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Solingen: Die Tanzschule kommt ins Wohnzimmer

Der etwas andere Unterricht in Corona-Zeiten : Die Tanzschule kommt ins Wohnzimmer

Um ihr Angebot trotz deutlich reduzierter Sozialkontakte aufrecht zu erhalten, improvisieren Tanzschulen wie Kai Koch und „Art of“ – und nutzen das virenfreie Internet.

Tanzen trainiert Körper und Geist, drückt Gefühle aus und bringt Menschen gesellig zusammen. Letzteres ist bekanntlich zur Zeit weniger gefragt. Doch dass man sich auch in den eigenen vier Wänden – vor dem Fernseher oder Computer – in Schwung halten kann, ist seit der Fernseh-Aerobic-Welle der frühen 80er Jahre hinlänglich bekannt.

So lassen sich auch Solinger Tanzlehrer nicht unterkriegen und unterrichten ganz kontaktfrei weiter – wie zum Beispiel Kai Koch: Während auf dem Parkett in seinem gleichnamigen Tanzzentrum an der Gasstraße Tristesse herrscht, dreht er von Zuhause aus Videos für seine Schüler. „Unser Wohnzimmer haben wir dafür leergeräumt“, erzählt er.

Dabei gehe es weniger darum, ganz neue Inhalte zu vermitteln. „Schließlich bekommen die Zuschauer ja kein direktes Feedback, ob die Schritte richtig sind.“ Vielmehr sollen die täglich gedrehten kurzen Filme – inzwischen mehr als 40 an der Zahl mit einer Länge zwischen 30 Sekunden und 15 Minuten – den Tänzern die Möglichkeit geben, bereits Erlerntes aufzufrischen. Das Ganze läuft über eine App, die Koch in Auftrag gegeben hat. Manche Kollegen unterrichteten immer zu einer bestimmten Zeit aus dem Chatroom, sagt er. Seine Schüler wiederum könnten sich freischalten, die Videos zu jeder gewünschten Zeit über Handy, PC oder Smart TV abrufen – und daheim gegen Stress und Sorgen antanzen.

Auch Arne und Svenja Kurzbach vom „Art of – Zentrum für Tanz und Gesundheit“ und ihr Dozenten-Team halten ihre Schüler durch Videos auf Trab. Das ist zweifellos aufwändig: „Zwei Stunden drehe ich für eine halbe Stunde Filmmaterial“, erzählt Arne Kurzbach. Die Videos will er auch auf Youtube veröffentlichen – und damit allen Interessierten zugänglich machen. Über sie sollen die Schüler Woche für Woche Fortschritte beim Erlernen einer Choreographie machen.

Und damit nicht genug: Denn auch die eigene Kreativität der Tanzschüler ist gefragt: Kurzbach hat zu einer „art of-Challenge“ aufgerufen. Dazu soll sich jeder Teilnehmer den geeigneten Platz in seinem privaten Umfeld suchen, sich bei Bedarf passend in Schale werfen und eine eigene Choreographie ausdenken. Zur Unterstützung stehen die Dozenten bereit, denen man das Erarbeitete per Whats App zusenden kann. „So etwas wollte ich eigentlich schon immer mal machen“, verrät Kurzbach.

Eine kleine Ballerina habe ihre Arbeit schon eingeschickt. Andere Kursteilnehmer müsse er noch motivieren. Jede Altersgruppe und jeder Tanzstil seien beim Wettstreit willkommen. Bis Mittwoch läuft dessen erste Runde. Die besten Videos sollen schließlich online zu sehen sein – und vielleicht weitere Tänzer inspirieren.

Wann die sich schließlich wieder Auge in Auge auf dem Parkett in den Tanzschulen gegenüberstehen können, ist bekanntlich offen. „Wir hoffen natürlich, dass es ab dem 20. April wieder weitergehen kann“, sagt wiederum Kai Koch. „Aber wir müssen natürlich sehen, wie die Krise läuft – und dann eventuell andere Wege gehen.“