Nach dem Unwetter: Solingen: Gähnende Leere auf der S-Bahn-Strecke

Nach dem Unwetter : Solingen: Gähnende Leere auf der S-Bahn-Strecke

Es gibt mehrere Stellen auf dem Streckenabschnitt der "S1" zwischen Solingen über Hilden nach Düsseldorf, die nach dem Unwetter durch Bäume blockiert sind. Die Alternativ-Verbindungen sind überlastet.

Zwei junge Männer haben die Beine in die Hände genommen, um irgendwie noch die S-Bahn nach Düsseldorf zu erreichen. Keuchend erreichen Fabian Lerch und Julien Weber den Bahnsteig 10 und stellen hier mit dem Blick auf die Anzeigetafel fest, dass die "S1" gar nicht fährt. "Sicher, wir haben von den Unwetterschäden gewusst. Wir haben aber auf dem Handy die Fahrplan-App aufgerufen, nach der die Bahn zumindest vereinzelt fahren sollte", sagt einer der Langenfelder.

Wo sonst im 20 Minuten-Takt die S-Bahn nach Düsseldorf abfährt, herrscht Stillstand. Seit der Nacht auf Dienstag ist von Gleis 10 am Solinger Hauptbahnhof kein Zug mehr abgefahren. Foto: Radtke, Guido (gra)

Seit dem Unwetter am späten Abend des Pfingstmontags jedoch hat kein einziger Zug aus Düsseldorf kommend den Hauptbahnhof in Solingen mehr angefahren. Die "S 1" pendelt nur noch im 30-Minuten-Takt zwischen der Landeshauptstadt und Duisburg, einmal pro Stunde wird Mülheim an der Ruhr angefahren. Weiter geht es nicht mehr. Ein Sprecher der Deutschen Bahn macht wenig Hoffnung, dass die Sperrung des Streckenabschnitts zwischen Oberbilk über Hilden nach Solingen-Ohligs noch vor dem kommenden Wochenende aufgehoben wird. "Eher später", heißt es. Die Beseitigung der Schäden zögert sich so lange hinaus, weil es mehrere Stellen auf den etwa 15 Kilometern gibt, die durch Bäume blockiert sind. Immerhin: Ein Zug steckt hier nicht fest.

Am späten Vormittag ist das S-Bahn-Gleis am Solinger Hauptbahnhof menschenleer. Nur vereinzelt verirren sich Personen hierhin, um dann hilfesuchend den Weg zum Reisezentrum oder zum Infoschalter anzutreten. Hier helfen die Service-Mitarbeiter der Bahn in stoischer Ruhe und zwanghafter Gelassenheit weiter. Ihre Hauptbeschäftigung ist seit drei Tagen das Ausdrucken von Fahrplänen mit alternativen Verbindungen nach Düsseldorf. Dass die Züge der Regional Express-Linie 7 (zumindest wieder bis Köln) mittlerweile genauso regelmäßig fahren wie die Regionalbahn zwischen Köln und Wuppertal, hat die Situation entspannt. Denn so kann Fahrgästen die Empfehlung gegeben werden, über Gruiten oder Wuppertal nach Düsseldorf zu fahren.

Zur Stoßzeit wenige Stunden zuvor war "hier am Bahnhof allerdings die Hölle los", sagt ein Zugführer der Privatbahn "Abellio", die die "S7"-Strecke nach Solingen-Mitte betreibt. "Mindestens jeder Zweite wollte heute früh nach Düsseldorf und musste sich eine Alternative suchen." Die Busse der Linie 782 über Hilden in die Düsseldorfer Altstadt sind folglich in den frühen Vormittagsstunden derart überfüllt, dass Leute bereits an der Start-Haltestelle in Ohligs draußen bleiben müssen. Gleiches gilt für einen Zustieg im weiteren Fahrverlauf. Weil viele Pendler auf das eigene Auto umsteigen, benötigt die 782 im Berufsverkehr statt knapp 60 Minuten auch schon mal zwei Stunden bis nach Düsseldorf. "Wir sind nicht in der Lage, die Ausfälle der Deutschen Bahn aufzufangen, weil all unsere Ersatzbusse schon auf den Straßenbahn-Strecken eingesetzt sind", sagt eine Rheinbahn-Sprecherin.

Wie bei vielen Fahrgästen ist auch bei Fabian Lerch und Julien Weber der Ärger inzwischen in Verzweiflung umgeschlagen. In aller Ruhe wechseln die beiden jungen Männer das Gleis, weil die Regionalbahn nach Gruiten zehn Minuten Verspätung hat. Aber sie fährt wenigstens.

(RP)
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