Solingen: Brücke am Balkhauser Kotten stabilisiert

Lange Sperrung in Solingen : Brücke am Balkhauser Kotten stabilisiert

Wegen Einsturzgefahr ist die Brücke am Balkhauser Kotten seit Jahren für Fahrzeuge gesperrt. In wenigen Tagen soll sie wieder befahrbar sein.

Langsam und äußerst vorsichtig bewegt der Baggerfahrer das gut eine Tonne schwere, vier Meter lange und im Durchmesser 1,40 Meter breite Rohr von der Brücke am Balkhauser Kotten. Er hebt es an einem Seil schwebend über das Geländer. Abwärts geht es in den Graben, der in der Regel Wupperwasser führt, das wiederum das alte Wasserrad antreibt. Im Graben sind zwei weitere Mitarbeiter der Solinger Baufirma, die das schwebende Rohr „in Empfang“ nehmen und in die richtige Position bringen.

Nach etwa 30 Minuten hat das Rohr aus Glasfaser verstärkten Kunststoffen seinen Standort erreicht. Die Schlaufen, die zuvor angebracht worden waren, um das Rohr zu heben, werden gelöst. Bis zum Wochenende wird das Rohr unterhalb der Brücke nun so einbetoniert, damit weiter Wasser durchfließen kann und vor allem die Brücke wieder sicheren Halt hat – und wieder befahren werden kann.

Denn seit mehr als vier Jahren ist die Brücke am Balkhauser Kotten für Fahrzeuge gesperrt – wegen Einsturzgefahr, hieß es damals. „Die Sperrung erfolgte von heute auf morgen für uns völlig überraschend“, sagt Nicole Molinari. Die Architektin ist Vorsitzende des Kuratoriums Balkhauser Kotten und war am Dienstagvormittag aufmerksame Beobachterin der Bauarbeiten, die zu Beginn dieser Woche gestartet waren. „Wir freuen uns, dass wir die Brücke schon in wenigen Tagen wieder komplett nutzen können“, sagt Molinari. „Sie ist für uns sehr wichtig“.

Dabei ist sie nicht einmal sonderlich groß. Etwa 3,50 Meter breit und rund vier Meter lang dient sie insbesondere dazu, schwere Lasten mit einem Fahrzeug direkt an den Kotten zu bringen. „Material zum Schleifen beispielsweise“, sagt die Kuratoriumsvorsitzende. Zum traditionellen Grünkohlessen mussten in der jüngsten Vergangenheit stets 250 Kilogramm Grünkohl mit einer Schubkarre über die Brücke transportiert werden. Aber auch für andere Feste musste im wahrsten Sinne des Wortes Hand angelegt werden, um Material in den Kotten zu bringen. „Wir sind auch Trauort. Hier kann direkt am Wupperufer vor der Kulisse des historischen Schleifermuseums unter freiem Himmel geheiratet werden. Auch von daher brauchen wir die Brücke“, sagt Nicole Molinari.

Nicole Molinari freut sich über die einfache Brückenlösung. Foto: Uwe Vetter

Dabei war die Stadt durchaus bereit, mit Geld für eine neue Brücke zu helfen. 175.000 Euro sind im Haushalt eingestellt. Doch etliche Brückenvarianten sprengten den Etatrahmen. Bis zu 225.000 Euro sollten der Abriss der alten und der Bau einer neuen Brücke kosten. „Es gab auch die Idee bei der Stadt, eine neue Brücke auf der anderen Seite des Balkhauser Kottens zu bauen und die alte Brücke stehen zu lassen“, sagt Nicole Molinari. „Das wollten wir aber vom Kuratorium aus nicht.“

Nun greift mit dem Rohr aus Glasfaser verstärkten Kunststoffen nicht nur eine schnelle, sondern obendrein kostengünstige Lösung. „Die Baukosten reduzieren sich auf 30.000 Euro. Das Geländer wird von Schlossern der Technischen Betriebe hergestellt und im Anschluss erneuert“, teilt die Stadt mit. Und: Sowohl der Denkmalschutz als auch die Untere Wasserbehörde haben der überarbeiteten einfachen Lösung zugestimmt.

Das freut auch Stadtkämmerer Ralf Weeke. Denn von den zurückgelegten 175.000 Euro kann er 145.000 Euro sparen. „Wir sind zum Sparen angehalten“, sagt Weeke mit Blick auf die Bezirksregierung. Gleichwohl will er schauen, ob für den Balkhauser Kotten eventuell noch Geld übrig ist. Nicole Molinari: „Wir müssten rund 80.000 Euro investieren, um die Grabenwände in Ordnung zu bringen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neues Rohr für die Brücke am Balkhauser Kotten

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