Solingen: Europa Service und Starcar kooperieren

Europa Service und Starcar kooperieren : Autovermieter unter einem Dach

Die beiden letzten großen mittelständischen Autovermietungen, Europa Service aus Solingen und Starcar aus Hamburg, arbeiten ab sofort zusammen – und trotzen damit dem Trend der Marktkonzentration.

Die beiden letzten, großen mittelständischen deutschen Autovermieter, Europa Service mit Sitz in Solingen und Starcar aus Hamburg, arbeiten ab sofort unter einem Dach zusammen. Die Europa Service Holding AG übernimmt dafür die Mehrheit an der Starcar GmbH. Die geschäftsführenden Gesellschafter von Starcar, Maik Grabow und Tobias Höpfner, ­erhalten im Gegenzug Aktienpakete der Europa Service Holding AG und bleiben weiter in der Geschäftsführung. Der Vorstandsvorsitzende der Europa Service, Jens E. Hilgerloh, und das Vorstandsmitglied von Europa Service, Markus Hoff, rücken zudem in die Geschäftsführung von Starcar auf und wollen hier das einbringen, was Europa Service besonders gut kann: den Einkauf von Fahrzeugen.

Hilgerloh bezeichnet im Gespräch mit unserer Redaktion den Zusammenschluss mit Starcar „als größten und wichtigsten Schachzug seit Gründung der Aktiengesellschaft im Jahr 1997“. Die Verhandlungen hätten mehr als ein Jahr gedauert. „Unser Vertriebssystem heißt nun Starcar. Wir haben vor, ein bundesweites Starcar-Netz aufzubauen“, ergänzt Hilgerloh.

Starcar verfügt zurzeit über 32 Filialen und ist auch in einigen Großstädten Nordrhein-Westfalens wie in Köln vertreten. Erklärtes Ziel des Vorstandsvorsitzenden von Europa Service ist es, bundesweit rund 100 Stationen dieser Autovermietung aufzubauen. „Mit den Lizenznehmern von Europa Service werden wir schnell 60 bis 70 Stationen bekommen“, sagt Jens E. Hilgerloh.

Die „Ehe“ von Europa Service und Starcar hat handfeste Gründe. „So verhindern wir zum einen eine weitere Marktkonzentration der großen Fünf – Sixt, Europcar, Enterprise, Hertz, Avis – zugunsten fairer Mietpreise bei dennoch gutem Service. Zum anderen wollen wir die Vielzahl an leistungsbereiten und flexiblen, regionalen Autovermietern unter einer starken Marke vereinen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Europa Service.

Auch die Starcar-Geschäftsführer Tobias Höpfner und Maik Grabow sehen große Vorteile durch die Vereinigung. „Damit bündeln wir die Kernkompetenzen von Europa Service als Einkaufsorganisation und Mobilitätsanbieter im B2B-Geschäft und die Kernkompetenzen von Starcar als Autovermieter im Privat- und Firmenkundengeschäft mit starker Endmarke“, sagt Höpfner. „Für die kleinen und mittelständischen Lizenznehmer der Europa Service werden wir als Dachorganisation ganz neue Möglichkeiten durch unseren Zusammenschluss entwickeln, um sie in ihrem Geschäft beispielsweise als Lizenznehmer der Marke Starcar zu unterstützen“, erklärt Maik Grabow.

Der Zusammenschluss von Europa Service und Starcar war letztlich alternativlos, zumal in der Autovermietungsbranche neue Mobilitätskonzepte, Start-ups und innovative digitale Technologien den Druck auf die kleineren Autovermieter erhöhte. „Die technologischen Entwicklungen in unserer Branche sind rasant. Gemeinsam mit Europa Service können wir nun in diesen Bereichen angreifen und nachhaltige digitale Strategien entwickeln und zügig auf die Straße bringen“, betont Maik Grabow.

Durch Bündelungseffekte im Einkauf, dem Vermietungsgeschäft, der Infrastruktur, den Services und vielen anderen Bereichen neue Renditepotenziale heben, weiter wachsen und neue Jobs schaffen – für Starcar-Geschäftsführer Tobias Höpfner ist auch all das mit dem Zusammenschluss eng verbunden.

Immerhin: Mit insgesamt rund 1330 Mitarbeitern, einer Bilanz­summe von fast 200 Millionen Euro und über 15.000 Fahrzeugen, die jährlich für den deutschen Markt eingekauft werden, kommen beide Unternehmen auf eine stattliche Größe. Europa Service alleine hat bisher 9000 Pkw und Lkw in diesem Jahr für über 300 mittelständische Autovermieter in Deutschland eingekauft. Europaweit ­waren es 23.000 Fahrzeuge für 1400 Vermietungsstationen.

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