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Solingen: Dürpelfest-Projektleiterin richtet Blick nach vorne

Interview : Nach dem Dürpel ist vor dem Dürpel

Die Dürpelfest-Projektleiterin und ISG-Geschäftsführerin richtet den Blick schon wieder auf künftige Feste – und die Aufwertung der Ohligser Innenstadt.

Wenn das Dürpelfest vorüber ist, gehen die Gäste naturgemäß schnell zum Alltag über. Wie sehen aber die Tage danach für die Veranstalter aus ?

Göllmann Bis 4 Uhr am Montagmorgen sind wir immer erst einmal mit dem Nachtabbau beschäftigt. Der verbleibende Müllberg wird tagsüber vom Umweltdienst Greco beseitigt. Mittags kamen dann in diesem Jahr die Technischen Betriebe hinzu. Die vielen Zigarrettenkippen und Kleinteile kriegen wir mit unseren Möglichkeiten sonst nicht so gut weg. Und dann folgt die Abnahme: Die Stadt möchte wissen, ob alles in Ordnung ist, möglicherweise große Fahrgeschäfte Ölspuren hinterlassen haben.

Und war alles in Ordnung ?

Göllmann Diesmal ist alles gut gelaufen, es gab zwei Sachen nachzuarbeiten. Das haben wir mit unseren Mitteln geschafft. Dann fällt man erst einmal in ein kleines Loch, weil nach dem ganzen Tohuwabohu plötzlich Ruhe einkehrt. Sehr schön ist es aber, sich im Nachgang mit den sozialen Netzwerken zu beschäftigen. Es gab in diesem Jahr unheimlich viele tolle Rückmeldungen und Lob von allen Seiten für das Orga-Team und die OWG (Ohligser Werbe- und Interessengemeinschaft, die Redaktion) als Veranstalter. Wir haben offenbar vieles richtig gemacht. Die Zusammenarbeit mit Frauke Pohlmann und Christoph Fuhrmann hat wieder wunderbar geklappt. Bei den vielen ehrenamtlichen Helfern möchte ich mich wieder herzlich bedanken.

Welche Effekte hat die Kampagne zur gezielten Müllvermeidung gezeigt? Sind weniger Trinkbecher liegengeblieben als bisher?

Göllmann Zu den Bechern kann ich noch nichts Abschließendes sagen. Ich habe ganz viele Stände gefragt, und die hatten ihren Bestand komplett zurück. Ob es Verluste gibt, kriegen wir nach und nach mit. Viele Becher, die auf dem Boden lagen, wurden gerettet. Ich gehe davon aus, dass der Verlust kleiner ist als in den letzten Jahren. Schon bestätigt ist, dass die Müllmenge von 4,8 Tonnen im Vorjahr auf 4,1 Tonnen gesunken ist.

Wie gehen Sie diesen ökologischen Weg in den nächsten Jahren weiter?

Göllmann Ich habe schon Pläne, aber die müssen durchgerechnet werden. Wenn wir Becher und auch künftig Mehrweg-Geschirr wiederhaben wollen, brauchen wir ein funktionierendes Pfandsystem. Zudem würde ich gerne für das Mehrweg-Geschirr Spülmaschinen einsetzen.

Hat man Sie schon auf die angekündigte Gebührenerhöhung für die Imbiss- und Getränkestände im nächsten Jahr angesprochen?

Göllmann Natürlich. Wir machen in einer Nachbesprechung transparent, wie wir finanziell aufgestellt sind. Es ist sehr wichtig, Rücklagen zu bilden, gerade im Hinblick auf mögliche Schadensfälle. Wir sind darauf angewiesen, dass jeder unsere Problematik versteht.

Wie schnell muss man wieder in die Planung für das nächste Dürpelfest rein?

Göllmann Nach dem Dürpel ist vor dem Dürpel. Die ersten Bands bewerben sich schon. Es gab Verschiebungen bei den Standbetreibern. Zwei hören aus Altersgründen auf. Einer will seinen Stand umorganisieren. Da gilt es, Bewerbungslisten anschauen, zu überlegen, was sich aus den Neuerungen ergibt. Wir denken verschiedene konzeptionelle Ansätze durch. Zudem müssen wir auf die Beschwerde von Bewohnern über zu viel Wildpinkeln eingehen und versuchen, das noch besser zu unterbinden – zum Beispiel durch zusätzliche „Pinkelpilze“.

Zum Thema Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) - welche wichtigen Termine stehen an?

Göllmann Vom 1. Juli bis 4. August findet der Zukunfts-Campus statt. Im leeren Ladenlokal an der Forststraße 1a, in das im Oktober ein neuer Mieter einziehen wird, bieten wir im besagten Zeitraum täglich Veranstaltungen an. Das Programm veröffentlichen wir in den nächsten Tagen. Die Stadt Solingen, Dienstleister sowie Gründer- und Technologiezentrum sind beteiligt. Die Vorträge behandeln die veränderte Handelsstruktur, die Verkehrswende in der Innenstadt und Ideen zum Teilen von Wissen und Ressourcen sowie Künstliche Intelligenz und Digitalisierung.

Wie steht es um die Gestaltung der Ohligser Innenstadt?

Göllmann Wir sind gerade am Thema „konsumfreie Zonen“ dran. Die brachliegende ehemalige Spielfläche hinter dem Durchgang zwischen Düsseldorfer Straße 15 und 17 würden wir gern zur grünen Oase umgestalten. Ein weiteres Ziel ist die Belebung des Hauses, in dem früher das Admiral-Spielcasino beheimatet war. Es gab ein Gespräch mit dem Eigentümer. Er wäre bereit, zu investieren, wenn es langfristige Perspektiven gibt. Zur Nutzung werde ich ein Konzept erstellen. Das Haus würde sich sehr gut als Standort für ein Jugendcafé und bezahlbaren Wohnraum, etwa für Uni-Pendler, eignen. Eigentlich sind die Maßnahmen der ISG darauf ausgelegt, keine Baustelle zu haben. Aber Stadt, Land und Bund haben sich entschieden, in den nächsten zwei Jahren den Marktplatz und die Düsseldorfer Straße herzurichten. Dementsprechend werde ich ein Baustellenkonzept erstellen und eine öffentliche Anlaufstelle für Informationen einrichten.