Solingen: Boom in der Baubranche hält weiter an

Stephan Paffrath : Der Statiker, der keinen Stillstand kennt

Vom Boom der Baubranche profitieren nicht nur Architekten: Stephan Paffrath hat sich mit seinem Ingenieurbüro im Delta-Werk an der Gasstraße in Höhscheid unter anderem auf die Statik spezialisiert.

Der ehemalige Oberbürgermeister Franz Haug kann sich freuen: Er wollte immer Kräne über der Stadt sehen. Beste Laune herrscht aber auch bei denen, die für die neuen Häuser und Industriehallen sorgen. „In der Baubranche geht es allen sehr gut“, sagt Stephan Paffrath. „Es ist unheimlich viel zu tun. Vor allem muss Wohnraum geschaffen werden.“ Um jeweils rund zehn Prozent steigerte der Inhaber eines Ingenieurbüros in den vergangenen Jahren seinen Umsatz.

Paffrath ist Spezialist für Baustatik, -konstruktion und -physik und außerdem Energieberater – wobei rund zwei Drittel seiner Arbeit auf die Statik entfällt. Als Partner der Architekten war er am Neubau des Tierheims Glüder ebenso beteiligt wie an der Klinik im Südpark, an Projekten des Bauvereins Gräfrath (Heider Hof) wie an solchen von Vastbau in Solingen (Unnersberger Allee, Aufderhöher Straße) und Wuppertal. Momentan entstehen an der Raffaelstraße 24 Wohnungen der Heimstatt Adolph Kolping; an der Maubeshauser Straße sind es unter dem Namen „Wohnpark3StädteECK“ noch zehn mehr.

Zu den größeren kommenden Projekten gehören ein Neubau der St. Augustinus Seniorenhilfe Neuss an der Lindenbaumstraße (26 Wohnungen) und das „Herzog Karree“ von plan8 in Merscheid (20). Außerdem wird die Baulücke an der Ecke von Kölner Straße und Elsa-Brändström-Straße geschlossen (34) – alles Vorhaben jeweils im einstelligen Millionenbereich. „Es ist alles so komplex geworden“, kommentiert Stephan Paffrath. „Deshalb braucht der Architekt die diversen Fachplaner.“

Selbst würde er gerne stärker das Energieeinsparen propagieren. „Da bohre ich teilweise harte Bretter bei den Architekten“, erläutert der Diplom-Ingenieur. „Ich mache das unheimlich gern, bilde mich ständig weiter und versuche, Überzeugungsarbeit zu leisten“ – auch mit finanziellen Argumenten. Stephan Paffrath kennt sich nicht nur bei den möglichen Einsparungen, sondern auch bei den KfW-Förderprogrammen aus: „Ich war von Anfang an dabei.“

Es gibt die Kreditvariante (mit Rabattstaffelung bei der Tilgung in Abhängigkeit der Energieeffizienz des Gebäudes) und die Zuschussvariante. Außerdem wird nach drei Kernbereichen unterschieden: je einem für Wohn- und Nichtwohngebäude und einem für denkmalgeschützte Immobilien wie dem Haus Eschbachstraße 3-5. Das mit Schiefer verkleidete Fachwerkhaus in Unterburg, das früher zu Striepen gehörte (Hotel und Restaurant) wurde mit hohem Aufwand energetisch restauriert.

„Mittlerweile entscheiden sich in jedem fünften Fall die Bauherren für ein Effizienzhaus“, berichtet Stephan Paffrath. „Das größte Einsparpotenzial liegt jedoch im Altbau.“ Allerdings müsse man einen längeren Atem haben: „Nach zehn bis zwölf Jahren spare ich dann wirklich.“ Schwächstes Glied in der Kette der Bauteile seien die Fenster. „Durch einen Quadratmeter eines modernen, dreifach verglasten Fensters gehen pro Jahr zirka 74 Kilowattstunden Wärmeenergie verloren. Das entspricht ungefähr sieben Liter Öl. Bei einem einfach verglasten Fenster aus den 60er Jahren sind es zirka 42 Liter.“ Eine interessante Materie, für die sich auch Berufseinsteiger interessieren. Paffrath bildet seit 2010 Bauzeichner aus und hat nur gute Erfahrungen gemacht. „Trotzdem treffe ich immer noch auf Vorbehalte bei Kollegen, die nicht ausbilden wollen.“ Für den freien Platz gingen rund 20 Bewerbungen ein. „Allerdings heißt es in vier von fünf Anschreiben: ,Ich male und zeichne gern und bin gerne kreativ.’ Das hat wenig mit dem Beruf zu tun.“

Den Ausbildungsvertrag unterschreiben konnte dann Hasan Salmo. Der 19-jährige Syrer, der vor rund acht Jahren mit seiner Familie nach Deutschland kam, macht seit März ein Praktikum bei Paffrath. „Die Arbeit im Büro gefällt mir super“, freut sich Salmo, der seine Lehre im August beginnt.

Dass es dabei weniger ums Malen und kreative Freiheiten geht, wusste er schon: „Mein Vater war Bauingenieur.“

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