeräumt worden. Der Prozess wird fortgeführt.