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Solingen: Eine letzte Ruhestätte für Kinder

Sternenkinderfeld in Solingen : Eine letzte Ruhestätte für Kinder

Ein neuer Gedenkstein auf dem vor fast einem Jahr eröffneten Sternenkinderfeld an der Hackhauser Straße gibt Eltern, die ihre totgeborenen Kinder nicht bestatten konnten, einen Platz zum Trauern.

Hinter dem ruhigen Flackern der Grablichter auf der mit Sternen verzierten Steinplatte verbergen sich viel Kummer und Leid junger Eltern. Es lässt den Betrachter an Paare denken, die voller Enthusiasmus der Geburt ihres Kindes entgegensahen, seine Entwicklung im Mutterleib voller Hingabe verfolgten, ihren Alltag auf den erwarteten neuen Erdenbürger ausrichteten – und ihren Nachwuchs letztlich verloren, bevor sie ihn überhaupt in die Arme schließen konnten.

Wer eine Fehlgeburt erleben musste, dem blieb in der Vergangenheit kein Ort zum Trauern. Auf dem katholischen Friedhof an der Hackhauser Straße ist das nun anders: Vor fast exakt einem Jahr eröffnete die Pfarrgemeinde St. Sebastian dort ihr „Sternenkinderfeld“. Eine idyllische Fläche rund um eine raumgreifende Rotbuche ist seither die letzte Ruhestätte für Kinder, die vor, während oder kurz nach ihrer Geburt starben. An sie erinnern eine neben den Gräbern aufragende Stele – und ein ovaler Stein mit der Inschrift: „Du kamst, Du gingst mit leiser Spur, ein flüchtiger Gast im Erdenland. Woher? Wohin? Wir wissen nur: Aus Gottes Hand in Gottes Hand.“

Einige Meter davor liegt seit Oktober die neue Gedenkplatte – die einmal mehr das Unternehmen Grabmale Globisch spendete: Auf ihr können nun auch jene Eltern Kerzen abstellen, die keine Möglichkeit hatten, ihre im Mutterleib verstorbenen Kinder richtig beizusetzen. „Frauen hatten unseren leitenden Pfarrer Meinrad Funke auf dieses Thema angesprochen“, berichtet Friedhofsverwalterin Birgit Di Gaetano, die mit dem Sternenkinderfeld eine Anregung ihres Vorgängers Walter Hock weitergeführt und umgesetzt hatte. Geholfen hatten bei den Arbeiten an der Anlage unter anderem auch die Pfadfinder vom Stamm der Tenkterer und ein Netzwerk um Hebamme Raica Vermeegen.

Finanziert wird das Feld, das für Menschen aller Religionen offen ist, über Spenden. Die Betroffenen, daran ließ die Gemeinde von Anfang an keinen Zweifel, sollen für die Grabstellen nichts zahlen müssen. Fünf Familien, die ihren Nachwuchs auf dem Feld bestatteten, betreut die Gemeinde aktuell – unter anderem durch seelsorgerische Gespräche und gemeinsame Aktivitäten. Die sollen zur festen Institution werden, wie Di Gaetano betont: „Wir sind dabei, eine Trauergruppe zu installieren.“ Die Schicksale der Betroffenen und die Kinder, die nie das Licht der Welt erblicken durften, rückt die Gemeinde St. Sebastian rund ein Jahr nach der Eröffnung des Feldes in den Mittelpunkt: Am 13. Dezember beteiligt sie sich am „weltweiten Kerzenleuchten“, einem globalen Gedenktag für verstorbene Kinder – mit einer speziell gestalteten Messe in der Kirche St. Joseph und einem anschließendem Treffen auf dem Friedhof.