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Solingen fordert die Hilfe der Bundespolizei an - Inzidenz jetzt bei 194

Inzidenz jetzt bei 194 : Solingen fordert die Hilfe der Bundespolizei an

Erstmals seit August sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus wieder zwei Todesopfer zu beklagen. Die Gesamtzahlen erreichen neue Höchststände. Die Stadt hofft auf Unterstützung. Weitere Verschärfungen sind möglich.

Das Coronavirus breitet sich in Solingen weiter aus. Wie die Stadt am Freitag mitgeteilt hat, ist die Sieben-Tage-Inzidenz mittlerweile auf einen Wert von rund 194 Fällen je 100.000 Einwohner während der vergangenen sieben Tage gestiegen. Und auch die Zahl der Todesopfer unter den Infizierten hat sich – zum ersten Mal seit August – wieder erhöht. So starben seit Donnerstag im Klinikum sowie im Altenzentrum Bethanien zwei ältere Patienten, wodurch die Zahl der an oder mit dem Virus Verstorbenen nun bei 15 Personen liegt. Aktuell sind in Solingen 399 Menschen nachgewiesen infiziert – 42 mehr als am Vortag.

Die Stadt selbst reagierte derweil ein weiteres Mal auf die Entwicklung der zurückliegenden Tage und richtete am Freitag einen Hilferuf an den Bund. So sollen demnächst Beamte der Bundespolizei helfen, das Infektionsgeschehen in Solingen zu kontrollieren, und zum Beispiel zusammen mit dem Ordnungsdienst die Einhaltung der Corona-Regeln überwachen.

„Wir haben das Angebot von Kanzlerin Merkel gerne aufgegriffen und ein Amtshilfeersuchen an Polizei und Bundespolizei über die Bezirksregierung Düsseldorf adressiert“, sagte eine Sprecherin der Stadt auf Anfrage. Ob und gegebenenfalls wann mit der Verstärkung zu rechnen sei, stehe allerdings noch nicht fest.

Denn schon in den ersten Reaktionen der angesprochen Behörden habe sich gezeigt, dass „vor der Umsetzung des Angebotes zahlreiche ungeklärte Rechtsfragen des Staatsaufbaus, der Zuständigkeit und des Dienstweges stehen, die von den verschiedenen Behörden offenbar anders beurteilt werden als von der Kanzlerin“, so die Rathaus-Sprecherin.

Im Klartext: Bis auf Weiteres bleibt vollkommen unklar, zu welchem Zeitpunkt die insgesamt sechs angeforderten Bundespolizisten vor Ort unterstützen dürfen. Wobei die Stadt ihre eigene Haltung am Freitag unmissverständlich deutlich machte und einen Appell an die zuständigen Stellen richtete. „Die Notwendigkeit ist da. Die Stadt braucht jetzt ausgebildete Vollzugskräfte, um die permanente Präsenz im Stadtbild gewährleisten zu können“, unterstrich die Sprecherin den Ernst der Lage.

Parallel beschwor Ordnungs- und Rechtsdezernent Jan Welzel (CDU) die Bevölkerung noch einmal eindringlich, die geltenden Regeln einzuhalten. „Die aktuelle Zahl von Neuinfektionen muss uns alle beunruhigen. Da das Ansteckungsgeschehen nicht zuletzt in Familien und im privaten Umfeld stattfindet, haben wir es in der Hand, zur Eindämmung beizutragen“, sagte Welzel. So müssten weiter Abstände gehalten, Hygienregeln beachtet und Kontakte vermieden werden. Jan Welzel: „Laden Sie weniger Gäste nach Hause ein als sonst. Verschieben Sie größere Feiern auf bessere Zeiten.“

Ansosten könnten in den kommenden Tagen, sollte sich die Situation nicht verbessern, zusätzliche Einschränkungen auf die Solinger zukommen – ergänzend zu den bereits bestehenden Maßnahmen wie Maskenpflicht an belebten Orten und Sperrstunden in Gaststätten. „Es wird diskutiert, den privaten Sportbetrieb einzuschränken oder auch die Zahl der Gäste zu reglementieren, die die Solinger in ihren vier Wänden empfangen, so wie andere Städte das bereits vollzogen haben“, umriss Dezernent Welzel mögliche weitere Schritte.

Tatsächlich gestaltet sich das Infektionsgeschehen nach wie vor diffus. Laut Stadt gibt es keinen einzelnen großen Infektionsherd, sondern Übertragungen in Familien, Freundeskreisen und Sportvereinen. Zeitgleich betonte das Rathaus am Freitag aber auch, Herr des Geschehens zu sein. Quarantäne-Überwachung und Verfolgung von Kontakten funktionierten.