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Solingen: Das Weihnachtsgeschäft nimmt Fahrt auf

Solingen : Das Weihnachtsgeschäft nimmt Fahrt auf

Kein Sonntagseinkauf beim Kaufhof. Aber bei den geöffneten Läden freuten sich die meisten Händler über einen guten Besuch. Viele Kunden aus Solingen und dem Umland nutzten die Einkaufsmöglichkeit am dritten Advent.

Am 17. Dezember 2017 durfte er noch nicht: Als die Läden am letzten verkaufsoffenen Sonntag des Jahres öffneten, blieben bei Thomas Pauli die Rollgitter unten. Lebensmittel waren vom Verkauf ausgeschlossen – so der Kompromiss, auf den sich die Stadt und die Gewerkschaft Verdi geeinigt hatten. „Alle dürfen wieder“, freute sich jetzt der Inhaber der Edeka-Filiale im „Hofgarten“. Für die Kunden waren diesmal rund 30 Mitarbeiter im Einsatz. „Alle sind freiwillig dabei“, betonte Pauli. „Ich hatte mehr Angebote, als ich eigentlich benötige.“

Im Einkaufszentrum waren gestern Morgen bereits die Reinigungskräfte angerückt, die sonst erst montags erscheinen. Auch zwei zusätzliche Sicherheitsmitarbeiter hatte Centermanager Ralf Lindl angefordert. Zahlreiche Kunden aus Solingen und dem Umland nutzten die Einkaufsmöglichkeit am dritten Advent. Noch mehr, so der Eindruck mancher Verkäuferin, hatten sich allerdings schon einen Tag vorher im „Hofgarten“ umgesehen.

Dafür war es auf dem Fronhof deutlich belebter als am Samstag. Da wehte ein eisiger Wind durch das vom Werbe- und Interessenring Innenstadt organisierte Weihnachtsdorf. Mit dem Schnee kamen gestern mildere Temperaturen. Dazu wärmten der Shantychor sowie Jane Eveland und Kenneth King die Herzen der Zuhörer nicht nur mit weihnachtlichen Liedern. Unter anderem war auch „Gimme Hope Jo’anna“ zu hören.

Wer gedacht hatte, dass die Musik – im übertragenen Sinne – vor allem im „Hofgarten“ spielen würde, der lag falsch. Zwar hatte man beim Kaufhof das große „Wir schließen“-Schild am Sonntag wörtlich genommen. Aber auch das Weihnachtsdorf auf dem Mühlenplatz, die Clemens-Galerien und P&C waren gut besucht. „Wir entwickeln den zweiten wichtigen Pol in der Stadt“, unterstrich Michael Borgmann. In den Clemens-Galerien habe sein Sportgeschäft eine deutlich bessere Kundenfrequenz als an der unteren Hauptstraße.

Borgmann war am Sonntag mit zwei weiteren Familienmitgliedern sowie zwölf Mitarbeitern angetreten: „Das sind starke Tage. Da müssen alle ran.“ Nicht vorrätige Artikel werden direkt per Internet geordert. „Das muss der Handel heute hinkriegen: die Kombination von stationärem Geschäft und Online-Angebot.“ Damit nicht alles bei den Internet-Riesen bestellt wird, legen sich die Mitglieder des Werbe- und Interessenrings Innenstadt besonders ins Zeug. „Wir wollen, dass die Innenstadt belebt wird“, betonte der Vorsitzende Detlef Ammann (Mode Partner). „Wir haben uns sehr angestrengt, und es funktioniert immer besser.“ Vor einem Jahr hatten die Händler noch eine mäßig besuchte Bahn zum Eisstockschießen auf dem Fronhof aufgebaut. Ammann: „Man muss nicht immer ans Geschäft denken. Durch den verkaufsoffenen Sonntag gewinnen wir aber auch neue Kunden.“ „Betriebswirtschaftlich bringt der verkaufsoffene Sonntag nicht viel“, sagten Berit und Bodo Franz (Heyderhoff). „Um die Weihnachtszeit machen wir aber mit. Vorteilhaft ist, dass es sich etwas entzerrt, dass man entspannter einkaufen kann.“

„Wichtig ist, dass man sich in Solingen treffen kann“, sagte Künstler Stefan Seeger, der auf dem Fronhof zur Aktion „Kiss the Frog“ einlud, während seine Freundin Sabine Stosch mit Kindern bastelte. „Es soll ein Familien-Einkaufssonntag sein“, schloss sich Waldemar Gluch an. Auch das Fotostudio Flic Flac hatte Termine für den Sonntag vergeben. „Das Weihnachtsgeschäft hat Fahrt aufgenommen“, sagte Rainer Gallus, Geschäftsführer des Handelsverbandes NRW – Rheinland. „Schon länger verlagern sich die Umsätze jedoch Richtung Feiertage.“