Solingen: Ehemalige Obdachlosenunterkünfte stehen zum Verkauf

Städtische Häuser : Zwei Schandflecken verschwinden

Die Stadt verkauft Häuser an der Focher Straße in Wald sowie der Scharrenberger Straße in Ohligs und empfiehlt Abriss sowie Neubau. In den Gebäuden lebten zuletzt Asylbewerber und Flüchtlinge sowie Obdachlose.

Nicht nur die Nachbarn wird es freuen: Zahlreiche Interessenten möchten zwei Häuser kaufen, die von der Stadt nicht länger benötigt werden. In ihnen lebten zuletzt Asylbewerber und Flüchtlinge sowie Obdachlose. Der Zustand der Immobilien ist so schlecht, dass die Stadt den Abriss empfiehlt und die nötigen Kosten bereits bei der Ermittlung des Verkehrswerts eingerechnet hat. Am Dienstag lief die Angebotsfrist für das Gebäude Focher Straße 75-77 ab – am 2. April endet sie für das Haus Scharrenberger Straße 31.

An der Focher Straße, etwas oberhalb des neuen Hallenbades, ließ die Stadt 1959 eine Unterkunft für Spätheimkehrer und Heimatvertriebene bauen. „In den 80er Jahren erfolgte eine Grundrenovierung. Danach wurden hier zunächst Spätaussiedler, ab den frühen 90ern bosnische Flüchtlinge und ab Mitte der 90er Asylbewerber und Flüchtlinge untergebracht“, erläutert Birgit Wenning von der städtischen Pressestelle. „Ende 2015 wurde das Objekt aufgegeben.“

Für die Immobilie gibt es ein halbes Dutzend Angebote, denn das gut 2500 Quadratmeter große Grundstück ist attraktiv. Es grenzt an den Grünzug, der von der Schlagbaumer Straße bis zur Frankenstraße reicht, und darf auch im hinteren Teil bebaut werden. „Uns liegt ein positiver Bauvorbescheid vor“, erklärt Klaus Möhn vom Gebäudemanagement der Stadt. „Das Grundstück kann bis in eine Tiefe von 50 Metern bebaut werden.“ Im hinteren Teil ist ein zwei- bis dreigeschossiger Baukörper in einer Größe von etwa 14 mal 25 Metern möglich. 395.000 Euro soll die gut angebundene Immobilie in der Nähe des Schulzentrums und diverser Einkaufsmöglichkeiten mindestens bringen.

Deutlich günstiger ist die ehemalige Obdachlosen-Unterkunft an der Ecke von Scharrenberger Straße und Neptunstraße zu haben. Ihr Verkehrswert liegt bei 115.000 Euro. Auch in diesem Fall empfiehlt die Stadt den Abriss der „Einfachstwohnungen“ aus dem Jahr 1955 – und wünscht sich, dass der Käufer auf dem 451 Quadratmeter großen Areal „standortgerecht preiswerten Mietwohnraum“ schafft. „Es gibt Fördermittel des Landes“, sagt Sachgebietsleiter Klaus Möhn. Der Stadtdienst Wohnen berate gerne, wie man sie beantragt.

Um preiswerten Wohnraum geht es der Stadt auch bei einem dritten Gebäude, für das die Angebotsfrist ebenfalls am 2. April abläuft. Das 1906 entstandene Haus Junkerstraße 7 hatte die Stadt Ende der 1980er Jahre mit Fördermitteln des Landes gekauft und hergerichtet, um Flüchtlinge unterzubringen. Ab 2016 sollte es dann laut Pressestelle als Obdachlosenunterkunft genutzt werden. Wenning: „Eine Sanierung stellte sich jedoch als nicht wirtschaftlich heraus.“ Trotzdem hält die Verwaltung das Objekt, anders als die beiden jüngeren, für erhaltenswert – und verlangt mindestens 55.000 Euro für das Gebäude, das auf einem etwa 240 Quadratmeter großen Grundstück steht.

Wie beim geplanten Neubau an der Scharrenberger Straße muss sich auch der Erwerber des Merscheider Hauses dem sozialen Wohnungsbau verpflichten.

Das schreckt Interessenten aber offenbar nicht ab. „Die Nachfrage ist exorbitant“, berichtet Sachgebietsleiter Klaus Möhn von rund 20 Besichtigungsterminen. „Das ist ein richtiger Hype.“

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