Solingen: Die Firma Böker besteht seit 150 Jahren.

Firmenjubiläum in Solingen : Mit Leidenschaft von Hand gemacht

Sport- und Sammlermesser, Rasier- und Küchenmesser – die Manufaktur Böker feiert 150-jähriges Bestehen.

Im kleinen Museum des Schneidwarenunternehmens Böker auf dem Firmengelände an der Schützenstraße geht Barbier Selcuh Sahin ganz in seine Arbeit auf. Mit einem feuchten Tuch hat der Mitarbeiter des Barbershops Cologne dem Gast, der anlässlich des 150-jährigen Jubiläums von Böker am Montag zur Feier gekommen war, zunächst die Haut vorbereitet. Fachmännisch wird der Kunde schließlich mit einem Pinsel eingeseift, bevor Sahin dann mit einem Qualitäts-Rasiermesser von Böker im wahrsten Sinne des Wortes Hand anlegt und die Bartstoppeln abrasiert. „Männer sind bereit, für sich etwas zu tun und zu pflegen“, sagt Marco Mariano, der Inhaber des Barbershops Cologne.

Produktpräsentationen, Betriebsbesichtigungen und Attraktionen, so beispielsweise auch eine Fahrt im historischen Obus nach Schloss Burg – anlässlich des 150. Unternehmensjubiläums begrüßten Geschäftsführung und Mitarbeiter der Böker Manufaktur gestern mehr als 150 Besucher, Kunden und Lieferanten aus dem In- und Ausland an der Schützenstraße. Auch Oberbürgermeister Tim Kurzbach gratulierte Böker, das nach dem Zwillingswerk und dem Dreizackwerk eines der ältesten noch produzierenden Schneidwarenunternehmen in der Klingenstadt ist.

„Bökermesser sind innovativ, hochwertig und außergewöhnlich. Sie werden mit Leidenschaft von Hand gefertigt“, sagt Kirsten Schulz-Dalichow. Zusammen mit ihrem Bruder Carsten Felix-Dalichow und ihrem Vater Ernst-Wilhelm Felix-Dalichow führt die Ingenieurin die Geschäfte des 1869 gegründeten Unternehmens.

◁  Kevin Kirsten (Foto links) kocht das Holz zunächst weich und biegt es, damit es passend zum Griff verarbeitet werden kann. ▷  Geschäftsführer Kirsten Schulz-Dalichow präsentiert das Jubiläums-Messer. Foto: Meuter, Peter (pm)

Warum aber seit rund zehn Jahren das Rasiermessergeschäft wieder auflebt – bis zum Zweiten Weltkrieg stellte Böker Rasiermesser her, danach wurde dieses Geschäft sukzessive eingestellt – darauf hat Schulz-Dalichow auch keine schlüssige Antwort: „Wir sind von Kunden angesprochen worden, ob wir wieder Rasiermesser herstellen würden. Wir hatten nichts mehr – weder Mitarbeiter, die sich damit auskennen, noch Maschinen“, erläutert die Geschäftsführerin bei der Betriebsbesichtigung.

Doch Böker baute die Rasiermesserproduktion wieder auf. Handarbeit und viel Know how ist bei der Produktion gefragt, und der Trend für die Nassrasur mit Qualitätsprodukten made in Solingen hält an: „Wir kommen kaum nach mit der Produktion, wir liefern Rasiermesser nicht nur in Deutschland aus, sondern nach Europa, USA und unter anderem Russland“, freut sich Kirsten Schulz-Dalichow. Beflügelt wurde das Rasiermessergeschäft zudem vor einigen Jahren durch James Bond: Im Film „Skyfall“ streicht ein Bondgirl in prickelnder Atmosphäre ein Rasiermesser über die Kehle von 007.

Foto: Peter Meuter / Solingen , Schuetzenstrasse 30, 15 Jahre Böker Messer und Klingen, 06.05.2019. im Bild: Geschaeftsfuehrerin Dipl.-Ing. Kirsten Schulz-Dalichow praesentiert das 150 Jahre Jubiläum- Messer in der Produktion. Foto: Meuter, Peter (pm)

Rasiermesser und auch Küchenmesser bilden aber nur einen Teil des umfangreichen Sortiments von Böker, das sich im Verlauf der langen Firmengeschichte weltweit einen sehr guten Namen gemacht hat in Europa, und zum größten Hersteller von Sportmessern, Einsatzmessern und Sammlermessern entwickelt hat. 30 verschiedene Klingenstähle und 50 unterschiedliche Griffschalen setzt die Manufaktur Böker ein. „Jeder Griff wird einzeln hergestellt“, sagt die Geschäftsführerin mit Blick auf die unterschiedlichen Hölzer, das in kleinen Stämmen angeliefert und vor Ort an der Schützenstraße bearbeitet und zugeschnitten wird. Als eines der wenigen Unternehmen in Europa ist Böker zudem in der Lage, „hohl und flach zu schleifen“, sagt Kirsten Schulz-Dalichow.

Handarbeit ist in jedem Arbeitsschritt erforderlich, um die gewünschte Böker-Qualität zu erreichen: „Das Schärfen der Klinge ist der letzte Arbeitsgang – auch, um unsere Mitarbeiter zu schützen“, sagt Kirsten Schulz-Dalichow.

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