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Solingen: Fehlender Brandschutz - Ukraine-Flüchtlinge müssen Hotel verlassen

Stadt ordnete Räumung an : Darum wurden Ukraine-Flüchtlinge in Solingen ausquartiert

Seit wenigen Tagen sind rund 80 Geflüchtete aus der Ukraine im Hotel „In der Straßen“ in Oberburg untergebracht. Weil die Auflagen zum Brandschutz nicht erfüllt sind, müssen 58 von ihnen wieder ausziehen.

Ein kleines Mädchen hatte sich am Freitagmorgen an ein Klavier im ehemaligen Hotel „In der Straßen“ in Oberburg gesetzt. Und während die Erwachsenen in der Nähe über die weitere Vorgehensweise diskutierten, ließ sich die vielleicht Fünfjährige nicht aus der Ruhe bringen. Gekonnt bediente das Mädchen die Tasten des Klaviers, sodass es fast den Anschein hatte, als habe das Kind für einen Moment die Welt um sich herum vergessen.

Aber das geht natürlich nicht, weswegen sich das Mädchen später doch wieder von seinem Klavier trennen musste. Denn mittlerweile hatten die Erwachsenen entschieden, dass sich das Kind und alle anderen ukrainischen Flüchtlinge nicht mehr länger in dem Hotel aufhalten durften, das von Besitzer Andreas Heibach sowie zahlreichen Helfern in den vergangenen Tagen zu einer provisorischen Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert worden war.

Aus Gründen des fehlenden Brandschutzes begann die Stadt Solingen am Freitagnachmittag damit, das Haus „In der Straßen“ zu räumen und die knapp 60 Menschen – darunter zumeist Frauen und Kinder – mit Hilfe der Feuerwehr in andere Unterkünfte zu bringen. Zuvor hatten Beamte aus verschiedenen Abteilungen der Verwaltung in dem Gebäude nämlich so gravierende Mängel festgestellt, dass ein weiterer Verbleib der Flüchtlinge in dem historischen Gebäude nicht länger zu vertreten war.

 Am Freitagnachmittag transportierte die Feuerwehr die vor dem Krieg geflohenen Menschen in neue Unterkünfte.
Am Freitagnachmittag transportierte die Feuerwehr die vor dem Krieg geflohenen Menschen in neue Unterkünfte. Foto: Peter Meuter
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Am frühen Freitagabend war die Verlegung von 58 Geflüchteten abgeschlossen. 54 von ihnen waren zum Roten Esel in Wald gebracht worden, vier Personen kamen privat unter. Sämtliche Personen, die im Hotel „In der Straßen“ untergebracht waren, sind jetzt beim Stadtdienst Soziales gemeldet und registriert.

Inwieweit das ehemalige Hotel in Zukunft doch wieder als Flüchtlingsunterkunft genutzt werden kann und die jetzt ausquartierten Ukrainer gegebenenfalls sogar zurückkehren dürfen, bleibt zunächst abzuwarten. So kündigte Besitzer Heibach am Freitag an, umgehend sicherheitsrelevante Umbauten vornehmen zu lassen. Denn immerhin, so Heibach, sei es den Menschen zuletzt in ihrer Gruppe zum ersten Mal möglich gewesen, die traumatischen Erfahrungen von Krieg und Flucht wenigstens ein bisschen hinter sich zu lassen.

 Besitzer Andreas Heibach informierte am Freitagmorgen Stadtsprecherin Sabine Rische über die Situation im Gebäude.
Besitzer Andreas Heibach informierte am Freitagmorgen Stadtsprecherin Sabine Rische über die Situation im Gebäude. Foto: Peter Meuter

Um die verzweifelte Situation der in Solingen gestrandeten Ukrainer weiß auch die Stadt. Darum betonte eine Rathaus-Sprecherin noch vor der Verlegung, Familien sollten unter keinen Umständen getrennt werden. Und auch sonst bemühe man sich, die Menschen gemeinsam unterzubringen. Gleichzeitig ließ die Sprecherin aber keinen Zweifel daran, dass es zu einer Umquartierung der Flüchtlinge keine Alternative gebe. „Es handelt sich nicht um einen bürokratischen Akt, sondern es geht  um die Sicherheit und das Leben der Menschen“, sagte die Sprecherin, die ferner unterstrich, es sei das gemeinsame Anliegen von Helfern und Verwaltung, die beste Lösung zu finden.

Das betonte auch Andreas Heibach: „Wir wollen den Menschen einfach beistehen“. Dennoch wurde von ihm und den anderen Helfern durchaus Kritik an der Stadt geäußert. So wurde beispielsweise bemängelt, die Kontaktaufnahme und die Kommunikation mit der Stadt habe lange überhaupt nicht funktioniert.

Ein Eindruck, den die Verantwortlichen im Rathaus partiell sogar teilten. Dennoch wies die Stadt am Freitag Vorwürfe zurück, sie habe über die Köpfe der Helfer und vor allem über die der Flüchtlinge hinweg gehandelt. So habe man bereits seit Tagen versucht, Kontakt zu Andreas Heibach aufzubauen, um die Situation zu besprechen und zu lösen. Doch sei Heibach kaum zu erreichen gewesen, hieß es aus dem Rathaus.

Tatsächlich, so die Stadt weiter, habe Andreas Heibach immer gewusst, dass das Haus „In der Straßen“ nicht zur Aufnahme von Flüchtlingen geeignet sei. In dem Objekt herrschten gravierende Brandschutzmängel, die schon im Jahr 2008 gutachterlich dokumentiert worden seien. Darum sei damals für den Hoteltrakt auch eine Nutzungsuntersagung durch die Bauaufsicht erfolgt. Wobei die Verwaltung davon ausgeht, dass einzig eine Kernsanierung das Gebäude wieder sicher machen würde. Im jetzigen Zustand komme es hingegen einer regelrechten „Feuerfalle“ gleich, aus der es im Notfall keine Rettung gebe.

Es sei unter allen Umständen seine Pflicht, für die Einhaltung der Sicherheitsbestimmungen zu sorgen, sagte der zuständige Dezernent Jan Welzel am Freitag. Und deshalb könne er es auch „nicht verantworten, Menschen in diesem Gebäude unterzubringen, die aus einem Kriegsgebiet geflohen sind, um eine sichere Unterkunft zu finden.“