Solingen: Ein weiterer Schritt hin in richtung UNESCO-Weltkulturerbe

Müngstener Brücke : Der Zug rollt in Richtung Welterbe

Die Bemühungen des Bergischen Städtedreiecks und anderer Beteiligten, die Müngstener Brücke als Weltkulturerbe einzutragen, sind einen Schritt weiter.

Cem Özdemir, der kürzlich mit der Schärfsten Klinge ausgezeichnet wurde, unterstützt die Bewerbung, die Müngstener Brücke als UNESCO-Weltkulturerbe einzutragen. „Ich hoffe, die Bewerbung ist erfolgreich“, erklärte der Bundestagsabgeordnete jüngst bei seinem Besuch in der Klingenstadt.

Am Donnerstag und Freitag dieser Woche ist das Bewerbungsverfahren jedenfalls wieder einen Schritt weitergekommen: Bei einem zweitägigen Kongress in Moulàres und Saint Flour in Frankreich sowie dem gleichzeitigen Besuch der beiden Partnerbrücken Garabit Viaduct und Viaduct du Viaur trafen sich Vertreter aller Kommunen und Bahn-Unternehmen, um das weitere Vorgehen für die UNESCO-Bewerbung zu beraten.

Zusammen mit zwei Brücken aus Frankreich, zwei Brücken aus Portugal und einer Brücke aus Italien bewirbt sich die Müngstener Brücke bei der UNESCO als serielles, transnationales Weltkulturerbe. Alle sechs Großbogenbrücken wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut und gelten aufgrund ihrer Konstruktion als herausragende Beispiele der Ingenieurbaukunst.

Der Eintrag von Deutschlands höchster Eisenbahnbrücke in die Welterbe-Liste verspricht insbesondere weiteren touristischen Zulauf – und damit auch eine Stärkung für Hotels und Gastronomie.

Doch der Weg zur Aufnahme in die Welterbe-Liste ist noch weit. Immerhin:  Beim jetzt dritten gemeinsamen Kongress in Frankreich – nach dem Startschuss 2017 in Müngsten sowie dem Treffen in Porto 2018 – hat jetzt auch die französische Bahngesellschaft (SNCF) das gemeinsame Memorandum unterzeichnet. Die Deutsche Bahn sowie die italienische Bahngesellschaft (RFI) hatten bereits in Porto ihre Unterschrift geleistet. Es fehlt noch die portugiesische Bahn. Deren Unterschrift soll spätestens beim nächsten Kongress erfolgen, der für 2020 in Italien geplant ist.

„Das Verfahren kommt sehr gut voran“, lobt Remscheids Technischer Beigeordneter Peter Heinze. „Ich bin begeistert darüber, wie weit wir seit dem Kongress in Porto schon wieder gekommen sind.“ Als Dezernent für Stadtentwicklung ist Heinze auf Remscheider Seite für die Bewerbung der Müngstener Brücke zuständig. Heinze führte die bergische Delegation beim Kongress in Frankreich an.

Zu dieser zählten zudem Solingens Bezirksbürgermeister Axel Birkenbeul (Burg/Höhscheid), Wuppertals Technischer Beigeordneter Frank Meyer sowie Carsten Zimmermann, Leiter strategische Planung im Solinger Rathaus, als Internationaler Projektleiter für die UNESCO-Bewerbung.

Heinze sieht vor allem durch die gemeinsame Bewerbung der bergischen Großstädte sowie von der Zusammenarbeit mit den internationalen Partner ein großartiges Signal ausgehen. „Nachdem wir beim letzten Workshop in Solingen im Februar dieses Jahres eine Arbeitsstruktur für unser UNESCO-Vorhaben vereinbart haben, platzieren wir unsere Bewerbung nun gezielt in den zuständigen Ministerien der beteiligten vier Länder“, kündigte Carsten Zimmermann  an.

Dazu sei in Frankreich ein Brief formuliert worden, den die Oberbürgermeister und Bürgermeister aller Städte sowie die Bahn-Unternehmen unterzeichnet haben. Zimmermann: „Darin stellen wir Grund und Ziel unserer Bewerbung vor und bitten die Ministerien um deren Unterstützung.“

Die Deutsche Bahn als Eigentümer der Müngstener Brücke unterstützt das Bewerbungsverfahren von Anfang an und ist zuversichtlich: „Wir sehen große Chancen in diesem Verfahren – nicht nur, um die bedeutenden Brücken ins rechte Licht zu rücken, sondern auch, um gerade in der heutigen Zeit Brücken innerhalb von Europa zu schlagen“, stellt der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bah AG für NRW, Werner Lübberink, heraus.

Acht bis zehn Jahre wird es wohl noch dauern, bis das Bewerbungsverfahren durchlaufen ist. Gesprochen wurden in Frankreich auch Finanzierungsfragen. Sponsoren und Unterstützer sollen akquiriert werden. Überlegt wird derzeit auch, für das Steuerungsverfahren eine Stiftung zu gründen. „Fest steht, dass wir einen langen Atem benötigen werden“, sagt Carsten Zimmermann.

Für Oberbürgermeister Tim Kurzbach ist aber klar: „Nur zwei Jahre nach dem Startschuss mit dem ersten Brücken-Kongress bei uns in Müngsten ist der Zug ,Welterbe-Bewerbung‘ so richtig in Fahrt gekommen – und Solingen und das Bergische Land bilden dabei die Lokomotive.“

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