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Solingen: Die Hasseldelle kämpft gegen Vorurteile

Wohnquartier : Hasseldelle kämpft gegen Vorurteile

Quartiersmanagerin Marina Lehnen und der Vorsitzende des Vereins „Wir in der Hasseldelle“, Hans-Peter Harbecke, heben die Vorzüge der Hasseldelle hervor. Das Wohnquartier habe zu Unrecht ein schlechtes Image.

Hans-Peter Harbecke wohnt gerne in der Hasseldelle. Seit 40 Jahren schon. Und auch Quartiersmanagerin Marina Lehnen sagt, „ich bin hier im Januar 2018 mit großer Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft“ empfangen worden. „Man trifft sich und grüßt sich auf der Straße“, ergänzt Lehnen, die im Wohnquartier auch Sozialarbeit für Geflüchtete leistet.

Aber ebenso wie Hans-Peter Harbecke, Vorsitzender des Vereins „Wir in der Hasseldelle“ und stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des Spar- und Bauvereins Solingen (SBV), hat Marina Lehnen schon oft erfahren müssen, dass die Hasseldelle einen schlechten Ruf hat. Dieses negative Image hat sich seit Jahrzehnten in den Köpfen vieler Solinger festgesetzt „und ist in keinster Weise gerechtfertigt“, sagen die Quartiersmanagerin und Harbecke. In den Köpfen vieler Solinger scheint sich jedoch ein Bild über die Hasseldelle zusammengesetzt zu haben, das nicht der Realität entspricht.

Verantwortlich für das schlechte Image könnten vor allem die „Bausünden der 1960er Jahre sein“, so Harbecke. In der 1971 fertiggestellten Siedlung fallen die hohen Häuser und zum Teil dunklen Schieferfassaden ins Auge und sind weithin sichtbar. „Der erste Eindruck von weiter weg ist sicher nicht der Beste“, räumt Hans-Peter Harbecke ein. Doch es lohne sich, genauer hinzuschauen.

Rund 2500 bis 3000 Menschen wohnen in der Hasseldelle. 54 Nationen sind vor Ort, Geflüchtete neben Vertriebenen, Europäer neben Asiaten und Afrikanern, Deutsche und Neudeutsche. „Daran stört sich bei uns keiner“, sagen Harbecke und Lehnen. Der schlechte Ruf hat sich aber außerhalb der Hasseldelle gleichwohl gehalten, weil die hohen Wohnhäuser auf viele erschreckend wirken. „Das war in den 1960er Jahren der Baustil – Urbanität durch Dichte“, sagt Marina Lehnen.

Leerstand ist in den rund 650 Wohnungen in der Hasseldelle gleichwohl kaum vorhanden, wenn, dann modernisierungsbedingt. Gut 200 Wohnungen bewirtschaftet hier der SBV, rund 450 Wohnungen Grand City Property. Dieses Unternehmen hat die früheren Häuser des Immobilienfonds Gagfa 2011 übernommen. „Sowohl der Spar- und Bauverein als auch Grand City Property haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die Wohnungen investiert“, lobt Hans-Peter Harbecke.

Gerade mit Blick auf die früheren Gagfa-Wohnungen. Hier standen vor der Übernahme durch Grand City Property über 200 Wohnungen leer. Neue Fenster, optische Verbesserungen und unter anderem auch Spielplatz-Erneuerungen ließen das Quartier wieder aufblühen. Aber auch Eigentumswohnungen und Bungalows sind neben den vielen Mietwohnungen in der Hasseldelle zu finden.

In Corona-Zeiten liegen derzeit zwar viele Projekte des Vereins und auch des Quartiersmanagements auf Eis. Gleichwohl wird jetzt für Kinder in den Sommerferien ein umfangreiches Bewegungsangebot auf dem Bolzplatz in der Hasseldelle angeboten, kündigt Marina Lehnen an. Aber auch Reisen für Senioren – in Normalzeiten beispielsweise jedes Jahr vier Bustouren für Senioren aus dem Quartier – gehören zum Angebot in der Hasseldelle, das mit dem genossenschaftlichen Beroma-Laden auch die Nahversorgung ermöglicht. „Der Dorfplatz ist Dreh- und Angelpunkt“, sagt die Quartiersmanagerin zum Platz vor dem Beroma-Laden an der Rolandstraße.

Ein Restaurant mit Biergarten und Kegelbahnen, ein Nachbarschaftstreff, eine Rundum-Unterstützung durch den Bürgerverein, Spielplätze für Kinder, kostenloses Mittagessen und Hausaufgabenhilfe für Schulkinder durch die Kinder- und Jugendabteilung des gemeinnützigen Vereins, Hilfe rund ums Haus durch „Aquaris“, Kinderbetreuung der Kleinsten duch das Familienzentrum Hasseldelle, eine sehr gut funktionierende Busverbindung, ein Raum für Jugendliche, die durch den Verein auch Zusammengehörigkeit erfahren – „wir haben hier vieles, was in anderen Siedlungen nicht zu finden ist“, sagt Hans-Peter Harbecke, „und obendrein eine gute Nachbarschaft“. Der deswegen vehement gegen das Vorurteil des schlechten Images der Hasseldelle eintritt. „Wir würden uns sehr freuen, wenn Besucher einmal vorbeikommen, sich hier umschauen und selbst ein Bild machen“, ergänzt Marina Lehnen.

Obendrein ist die Hasseldelle laut Harbecke auch „eine Insel im Grünen“, zumal Wanderwege, wie der Klingenpfad, direkt am Rande der Siedlung liegen: „Wir haben für alle Generationen etwas.“