Solingen: Dreharbeiten zu historischem Dreiteiler "Unsere wunderbaren Jahre" auf Schloss Burg

Dreharbeiten zu historischem Dreiteiler in Solingen : ARD dreht auf Schloss Burg

Mehrteiler über die Nachkriegszeit. Jörg Schönenborn betont, Geschichte biete Orientierung.

Britische Flaggen hängen aus den Fenstern des Bergfrieds, ein kleines Militärlager ist im Innenhof aufgebaut. Das ist ein Teil der Kulisse aus der Zeit der britischen Besatzung 1948, zu der Schloss Burg für fünf Tage seit Montag geworden ist. Gestern bat der WDR zum Pressetermin und stellte den Mehrteiler „Unsere wunderbaren Jahre“ vor. Ein großer, ungefähr 50-köpfiger Journalisten-Tross war erschienen. Kein Wunder: Der Mehrteiler, den die ARD Degeto zusammen mit Ufa Fiction produziert, ist mit Stars gespickt. Katja Riemann und Anna Maria Mühe gehören zu den Größen des deutschen Films, ihre männlichen Kollegen Thomas Sarbacher und Hans-Jochen Wagner nicht minder. Das Schauspieler-Team stand auch für Fotos und Interviews zur Verfügung.

Auf der Treppe zum Rittersaal begrüßte zunächst WDR-Programmdirektor Jörg Schönenborn die Presse. Der in Solingen geborene und aufgewachsene Journalist hatte daran sichtlich Freude. „Ich habe mir immer schon einmal gewünscht, so auf Schloss Burg zu stehen.“ Alena Jelinek von Ufa Fiction erklärte, man drehe fünf Tage im und vor dem Schloss. Noch bis zum 23. Juli laufe die gesamte Produktion.

Dann wird Jelinek plötzlich unterbrochen. „Ruhe. Wir drehen.“ In der Kemenate wird eine Verhörszene gedreht. Licht kommt dazu von außen. Riesige Scheinwerfer wurden dazu mit einer Hebebühne vor die Fenster gehoben. Nach 30 Sekunden heißt es auch schon: „Danke. Aus.“ In die Kemenate dürfe man nicht schauen, damit man das Set – die Kulisse und die Requisiten – nicht durch den Massenandrang zerstöre. Jelinek erklärt, das Solinger Schloss sei ideal als Drehort, hier finde man alles. Zwar spiele die Geschichte in Altena, zwar habe diese Stadt auch eine Burg, aber die dichten Terminkalender der Schauspieler hätten einen Dreh dort nicht möglich gemacht.

Für den Autor der Romanvorlage, Peter Prange, der selbst aus der Stadt im Sauerland stammt, offensichtlich kein Problem. Er ist glücklich, dass sein Stoff verfilmt wird. Der Roman behandelt den Aufstieg der Familie Wolf und ihrer Firma „Vereinigte Metallwerke Altena“. Dies in drei Zeitabschnitten. Teil eins geht von 1948, dem Start der D-Mark-Einführung, bis 1953. Das Wirtschaftswunder nahm Fahrt auf. 1967 bis 1973 behandle der zweite Teil, der dritte Teil 1989 vom Mauerfall bis ins Jahr 2001. Das Ende bilde die Einführung des Euro. Die „wunderbaren Jahre“ sind auf die Zeit bis 1953 konzentriert.

Für Schönenborn kommt der Mehrteiler genau zum richtigen Zeitpunkt. „Das Projekt hat große strategische Bedeutung für den WDR.“ Man startet gerade eine Programmoffensive. Im Gespräch erläutert er dies. Man stehe in großer Konkurrenz in der Medienlandschaft. Da setze man drei- bis viermal im Jahr auf hochwertige Höhepunkte. Für die Nachkriegsgeschichte investiere allein der WDR fünf Millionen Euro. Wie hoch das Gesamtbudget von Ufa und weiteren ARD-Anstalten ist, das sei ein Vertragsgeheimnis.

Doch Geschichte, weiß der TV-Mann, läuft heute gut. In einer immer komplizierteren Welt fragten sich viele, woher man eigentlich komme. Die Zeit nach der Befreiung von den Nazis und der Aufbau der Bundesrepublik biete da einen guten Anker, sich historisch zu orientieren.

Prange liefert in seinem Roman dazu keine reine Fiktion. Aus seiner Biografie und Erinnerung hat er das echte Altena einfließen lassen. So etwa den Gründer der Schuhhaus-Kette Klauser – seinen Onkel. Im Mehrteiler taucht er als Benno Krasemann auf.

In einem Trailer sahen die Journalisten noch, wie der Film gemacht ist. Intensiv sind die Dialoge, vielschichtig das Spiel, aufwendig die Kulissen. Aber es ist kein heiteres Stück. Einer aus der Familie Wolf ist vielleicht ein Kriegsverbrecher. Dazu wurden die Verhörszenen gedreht. Am 16. und 17. Juli kommt das Team nochmals ins Schloss. Ein Schützenfest von 1948 mit 200 Komparsen im Innenhof wird gedreht.

Für den Schlossbauverein als Vermieter ist das ein gutes Geschäft, bestätigt Klaus Hinger vom Vorstand. „Das ist schon toll für die Burg und gute Reklame.“ Im perfekt durchgetakteten Pressetermin nehmen im Rittersaal dann die Schauspieler auf Bänken Platz. Zeit für Fragen. Wie ihr die Burg gefalle, will jemand von Katja Riemann wissen. Sie sei heute erstmals da, erzählt sie. Aber: „Es sieht super aus von außen.“ Anna Maria Mühe bekennt, die Kostüme – die Damen sehen alle aus wie die berühmten „Fräuleins“ – helfe dabei, sich in die Zeit und die Rollen einzufühlen. Das Ergebnis wird 2020 ausgestrahlt.

Mehr von RP ONLINE