Solingen: Freispruch im Messerattacken-Prozess 

Solingen / Wuppertal : Freispruch im Messerattacken-Prozess

Die Richter urteilten, der Angeklagte habe zurecht die Notwehr überschritten.

(dilo) Im erneuten Prozess um eine gefährliche Messerattacke unter Schwägern hat das Landgericht den 28 Jahre alten Angeklagten aus Solingen freigesprochen.

Die Wuppertaler Richter urteilten, bei der Tat im November 2016 in einem Walder Parkhaus habe sich der Familienvater zurecht gegen schwere Beleidigungen verteidigt. Er habe gegenüber dem körperlich überlegenen und zwei Jahre jüngeren Opfer die Notwehr nur überschritten, weil er sich extrem fürchtete und weil er wegen psychischer Erkrankung keinen Ausweg sah. Die Landeskasse muss dem 28-Jährigen die Anwaltskosten ersetzen und ihn für zehn Monate Untersuchungshaft entschädigen.

Das Gericht hatte den Fall neu zu verhandeln, nachdem ein erstes Urteil geplatzt war. Laut Feststellungen waren die Schwäger zufällig nach Familieneinkäufen aufeinandergetroffen.

Der Jüngere habe den Angeklagten wieder und wieder beleidigt und herausgefordert, ein Messer heraus zu holen. Dabei habe er die Szene noch mit seinem Handy gefilmt. Schließlich habe der Angeklagte angegriffen. Der Jüngere erlitt schwere Verletzungen. Vor Gericht räumte er ein: „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er das macht“.

Die Männer liegen seit Jahren im Streit und haben sich mehrfach gegenseitig angezeigt. Im ersten Prozess hatte das Landgericht zwei Jahre Bewährungsstrafe wegen Körperverletzung verhängt und die Untersuchungshaft des 28-Jährigen beendet. Das Fazit der Richter: „Wir glauben, dass es reicht“. Dieses Urteil kippte, nachdem es der Geschädigte angegriffen hatte. Der Bundesgerichtshof stellte fest, dass Notwehr möglich war, ordnete eine neue Verhandlung an und legte dem jüngeren Schwager einen geschätzt vierstelligen Euro-Betrag an Gerichtskosten auf.

Das Gesetz lässt Angeklagte straffrei, wenn sie aus „Verwirrung, Furcht oder Schrecken“ die Notwehr überschreiten. Das Landgericht folgte im Fall des 28-Jährigen einem Psychiater: Es gebe keinen Zweifel daran. Der Geschädigte erschien nur für seine Zeugenaussage. Auf seinen Anwalt verzichtete er.