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Solingen: Freunde suchen Handy von verunglückter Frau

Tragischer Unglücksfall in Solingen : Freunde suchen über Facebook Handy von toter Frau

Ende Juli wurde die junge Mutter in Solingen von einem Zug überrollt. Sie hatte ihr Smartphone in der Bahn vergessen. Jetzt suchen Familie und Freunde auf Facebook nach dem Finder des Handys. Der Post wurde über 180.000mal geteilt.

Es sollte ein schöner Ausflug werden – doch es endete in einer Tragödie. An einem warmen Sommer-Wochenende Ende Juli war die damals 26-jährige Selina H. mit drei Freundinnen in Köln unterwegs gewesen. Die jungen Frauen hatten in der Domstadt etwas gefeiert – wobei sie sich am frühen Sonntagmorgen schon wieder mit einem Zug des Regionalexpresses RE 7 auf dem Weg zurück befanden, als es am Solinger Hauptbahnhof zur Katastrophe kam.

Selina H. hat die Nacht vom 25. auf den 26. Juli 2020 nicht überlebt. Bei dem Versuch, noch einmal in den Zug zu steigen, um ihr dort vergessenes Handy zu holen, geriet die Mutter einer fünfjährigen Tochter unter die Bahn und zog sich dabei so schwere Verletzungen zu, dass sie wenig später in einem Krankenhaus starb.

Selina H. lebte mit ihrer Familie in Lahr im Schwarzwald. Foto: Privat

Seitdem ist für die Familie und die Freunde der jungen Frau aus Lahr im Schwarzwald nichts mehr so, wie es war. „Es ist schrecklich“, sagt eine Bekannte, die nur eine Hoffnung hat. Denn nachdem das Smartphone der Frau bis heute nicht gefunden worden ist, hat die Freundin, die in der Unglücksnacht selbst nicht dabei gewesen ist, jetzt bei Facebook einen Suchaufruf nach dem Finder des Handys veröffentlicht, der in wenigen Tagen schon über 180.000mal geteilt wurde.

„Es wäre Selinas Mutter und ihrer Tochter unfassbar wichtig, da auf dem Handy die letzten glücklichen Momente ihres Lebens zu sehen sind“, sagt die Bekannte, die zurzeit von Menschen aus ganz Deutschland kontaktiert wird. Allein: Der Finder des Smartphones war noch nicht darunter, weswegen der Freundin nichts anderes bleibt, als auf die eine erlösende Nachricht zu warten.

Eine Reaktion auf die Facebook-Suchaktion erhofft sich auch die Staatsanwaltschaft Wuppertal, die den Unglücksfall inzwischen von der Polizei übernommen hat. Dabei konzentrieren sich die Untersuchungen auf einen Mann, der in besagter Nacht neben den Frauen im Zug saß und der, nachdem Selina H. mit ihren Freundinnen um 6.42 Uhr in Solingen ausgestiegen war, mit dem Handy, einem schwarzen iPhone 11, an einem Abteilfenster gewunken haben soll.

„Bei dem Gesuchten könnte es sich um einen Osteuropäer handeln“, sagte nun der Sprecher der Staatsanwaltschaft Wuppertal, Oberstaatsanwalt Wolf-Tilman Baumert, der am Mittwoch außerdem berichtete, während der Bahnfahrt habe es eine Auseinandersetzung zwischen dem Mann und den Frauen gegeben.

Tatsächlich dürfte Selina H. dann beim Aussteigen in Solingen das Handy aus der Tasche gefallen sein. Als sie schließlich den Verlust bemerkte, habe sie versucht, noch einmal in den Zug zu kommen. Dieser war jedoch schon angefahren, weswegen die junge Frau schließlich vor den Augen ihrer entsetzten Freundinnen ins Gleisbett stürzte und überrollt wurde.

Inwieweit die Suche nach dem Mann Erfolg haben wird, vermögen weder die Bekannten von Selina H., noch die Staatsanwaltschaft zu prognostizieren. „Es gibt Bilder von dem Mann aus einer Überwachungskamera“, sagte Oberstaatsanwalt Baumert. Allerdings sei es angesichts der Gesamtumstände bei dem tragischen Unglücksfall eher zweifelhaft, ob ein Richter die Erlaubnis zu einer öffentlichen Suche nach dem Mann erteilt.

Was wiederum dazu führt, dass alle Hoffnungen der Familie und der Freunde jetzt auf dem Facebook-Post ruhen. „Vielleicht meldet sich der Mann ja doch noch oder wird darauf aufmerksam gemacht“, sagt die Bekannte von Selina H.. Das Unglücksopfer wäre am 11. August 27 Jahre alt geworden.