Solingen: Geburt bei Hochzeitsfeier

Geburt bei Hochzeit im Haus Müngsten: Marlo wollte nicht auf die Torte warten

Am Tag ihrer Hochzeit brachte Jennifer Steffens ihren Sohn zur Welt – auf der Treppe von Haus Müngsten.

Wenn Jennifer und René Steffens die Ereignisse am Tag ihrer standesamtlichen Hochzeit als gutes Omen deuten, dann sind die beiden Solinger jetzt für so ziemlich alle Unwägbarkeiten in ihrem gemeinsamen Leben gewappnet. Denn künftig haben die Steffens am 3. August nicht nur ihren Hochzeitstag, sondern feiern auch den Geburtstag von Söhnchen Marlo.

Der Kleine kam am vergangenen Freitag mitten in den Feierlichkeiten im Haus Müngsten zur Welt, nachdem die Steffens sich gerade das Ja-Wort gegeben hatten. Vater René Steffens muss ein paar Tränchen verdrücken, als er die emotionalen Momente Revue passieren lässt: „Das kann man gar nicht beschreiben. Zum Glück hatten wir zur richtigen Zeit die richtigen Menschen um uns herum, und das tolle Rettungsteam hat uns jede Angst genommen. Dafür sind wir unendlich dankbar.“

Dabei lief zunächst alles nach Plan: Nach der Trauung fuhr das Paar in einem geliehenen Oldtimer zum Haus Müngsten, um dort gemeinsam mit Freunden und Familie zu feiern. Doch bereits auf der Fahrt fühlte die Braut sich unwohl und verspürte „ein leichtes Kribbeln im Bauch“, erinnert sich der Vater.

Als nach dem Essen dann der Kaffee serviert wurde, ging alles ganz schnell: „Wir kamen nicht mehr bis zur Torte“, bringt René Steffens es auf den Punkt. Denn die Fruchtblase seiner Frau war geplatzt, so dass die werdende Mutter nur noch zur Toilette eilen konnte. „Meine Schwester und Jennys beste Freundin haben dann schnell geschaltet und sie im Sanitärbereich der Toiletten auf Gartenauflagen gebettet“, erinnert sich René Steffens. Bergischer Pragmatismus.

Schnell verständigte die Familie den Rettungsdienst – zwei Notärzte und drei Sanitäter waren binnen weniger Minuten vor Ort. „Einer von ihnen war sogar ein Jugendfreund meiner Frau, den sie schon seit ihrer Schulzeit kennt.“ Das Rettungsteam fackelte nicht lange und hob die Solingerin unter immer stärkeren Wehenschüben auf ein Tuch, um sie in den Rettungswagen zu tragen. Vier Männer, vier Ecken.

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Steffens: „Das Team wollte zumindest ermöglichen, dass Jennifer das Kind dort bekommt, weil der Rettungswagen natürlich viel steriler ist.“ Doch da hatten sie die Rechnung ohne den kleinen Marlo gemacht. Offenbar hatte er beschlossen, dass genau jetzt der richtige Zeitpunkt sei, um die Welt zu erkunden.

Als Geburtstermin hatten die Ärzte einen Tag Mitte September errechnet. Jennifer Steffens wurde gerade von dem Team die Treppe hinunter getragen, als sie um Punkt 13.54 Uhr rief: „Er ist da!“ Und da war er, 46 Zentimeter groß, 2310 Gramm schwer und mit einem Gefühl für gutes Timing ausgestattet. Schnell legten die Rettungskräfte den Säugling seiner Mama auf die Brust, damit wenigstens kurz Zeit zum Kuscheln war. Der Notarzt dachte mit und hielt den besonderen Moment mit seiner Handykamera fest. Dann trat die Familie im Rettungswagen den Weg zum Städtischen Klinikum Solingen an, wo Marlo nun noch einige Wochen im Wärmebettchen auf der Frühgeborenenstation bleiben muss, bis seine Eltern ihn mit nach Hause nehmen dürfen.

Anfang September soll es so weit sein. René Steffens kann es kaum erwarten, seinen Sohn in Höhscheid, wo die Familie lebt, endlich willkommen zu heißen: „Er nuckelt schon wie ein Weltmeister!“ Derweil erholt sich Jennifer Steffens im Krankenhaus noch von den Strapazen der Geburt.

Verfrühte Geburten kommen bei etwa sieben Prozent der Frauen vor, weiß Sebastian Hentsch, Chefarzt der Frauenheilkunde am Klinikum Solingen: „In manchen Fällen hat das anatomische Gründe, wenn etwa der Beckenboden der Frau nicht hält und die Gebärmutter sich plötzlich öffnet. Auch eine Infektion kann zu einer Frühgeburt führen.“ Sichere Anzeichen dafür gebe es aber nicht immer. Auch bestünden bei einer überstürzten Geburt immer gewisse Risiken.

Familie Steffens hingegen hatte Glück. Nach Marlos turbulentem Start ins Leben genießen sie schon bald die Zeit zu dritt. Und Papa René scherzt: „Diese Geschichte muss Marlo sich jetzt jeden Geburtstag anhören!“