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Solingen: Das Galileum baut auf viele Unterstützer

Interview Dr. Frank Lungenstrass : Galileum baut auf viele Unterstützer

Trotz der zeitweisen Schließung durch die Corona-Pandemie hat das Solinger Planetarium die Besucherprognose im ersten Jahr seit seiner Eröffnung übertroffen. Wir haben mit Geschäftsführer Dr. Frank Lungenstrass gesprochen.

Gerade beschäftigte die Annäherung des Kometen Neowise Medien und Sternbeobachter, demnächst kommt mit den Perseiden der Sternschnuppenregen. Wie stark kann sich das Galileum derzeit solcher aktueller Themen annehmen?

Lungenstraß Grundsätzlich versuchen wir immer, auf aktuelle Themen einzugehen. In den Live-Teilen vor den Programmen haben wir uns mit dem Kometen befasst. Außerhalb der Corona-Zeit hätten wir vielleicht ein oder zwei Teleskope auf Stative auf dem Parkplatz aufgestellt. Das hätte diesmal nicht funktioniert, weil dann viele Menschen zu dicht beisammen gestanden hätten.Über Sternschnuppen gibt es zudem Sonderprogramme, die auch sehr gut laufen.

Wenn eine Einrichtung gut acht Monate nach ihrer Eröffnung eine dreimonatige Zwangspause einlegen muss, kommt das oft einem GAU gleich. Wie ist die Lage im Galileum?

Lungenstraß Wenn man von Corona absieht, eigentlich gut. Angepeilt hatten wir 20.000 bis 25.000 Besucher im Jahr. Schon im März waren wir bei gut 25.500 Besuchern angekommen. In den letzten zwei Wochen vor der Schließung und den ersten beiden Wochen nach der Wiedereröffnung Mitte Juni war die Nachfrage dann verhalten. Das Problem ist, dass wir hohe monatliche Verpflichtungen zu leisten haben. Somit haben uns die drei Monate der Schließung schon weh getan. Wir haben zwei bezahlte Mitarbeiter auf Honorarbasis. Sie wissen, dass ich sie im Moment nur relativ verhalten einsetzen kann.

Wie hat sich die Resonanz seit der Wiedereröffnung Mitte Juni entwickelt?

Lungenstraß Im Moment reden wir sicherlich mehr über Schadensbegrenzung als echten wirtschaftlichen Betrieb. Wir sind aber deutlich im Aufwind. Im Haus konnten wir eine getrennte Wegeführung einrichten, durch die sich die Besucher beim Betreten und Verlassen der Räume nicht in die Quere kommen. Inzwischen dürften wir das Planetarium sogar voll machen, worauf wir aber aus Sicherheitsgründen verzichten. Von unseren 84 Sitzplätzen sind ab dem nächsten Wochenende 50 und ab Ende August bis zu 60 verfügbar. So werden weiterhin Abstände eingehalten. Bis wir wieder in ein wirtschaftliches Fahrwasser kommen, wird es sicherlich 2021 werden. Aber wir sind in der Situation, dass auch die ersten Anmeldungen von Schulklassen wieder eingehen. Und von solchen Gruppenveranstaltungen lebt das Planetarium schließlich mindestens zur Hälfte. Klar ist: Wir werden in diesem Jahr nicht über 60 Personen gehen. Aus der selben Schule, oder besser, aus derselben Jahrgangsstufe, werden wir höchstens zwei Klassen pro Termin annehmen und getrennt platzieren.

Was gibt es im Herbst Neues?

Lungenstraß Wir versuchen, ein paar gesetzte Ziele für dieses Jahr noch zu erreichen. Im September haben wir eine Premiere, im Oktober zwei. Die großen Anbieter der Programme machen im Moment relativ gute Konditionen für die Häuser.

Was sind das für Programme?

Lungenstraß Am 3. September startet die Planetariums-Adaption von „Tabaluga und die Zeichen der Zeit“. Die Musikprogramme – insbesondere „Queen Heaven“ – laufen sehr gut, deshalb haben wir uns überlegt, eines für die ganze Familie zu zeigen. Am 3. Oktober gibt es das neue, sehr aufwändige Hauptprogramm „Planeten – Expedition ins Sonnensystem“. 14 Tage später beginnen wir dann mit der „Rettung der Sternenfee Mira“ für die Zielgruppe Vorschul- bis mittleres Grundschulalter. Das Programm wird gerade erst am Mediendom in Kiel produziert. Wir werden einer der Premierenanbieter sein und haben uns an den Produktionskosten beteiligt. Für die Zeit nach Weihnachten denken wir über ein weiteres Musikprogramm für Erwachsene nach. Zur Debatte steht auch ein Programm über Albert Einstein. Sie sehen: Wir lassen uns von Corona nicht abschrecken.

Wie steht es mit Raumvermietungen?

Lungenstraß Dieser Bereich zieht wieder ganz langsam an. Es gibt erste Firmen, die für ein überschaubar großes Meeting mit etwa 20 Personen einen großen Seminarraum brauchen, um die Abstände einhalten zu können. Auch Anfragen für kleine Weihnachtsfeiern und eine Buchung für einen Geburtstag mit einer gemäßigten Teilnehmerzahl gibt es inzwischen.

Nehmen wir einmal an, es käme im Herbst wegen drastisch steigender Infektionszahlen zum nächsten Stillstand – wie würde sich dieses Szenario auf das Haus auswirken?

Lungenstraß Das würden wir sicherlich nur sehr schwer überleben können. Zum Glück haben uns einige unserer Unterstützer in der schwierigen Zeit finanziell noch stärker beigestanden. Das hat uns sehr geholfen. Wenn wir noch einmal über mehrere Monate schließen müssten, würde es sehr unangenehm. Ich glaube allerdings nicht, dass es dazu kommt. Eher wird es immer wieder lokale Einschränkungen geben. Derzeit werden wir kein gedrucktes Veranstaltungsprogramm veröffentlichen und auch keines, das mehr als sechs Wochen im Voraus gilt. Wohl wissend, dass es ein nicht einfaches Winterhalbjahr werden wird, gucken wir aber relativ optimistisch in die Zukunft.