Solingen: Der Absatz von Elektro-Fahrzeugen schwächelt

Elektromobilität : E-Autos bislang kein Verkaufsschlager

Zu teuer, zu schwer und auch bei der Öko-Bilanz nicht nur gute Werte: Die Elektro-Mobilität hat sich auf den Straßen noch nicht durchgesetzt. Im City-Bereich können E-Fahrzeuge aber eine Alternative sein.

Eine Million Elektrofahrzeuge sollten 2020 über die Straßen rollen. Doch der Wunsch von Bundeskanzlerin Angela Merkel wird sich nicht erfüllen. „Nicht eine Million, höchstens rund 100.000 E-Autos“, sagt Ernst-Robert Nouvertné mit Blick auf die Zulassungszahlen. Ohnehin hat er die Zielvorgabe der Kanzlerin nie als realistisch angesehen. Allerdings geht der Ehren-Präsident des Kfz-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen davon aus, dass bis zum Jahr 2022 viele Hersteller E-Fahrzeuge auf den Markt bringen.

Vor allem Elektro-Fahrzeuge, die mit einer Reichweite von 100 bis 150 Kilometer unterwegs sind und sich überwiegend in der Stadt beziehungsweise auf der Kurzstrecke bewegen. „Für lange Strecken gibt es bessere Alternativen als die Elektro-Autos“, sagt Ernst-Robert Nouvertné und führt hier vor allem Hybrid-Autos, also Autos mit Elektro- und Verbrennungsmotor, als die wirtschaftlichste Variante an.

Dass Elektro-Fahrzeuge bislang kein Verkaufsschlager sind, liegt vor allem am zu hohen Preis der Autos und überdies am Gewicht der Batterien. „Gegenüber Autos mit Verbrennungsmotoren bringt die Batterie eines Elektro-Fahrzeuges mit einer Reichweite von 400 bis 500 Kilometern rund 600 Kilogramm mehr auf die Waage“, erklärt Nouvertné.

Gleichwohl scheint für die Politik die Elektromobilität in Zukunft alternativlos, will man die Klimaziele verwirklichen. Die Infrastruktur mit Ladestationen ist allerdings noch verbesserungswürdig. Und auch die hohen Preise schrecken potenzielle Käufer trotz staatlicher Kaufanreize weiter vom Kauf eines E-Autos ab. „Ein VW up als Benziner kostet 15.000 Euro. Die elektrische Variante aber 25.000 Euro“, rechnet Ernst-Robert Nouvertné vor. Er selbst fährt seit zwei Jahren diesen Kleinwagen mit Batterieantrieb. „Die Reichweite von 100 Kilometern reicht mir, wenn ich in Solingen unterwegs bin. Abends beziehungsweise über Nacht schließe ich das Fahrzeug dann an den Hausstrom an – morgens ist das Auto wieder aufgeladen“, sagt Nouvertné.

Elektro-Fahrzeuge, Hybrid-Autos oder aber Fahrzeuge mit Brennstoffzelle – welchem Konzept die Zukunft gehört, darüber gehen die Meinungen der einschlägigen Experten auseinander. China, dort gibt es eine große Autoindustrie, wollte eigentlich der globale Leitmarkt für Elektromobilität werden. Jetzt werden dort Wasserstoff-Brennstoffzellen mit in den Blick genommen. Sie seien sauberer und effizienter als Fahrzeuge, deren Energie aus Lithium-Ionen-Batterien kommt. Mit den Batterien verbunden sind auch Umweltprobleme. Sowohl beim Gewinnen der erforderlichen Schwermetalle als auch beim Entsorgen der giftigen Abfälle. Auf der anderen Seite sieht Nouvertné aber auch bei der Wasserstoff-Brennzelle negative Seiten. Wasserstoff herzustellen koste sehr viel Strom, auch der Transport von Wasserstoff sei nicht einfach.

Die Automobilbranche setzt aber auf Elektromobilität. Außerdem wird sie nicht unmaßgeblich vom Staat gefördert. „Die Hersteller investieren nicht Milliarden, wenn sie sich nicht auch Absatzchancen für diese Fahrzeuge ausrechnen“, sagt Ernst-Robert Nouvertné.

Was die automobile Zukunft bringt, darüber wird auch auf der Internationalen Automobil Ausstellung (IAA) vom 12. bis 22. September in Frankfurt informiert. „Einige Hersteller werden hier neue E-Autos präsentieren“, schätzt Nouvertné, „denn alle kämpfen um Marktanteile.“

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