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Solingen: Creditreform rechnet bis Jahresende mit mehr Firmenpleiten

Wirtschaft im Bergischen Land : Zahl der Unternehmenspleiten nimmt zu

Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform rechnet bis zum Jahresende mit voraussichtlich mehr als 250 Insolvenzen im Großraum Solingen, Remscheid und Leverkusen. Es werden aber auch neue Betriebe gegründet.

Noch hält sich die Zahl der Unternehmenspleiten in Solingen, Remscheid und Leverkusen sowie in den umliegenden Städten wie unter anderem Wermelskirchen, Burscheid, Langenfeld und Monheim in Grenzen. Gerade einmal 94 Insolvenzen wurden für die ersten fünf Monate dieses Jahres von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform gezählt. Hochgerechnet auf das Jahr geht Geschäftsführer Ole Kirschner allerdings derzeit von 230 Firmenzusammenbrüchen bis zum Jahresende aus. „Wir sollten uns von den derzeitigen Zahlen nicht täuschen lassen. Wir müssen voraussichtlich mit viel mehr Insolvenzen rechnen. Da kommt noch was auf uns zu“, sagte Kirschner am Montag bei der Präsentation der Zahlen über Unternehmensneugründungen, Löschungen und Insolvenzen.

Denn im Zuge der Corona-Pandemie ist die Antragspflicht für Insolvenzen aktuell ausgesetzt. Allerdings nur für den Fall, dass das Coronavirus der Grund für die wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens ist. Erst am 30. September müssen Firmen wegen Zahlungsunfähigkeit wieder entsprechende Anträge stellen.

„Mit den wirtschaftlichen Unterstützungsmaßnahmen wie Corona-Hilfen, Steuerstundungen und Kurzarbeit halten sich viele Unternehmen zurzeit über Wasser, deren Existenzgrundlage akut gefährdet ist“, erklärte Creditreform-Geschäftsführer Ole Kirschner. Er geht in jedem Fall davon aus, dass der Jahreswert 2018 von 250 Insolvenzen deutlich überschritten wird. Konkret festlegen will sich Kirschner aber nicht.

Während in Burscheid und Wermelskirchen in den ersten fünf Monaten dieses Jahres keine Firmenpleiten zu verzeichnen waren, ist auch in der Klingenstadt eine unterdurchschnittliche Insolvenzhäufigkeit zu beobachten. Der Insolvenzindex liegt hier mit 0,73 deutlich unter 1. Eine überdurchschnittliche Insolvenzhäufigkeit weist dagegen Remscheid mit Index 1,76 auf. Mit dem Unternehmen Dovo Stahlwaren Bracht musste im April auch ein Solinger Traditionsunternehmen Insolvenzantrag stellen. „Durch die Firmeninsolvenzen in der Region dürfte in diesem Jahr bisher ein schaden von rund 80 Millionen Euro entstanden sein“, sagte Ole Kirschner.

Creditreform untersuchte aber nicht nur die Unternehmenspleiten, sondern auch Firmenneugründungen. Hier rechnet die Wirtschaftsauskunftei im laufenden Jahr allein in Solingen mit 1160 neuen Firmen, aber auch mit 920 Abmeldungen. Unter dem Strich verbleiben 240 Neugründungen in der Klingenstadt. „Es tut sich was im Gründungsgeschehen“, sagte der Creditreform-Geschäftsführer. Zumal auch in anderen Städten wie Remscheid (positiver Saldo 60), Leverkusen (540), Langenfeld (190), Wermelskirchen (140), Hückeswagen (20), Monheim (240) und Haan (10) die Zahl der Neuanmeldungen gegenüber den Abmeldungen überwiegt.

Für die Region der Großstädte Solingen, Remscheid und Leverkusen und den umliegenden Städten erwartet Creditreform knapp 1400 Gewerbebetriebe mehr als vor Jahresfrist. Die meisten Neugründungen, rund 73 Prozent, entfallen auf den Dienstleistungssektor. Gefolgt vom Handel (17 Prozent) und dem Bau mit sieben Prozent. Auf die Industrie entfällt dagegen nur drei Prozent.