Solingen: Galvano-Firmen hadern mit EU-Politik

Chemikalien-Verordnung : Galvano-Firmen hadern mit EU-Politik

Kleine und mittlere Betriebe der Galvano- und Oberflächentechnik beklagen sich über hohe Kosten und einen hohen bürokratischen Aufwand im Zusammenhang mit der Registrierung, Zulassung und Beschränkung von Chemikalien.

Die Klingenstadt ist ein Zentrum der Galvanobranche. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen sind hier ansässig, darunter die alteingesessenen Firmen Galvano Röhrig von der Weidenstraße sowie Moosbach & Kanne von der Donaustraße.

Röhrig beschichtet beispielsweise täglich 50.000 bis 60.000 Teile mit Metallen. Beschäftigt werden 40 Mitarbeiter. Moosbach & Kanne (19 Beschäftigte) verarbeitet in 19 verschiedenen Elektrolyten, unter anderem Edelmetalle wie Gold, Silber und Platin ein. „Wir verchromen nicht wie beispielsweise die Firma Röhrig“, sagt Dr. Elke Moosbach.

Gleichwohl ziehen die beiden Lohndienstleister, die Oberflächen für die verschiedensten Branchen behandeln, an einem Strang – gemeinsam mit anderen Firmen und dem in Hilden ansässigen Zentralverband Oberflächentechnik (ZVO). Ihr Problem ist die europäische Chemikalienregulierung REACh. Das steht für die Registrierung, Evaluierung und Authorisierung von Chemikalien. REACh, erklären Christian und Martin Röhrig sowie Dr. Elke Moosbach, „benachteiligt kleine und mittlere Betriebe gegenüber den großen Unternehmen und es verursacht erhebliche Kosten“.

Zurzeit liegt REACh und die damit verbundene Zulassungspraxis verschiedener Chemikalien im EU-Parlament auf Eis. Doch der „erhebliche finanzielle und bürokratische Aufwand“, der mit der Chemikalienregulierung schon seit einigen Jahren verbunden ist, wird von den drei Geschäftsführern der beiden Unternehmen heftig kritisiert. „Für die weitere Verwendung bestimmter Chemikalien muss ein langwieriger, transparenter und im Resultat ungewisser Zulassungsprozess durchgangen werden, welcher keinerlei Planungssicherheit birgt“, sagt Christian Röhrig mit Blick auf Chromtroxid. Hohe Kosten, auch für die Authorisierung der Chemikalien, sind mit REACh verbunden.

Die Firma Röhrig wartet seit zwei Jahren auf die Zulassung einer Chemikalie, die seit Jahren problemfrei im Produktionsprozess eingesetzt wird. „Aber während wir lediglich auf eine Authorisierung von vier Jahren hoffen können und danach wieder mit hohem Aufwand auch alternative Chemikalien nachweisen müssen, bekommen Großunternehmen eine zwölfjährige Zulassung“, ärgert sich Christian Röhrig über die Ungleichbehandlung.

Die sieht auch der FDP-Politiker Dr. Michael Terwiesche. Der Anwalt und Dozent am Europäischen Bildungszentrum für Immobilienwirtschaft hörte sich am Mittwoch die Sorgen der Galvanobetriebe im Umgang mit REACh an. Terwiesche, der im Mai ohne Erfolg für das Europaparlament kandidiert hatte, war als einziger Politiker der Einladung aus Solingen gefolgt. „Gegen die Ungleichbehandlung muss etwas getan werden. Und es ist nicht akzeptabel, dass man zwei Jahre auf einen Bescheid warten muss“, sagt der FDP-Politiker.

Er will sich bei seinen Parteikollegen in Brüssel, mit denen er jüngst gemeinsam Wahlkampf geführt hat, dafür einsetzen, dass die Problematik rund um die Chemikalien-Regulierung vor allem mit Blick auf die kleinen und mittleren Betriebe erneut intensiv diskutiert werden. „Hier besteht dringender Handlungsbedarf.“

Mit einheitlichen Vorgaben und Grenzwerten haben die Solinger Galvano-Unternehmen keine Probleme. „Umwelt- und Menschenschutz ist für uns sehr wichtig“, betonen Röhrig und Moosbach, denen REACh „schon viele schlaflose Nächte“ bereitet hat. Aufgeben wollen sie gleichwohl nicht. Sie hoffen weiter auf Verbesserungen der Verordnung: „Wir werden weiter versuchen, Politiker an den Tisch zu bekommen. steter Tropfen höhlt den Stein“, sagt Martin Röhrig.

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