Solingen: Eltern kritisieren den Mangel an OGS-Plätzen

Offener Ganztag : Zu wenig Plätze im Offenen Ganztag

Eltern beklagen Engpässe in Solingen. Sie haben eine Online-Petition gestartet – mit mehr als 300 Unterschriften in wenigen Tage.

Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist eine Forderung, mit der Politiker gut punkten können. Ihr sollen auch der Ausbau der U3-Betreuung und die Einrichtung von Betriebs-Kindergärten Rechnung tragen – ebenso wie die Offene Ganztagsschule (OGS). Letztere jedoch fristet – so scheint es – in der öffentlichen Diskussion eher ein Schattendasein. Dabei ist der Bedarf augenscheinlich groß: Nach Angaben der Verwaltung besuchen derzeit 2309 Kinder den Ganztag an den Grundschulen der Klingenstadt und der Erika-Rothstein-Förderschule – plus 777 Kinder, die von sonstigen Betreuungsangeboten profitieren.

Ausreichend versorgt sind die Solinger damit aber nicht: 188 Schüler bekamen im laufenden Schuljahr trotz Anmeldung keinen OGS-Platz – Tendenz steigend. „Diese Familien müssen dann die Betreuung privat organisieren“, sagt Christiane Backendorf, Mutter eines Erstklässlers an der Südstraße.

Seit Jahren werde der Ausbau des Angebots vernachlässigt, beklagt sie – und geht in die Offensive: Die Differenz zwischen Bedarf und vorhandenen Plätzen werde jedes Jahr größer, heißt es in einem Schreiben, das Backendorf und andere Eltern an Politik, Verwaltung und OGS-Träger richteten. Darin kritisieren sie auch, dass die Stadt für das kommende Schuljahr nur eine weitere Ganztags-Gruppe eingerichtet hat, obwohl nach ihren eigenen Erkenntnissen zusätzlich eigentlich 15 bis 20 benötigt würden. Zugleich führen die Eltern zahlreiche Argumente für einen verstärkten OGS-Ausbau auf: So drohe Solingen ein „Imageverlust als familienfreundliche Stadt“ – was auch das Werben um Zuzügler und Unternehmen erschweren könne.

Ende April startete Backendorf mit anderen Eltern die Online-Petition „Mensch, Solingen ! OGS-Plätze für alle Kinder“ an Oberbürgermeister Tim Kurzbach. Darin enthalten sind auch Ideen zur Lösung des Problems: Außerschulische Kooperationen mit Sportvereinen und Wohlfahrtsverbänden gehören ebenso dazu wie eine flexiblere Handhabung der Betreuung. So könnten sich mehrere Kinder je nach Bedarf tageweise einen Platz teilen.

Das sei jedoch unzulässig, wendet die Solinger Stadtverwaltung mit Verweis auf die Bezirksregierung ein. Ein „OGS-Platz-Sharing“ lasse sich mit pädagogischer Kontinutität nicht vereinbaren. Gezielte Aus- und Neubauten für den Offenen Ganztag scheitern wiederum – wenig überraschend – am Geld. Stattdessen sollen vorhandene Räume „multifunktional“ genutzt werden, also für regulären Unterricht und OGS.

Die Grundschulen an der Schützen- und der Katternberger Straße proben das derzeit. Zudem soll es im kommenden Schuljahr an vier Schulen neue Gruppen in der Übermittagsbetreuung geben, die im Vergleich zur Offenen Ganztagsschule aber kürzer andauert, keine Hausaufgabenbetreuung und kein Mittagessen beinhaltet.

Grundsätzlich sei es „vorstellbar, dass künftig ein bis zwei zusätzliche Gruppen pro Jahr eingerichtet werden könnten“, betont die Stadtverwaltung – allerdings mit dem Zusatz: „Wenn die finanziellen Rahmenbedingungen dies zulassen“. Verwaltung und politische Mandatsträger seien einem öffentlichen Druck ausgesetzt, der Reaktionen erfordere, ist in einer städtischen Informationsvorlage vom März dieses Jahres zu lesen.

Druck will auch Christiane Backendorf weiter ausüben. Ihre Petition fand binnen weniger Tage mehr als 300 Unterstützer.