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Solingen: Frauen und Geld - zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Commerzbank : Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die Commerzbank will Solinger Kundinnen stärker zur finanziellen Unabhängigkeit verhelfen.

„Bis 1962“, blickt Kerstin Dahl zurück, „brauchten Frauen die Zustimmung ihres Mannes zur Kontoeröffnung. Das hat mich echt zum Schmunzeln gebracht.“ Das Traurige: Rund zwei Generationen später ist die finanzielle Unabhängigkeit für viele immer noch nicht erreicht. Dahl, die seit 33 Jahren für die Commerzbank arbeitet (seit 2012 in Solingen), verweist auf die niedrigeren Einkommen der Frauen: „Deshalb liegt ihr Anteil am Spar- und Depotvolumen in der Niederlassung Wuppertal nur bei jeweils 42 Prozent.“

Nach der Jahrtausendwende hatte die Commerzbank bereits eine Kampagne „Money – made by Women“ gestartet. „Seitdem hat sich nicht viel geändert“, kommentiert Kerstin Dahl. Das hat eine Umfrage im Auftrag der Bank ergeben, an der sich gut 1600 Frauen in Deutschland beteiligten. 100 der 18- bis 64-jährigen Befragten leben in Nordrhein-Westfalen.

Einige Ergebnisse aus NRW: Für 73 Prozent der Teilnehmerinnen ist die finanzielle Unabhängigkeit äußerst oder sehr wichtig. Trotzdem haben nur neun Prozent ein großes Interesse am Thema Finanzen und Geldanlagen, 22 Prozent kreuzten „trifft eher zu“ an. Für kompetent in Geldfragen halten sich gerade sieben Prozent der Frauen (16 Prozent „trifft eher zu“).

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Als ausreichend oder sogar sehr gut versorgt fürs Alter schätzen sich 36 Prozent der Befragten ein. Jede zehnte der Frauen gab dagegen „überhaupt nicht versorgt“ an. „Beim Thema Altersversorgung merkt man bei allen Kunden Unsicherheit“, sagt die Senior Private Banking Beraterin. „Bei den Frauen ist sie aber noch ein Stück weiter ausgeprägt.“ Die Solinger Commerzbank will deshalb die Kundschaft „aufrütteln“ und „auf Augenhöhe“ beraten.

„Nach der letzten Entscheidung der Europäischen Zentralbank haben wir verstärkt Anfragen nach Beratungsgesprächen“, erläutert Direktor Michael Hosters. Auf Solinger Commerzbank-Sparbüchern liegen zum einen 130 Millionen Euro, die mit 0,01 Prozent verzinst werden. Zum anderen will er diejenigen ermutigen, die noch gar nicht vorsorgen: „Es ist wichtig, rechtzeitig anzufangen. Das geht auch schon mit kleinen Beträgen.“ „Es gibt keine richtige oder falsche Anlage, sondern nur eine, die zu den Zielen und der Mentalität des Anlegers passt“, betont Hosters. So seien Frauen zurückhaltender, ließen schon einmal „einen Börsensprung aus“. Nur 23 Prozent aller Anlagen im Bereich der Wuppertaler Niederlassung (die zu zwei Dritteln von Männern gehalten werden) seien chancenorientiert. Gefragt seien ökologische und nachhaltige Anlagen.

„Wenn man in einer Partnerschaft lebt“, empfiehlt Kerstin Dahl, „sollten beide zum Beratungsgespräch kommen“. Sie weist auf mögliche Probleme bei einer Scheidung oder dem Tod des männlichen Partners hin. Ein Tipp der stellvertretenden Abteilungsdirektorin: „Auf den (Ehe)Partner ist kein Verlass!“ Ein anderer: Weil Frauen länger leben, könnten sie langfristig mehr Risiken eingehen.

Die Commerzbank hat an ihren beiden Solinger Standorten in der City und in Ohligs 27 Beschäftigte, davon 21 Frauen. Bei den rund 29.000 Kunden liegt der Frauenanteil bei 47 Prozent. Ob beide Filialen erhalten bleiben, soll sich im nächsten Jahr entscheiden.