Dermanostic in Solingen Hybride Hautarztpraxis stellt Erstdiagnose per App

Solingen · Am Samstag, 26. August, feiert eine ganz besondere Hautarztpraxis in Solingen ihre Einweihung: Es ist die nach eigenen Angaben erste hybride Arztpraxis. Hier erfolgt die erste Diagnose erst einmal via App.

Solingen: Hautarztpraxis hilft Patienten via App​
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Hautarztpraxis hilft Patienten via App

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Foto: Dermanostic GmbH/dermanostic

Wer hier mit Allergien ärztliche Hilfe sucht, betritt zunächst einmal ein wahrhaft fürstliches Entree: Die neue Hautarztpraxis, die vor zwei Wochen im ehemaligen Amtsgericht Ohligs ihren Betrieb aufgenommen hat, hat sich in traumhaft schön ausgestatteten Räumen angesiedelt. Eigentümer Mirko Novakovic hat sie für einen sechsstelligen Betrag in enger Abstimmung mit dem Solinger Amt für Denkmalschutz minimalistisch-elegant ausstatten lassen und lässt damit den alten Relikten des 1895 erbauten Gebäudes wie etwa den mosaikartigen Fliesen, Türbögen und Fenstern genügend Raum für ihren ganz eigenen Auftritt.

Hier eröffnen Estefania und Patrick Lang jetzt eine so genannte hybride Hautarztpraxis, in der konventionelle Diagnose und Behandlung mit modernen Techniken verknüpft werden. Das Solinger Mediziner-Ehepaar gehört nämlich mit Alice und Ole Martin zugleich zu einem Team von vier Ärzten, die in Düsseldorf das Start-up „Dermanostic“ gegründet haben.

Herzstück dieses Start-ups ist eine App, also ein kleines Programm, mit dem Patienten einen Hautarzt auch via Smartphone konsultieren können. Dazu müssen Betroffene drei Fotos von ihrer Hautveränderung anfertigen und einen Fragebogen ausfüllen. Innerhalb von 24 Stunden versprechen die Betreiber eine Rückmeldung in Form eines Arztbriefes mit Diagnose sowie Therapieempfehlung. Auch E-Rezepte sind über die App erhältlich.

„Der Gedanke war, eine Effizienzveränderung im Gesundheitssystem herbeizuführen“, sagt Mitgründer Patrick Lang. Oft müssen Patienten auf Termine bei Hautärzten lange warten. Oft kommen noch lange Verweilzeiten im Wartezimmer hinzu. Tatsächlich verweisen andere ortsansässige Hautärzte im Internet darauf, dass es durch Notfälle „schon einmal zu Verzögerungen kommen“ kann. Das Problem ist also allerorten geläufig.

Doch ist es möglich, eine Diagnose wirklich über von Laien angefertigte, womöglich qualitativ minderwertige Fotos treffen zu können? „Ja, das können wir wirklich“, sagt Patrick Lang. Seit 2018 sei dies in Deutschland erlaubt, in anderen Ländern gebe es bereits gute Erfahrungen damit. „92 Prozent unserer Patienten können wir vollständig digital behandeln“, fügt der Mediziner hinzu. Seit 2020 waren es insgesamt 180.000.

In den restlichen Fällen sind eine weitere Abklärung und womöglich eine Blutabnahme oder Operation vor Ort vonnöten. Dazu hat nun die Praxis im Ohligser Amtsgericht eröffnet: Hier sollen alle weiteren Untersuchungen und Behandlungen vorgenommen werden, die via App nicht möglich sind.

Allerdings kann die App deutschlandweit angewendet werden. Und um auch Patienten in anderen Regionen einen ähnlichen Service zu bieten, haben die Mediziner von Dermanostic ein deutschlandweites Netz von bislang 300 Ärzten gestrickt, an die sie kritische Fälle weiterempfehlen und die mit Dermanostic kooperieren. Außerdem suchen die App-Betreiber nach Kooperationsmöglichkeiten mit Krankenhäusern. Unter anderem arbeite man bereits mit dem Sana-Klinikum in Remscheid zusammen.

Nicht alle Kassen zahlen die Dienstleistung von Dermanostic. Auch dieses Netz soll noch erweitert werden. Bislang übernehmen lediglich einige Betriebskrankenkassen sowie Viactiv und seit April dieses Jahres die Barmer die Kosten. „Wohnzimmer statt Wartezimmer“, mit diesem Slogan wirbt die Barmer für den Service: Mit der Videosprechstunde in der Teledoktor-App können Patienten „in wenigen Minuten eine Krankschreibung und ein E-Rezept erhalten. Außerdem können sie Hautsymptome checken lassen oder sich vor wichtigen OPs eine Zweitmeinung einholen.“ Auch die Krankenkasse Viactiv ist überzeugt: „Viele Betroffene lassen ihren ersten Verdacht nicht von einem Hautarzt abklären, weil sie im Schnitt bis zu 38 Tage auf einen Termin warten müssen. Die Hautarzt-App Dermanostic ist eine einfache und zeitgemäße Lösung. Studien zeigen, dass rund 90 Prozent aller Hauterkrankungen zuverlässig mit Bild-Text-Verfahren diagnostiziert werden können. Die Bildqualität einer herkömmlichen Smartphone-Kamera ist dazu völlig ausreichend.“ Ist der Patient nicht Mitglied in einer dieser Kassen, muss er 25 Euro zahlen, das ist unter anderem via Paypal oder Kreditkarte möglich.

Mit Anmietung der gesamten Fläche des ehemaligen Ohligser Amtsgerichts von immerhin 1000 Quadratmetern zieht Dermanostic nun auch seine Standorte zusammen. Das App-Team wird von Düsseldorf nach Solingen verlagert. 14 Fachärzte gehören mittlerweile dazu, die via Smartphone Diagnosen erstellen. Sie müssen eigens Prüfungen ablegen, um bei Dermanostic dabei zu sein, versichert Lang. Wichtig sei es nun nur noch, die Patienten „an das Digitale“ zu gewöhnen: „Wir wollen als junge, moderne Ärzte in Deutschland etwas bewegen.“

Das Solinger Ärzteehepaar Estefania und Patrick Lang hat seine Praxis im ehemaligen Ohligser Amtsgericht. Seit zwei Wochen läuft der Betrieb, die Eröffnung wird Samstag, 26. August, gefeiert.

Das Solinger Ärzteehepaar Estefania und Patrick Lang hat seine Praxis im ehemaligen Ohligser Amtsgericht. Seit zwei Wochen läuft der Betrieb, die Eröffnung wird Samstag, 26. August, gefeiert.

Foto: Patrycia Lukas

Was andere in der Klingenstadt ansässige Ärzte darüber denken, war nicht in Erfahrung zu bringen: Keine der Anfragen unserer Redaktion dazu wurde beantwortet. „Leider geben wir keine Interviews“, hieß es lediglich aus einer einzigen Praxis.