Solingen: Die Firma Lutz Blades verlagert Firmensitz zum Piepersberg

Schneidwaren-Produktion in Solingen : Lutz feiert Richtfest am Piepersberg

Der Spezialist für Schneidwerkzeuge investiert einen zweistelligen Millionenbetrag in seine neue Firmenzentrale in Gräfrath. Jedes Jahr werden mehr als 100 Millionen Klingen hergestellt.

Das Gräfrather Familienunternehmen gehört zu den erfolgreichsten Firmen in Solingen. An die große Glocke gehängt haben die Inhaber das nie. Gestern Nachmittag machte der geschäftsführende Gesellschafter Alexander Lutz eine Ausnahme: Er lud Mitarbeiter, Geschäftspartner, künftige Nachbarn, Bauhandwerker und andere Gäste zum Richtfest ins Gewerbegebiet Piepersberg ein. In rund 200 Metern Luftlinie zum alten Firmensitz an der Wuppertaler Straße beginnt der fast 100 Jahre alte Schneidwarenspezialist eine neue Ära.

„Das ist kongenial, was die Firma für sich und die nächsten zwei Generationen macht“, lobte Frank Balkenhol, Chef der städtischen Wirtschaftsförderung, während Oberbürgermeister Tim Kurzbach die Leistung des Klingenproduzenten unterstrich. Die lässt sich künftig an dem Neubau ablesen: Bis Jahresende sollen nicht nur die gestern gefeierten Produktionshallen bezogen werden, auch der Verwaltungstrakt soll fertig sein. Er wird 2020 in Betrieb genommen.

Interesse an einem Grundstück bekundete Alexander Lutz direkt nach der Ausweisung des Gewerbegebiets. Wie das 17.300 Quadratmeter große Areal bebaut werden sollte, entschied man ab 2014 in einem Projektteam. „Wir haben immer wieder umgeplant“, blickt Lutz zurück. „Und jetzt machen wir den großen Sprung. Wir stellen uns dem globalen Wettbewerb; das geht nur durch Investitionen.“

Zurzeit sehe man nur die Hälfte der neuen Firmenzentrale: Auf dem noch freien Grundstücksteil werden später in Hybridbauweise die Büros entstehen – mit, wie der 56-jährige Inhaber sich freut, herrlichem Blick bis nach Düren und Aachen. Am alten Standort, wo die Gebäude in den Hang hineingebaut sind, gebe es keinen Platz mehr für weitere Schreibtische oder Maschinen.

Am Piepersberg wird die Fläche etwa zweieinhalbmal so groß sein. Für Produktion, Lager und Verwaltung sollen rund 12.000 Quadratmeter zur Verfügung stehen – und auch neue Arbeitsplätze geschaffen werden, wie Geschäftsführer Martin Wurth (44) bestätigt. Momentan hat Lutz in Gräfrath etwa 140 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist weiter auf Expansionskurs. „Als Werkzeughersteller sind wir in vielen Branchen unterwegs“, erklärt Alexander Lutz. „Zerteilen ist etwas Universelles. Das brauchen viele.“

Mehr als 100 Millionen Klingen werden jedes Jahr gefertigt. Künftig sollen sie auch noch stärker in afrikanische und asiatische Länder gehen. „Das sind Märkte, die wachsen“, blickt der Firmenchef nach vorne. „Wir werden mit allen anderen Anbietern verglichen und hängen an der positiven Beurteilung durch die Kunden. Da hilft unsere Expertise“ – die langjährige Erfahrung auf dem Weg von der Rasierklinge bis zum technischen Werkzeug. Der Exportanteil liegt zurzeit bei etwa 60 Prozent.

„Die Formen der Klingen werden von unseren Kunden bestimmt“, sagt Martin Wurth. „Wir arbeiten stetig daran, die Schneidleistung zu verbessern.“ Lutz Klingen zerteilen Folien und Fasern, werden in der Nahrungsmittelbranche ebenso gebraucht wie etwa bei Autobauern. Das Gräfrather Unternehmen arbeitet mit CNC-Technik und Rapid Prototyping und verspricht „seriennahe Muster innerhalb von Tagen“.

Das Gewerbegebiet Piepersberg ist mit dem Lutz-Neubau ausgereizt. Denn für das letzte noch freie Grundstück mit 678 Quadratmetern gebe es bereits einen Interessenten, erläutert Wirtschaftsförderer Balkenhol. Was aus dem alten Firmensitz des Klingenproduzenten Lutz wird, steht noch nicht fest.