Solingen: Entscheidung über Jugendherberge steht weiter aus

Neubau würde zehn bis 15 Millionen Euro kosten : Solingen weiter im Rennen um Jugendherberge

Ende September 2018 war endgültig Schluss. Die Jugendherberge in Oberburg, die im Laufe des Jahres 2018 nur noch knapp 8000 Besucher zählte, schloss ihre Pforten.

Sie war nicht mehr zeitgemäß, hatte einen hohen Sanierungsbedarf. Betriebswirtschaftlich hätte sich auch eine Reduzierung der Bettenzahl von 118 auf 60 nicht gerechnet. Was ohnehin auch eine Millionen-Investition erfordert hätte.

Die Stadt Solingen steht seit gut 15 Monaten ohne Jugendherberge da, zumal bereits zuvor die Herberge in Gräfrath an die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) verkauft worden war. Von daher hatten sich die klingenstädtische Verwaltungsspitze mit Oberbürgermeister Tim Kurzbach und Stadtdirektor Hartmut Hoferichter, aber unter anderem auch der Bundestagsabgeordnete Jürgen Hardt vehement für den Erhalt der Burger Jugendherberge eingesetzt. Immerhin: Ein Alternativstandort auf dem Sportplatzgelände in Oberburg wurde für einen Neubau von der Stadt Solingen vorgeschlagen.

Eingegangen auf dieses Angebot ist das „Jugendherbergswerk – Landesverband Rheinland“ und dessen Geschäftsführer Oliver Mirring aber bislang nicht. Denn der Landesverband hat im Rahmen einer Zukunftsstrategie eine Projektgruppe eingesetzt, die das Bergische Land auch unter touristischen Gesichtspunkten unter die Lupe nimmt. Geklärt werden soll in diesem Zusammenhang auch die Frage, was ein Gast in Zukunft von einer Jugendherberge erwartet. „Es ist noch keine Entscheidung gefallen“, sagt Oliver Mirring im Gespräch mit unserer Redaktion.

Die soll aber im Laufe dieses Jahres getroffen werden, zumal der Landesverband nächstes Jahr das 100-jährige Bestehen feiert und bis dahin Klarheit über den zukünftigen Kurs haben will. Klar ist laut Oliver Mirring: „Es wird eine Jugendherberge im Bereich der drei bergischen Großstädte geben – beziehungsweise sie wird bleiben“, sagt Mirring. Letzteres Zitat bezieht sich auf die Jugendherberge in Wuppertal, die allerdings auch renoviert werden müsste. „Wir brauchen eine Jugendherberge, die 365 Tage attraktiv ist“, betont der Geschäftsführer des Jugendherbergwerks im Landesverbandes Rheinland. Und er ergänzt: „Wir brauchen 30.000 Übernachtungen im Jahr.“ Diese hohe Zahl hatten in den guten Jahren die Herbergen in Gräfrath und in Burg zusammen.

Ein Neubau würde gleichwohl mit zehn bis 15 Millionen Euro zu Buche schlagen. „Wir haben derzeit 33 Häuser im Bestand. Von daher rechnen wir mit hohen Millionenbeträgen für Investitionen in Renovierungen, Sanierungen und auch Neubauten“, sagt Oliver Mirring. Darüber werde im Verband intensiv diskutiert. Geld in die Kasse bringen könnte der Verkauf der bisherigen Jugendherberge in Oberburg. „Wir stehen hier kurz vor dem Abschluss“, zeigt sich der Geschäftsführer zuversichtlich.

Während ein Neubau in Remscheid unwahrscheinlich ist, bleibt Solingen mithin zusammen mit Wuppertal weiterhin im Rennen, wenn es darum geht, einen neuen Standort für eine Jugendherberge in der Region des Städtedreiecks zu finden. Das bestätigt neben Oliver Mirring auch Stadtdirektor Hartmut Hoferichter: „Wir stehen regelmäßig mit dem Landesverband im Gespräch“, so Hoferichter. In wenigen Tagen ist ein weiterer Gesprächstermin anberaumt. Hoferichter: „Ich bin zuversichtlich, dass wir in nächster Zeit ausführlich über die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sprechen können.“